Krieg, Ukraine

Drei Jahre Krieg in der Ukraine: Suspendierung der US-Auslandshilfen hat gravierende Auswirkungen

21.02.2025 - 07:46:36

Berlin - Die Ukraine leidet weiterhin unter einer der größten Vertreibungskrisen weltweit. 6,8 Millionen Menschen sind seit Kriegsbeginn im Februar 2022 aus ihrer Heimat geflohen und weitere 3,6 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht. Insgesamt 12,7 Millionen Ukrainer*innen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Doch diese steht an einem Wendepunkt, da die US-Auslandshilfen suspendiert wurden.

Zusätzlich zur dramatischen Situation der Binnenflüchtlinge leidet die ukrainische Bevölkerung unter der desolaten wirtschaftlichen Situation, in der mehr als 9 Millionen Menschen in Armut leben. Der Verlust stabiler Einkommensquellen, die Zerstörung der landwirtschaftlichen und industriellen Infrastruktur sowie die Schließung vieler Kleinbetriebe haben die Situation weiter verschärft.

Die gezielten Angriffe auf die Energieinfrastruktur haben die Gesundheitsversorgung und den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen weiter beeinträchtigt. Stromausfälle und Schäden an der Infrastruktur behindern den Betrieb von Krankenhäusern, den Zugang zu Medikamenten und lebenswichtigen Dienstleistungen wie Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Heizung. Besonders betroffen sind gefährdete Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen, chronisch Kranke und Menschen mit Behinderungen.

Die ungewisse Zukunft der internationalen Hilfe der USA hat dramatische menschliche Folgen

Die Suspendierung der US-Auslandshilfen hat schwerwiegende Auswirkungen - weltweit und in der Ukraine. Sie schränkt die Möglichkeiten gemeinnütziger Organisationen wie Aktion gegen den Hunger ein, lebensrettende Hilfe zu leisten. Die Aussetzung der durch US-Hilfe finanzierten Maßnahmen könnte Auswirkungen auf etwa 20.000 Menschen haben. Das betrifft den Zugang zur Gesundheitsversorgung für 18.000 Menschen, die in abgelegenen Gebieten und unter prekären Bedingungen leben sowie die psychologische Betreuung für vertriebene und traumatisierte Kinder und Jugendliche.

Aktion gegen den Hunger musste bereits die Verteilung von Bargeld an Familien einstellen, die nahe der Frontlinie vertrieben wurden. "Diese Familien, etwa 1.800 Menschen, sind extrem gefährdet und können derzeit nicht unterstützt werden. Auch die psychosoziale Betreuung von vertriebenen Kindern und Jugendlichen, die durch den Konflikt traumatisiert sind und in Sammelunterkünften leben, musste eingestellt werden. Sie haben uns gebeten, weiterzumachen, wir haben Aufrufe erhalten, weiterzumachen, aber wir mussten aufhören. Es ist herzzerreißend. Sie brauchen uns, sie brauchen unsere Hilfe", erläutert Ionut Raita, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger in der Ukraine.

Psychosoziale Folgen des Krieges und mobile Gesundheitsteams

Während der Krieg noch andauert, befinden sich viele Ukrainer*innen in großer Not: Laut WHO könnten 10 Millionen von ihnen kurz- oder mittelfristig an psychischen Störungen leiden. Viele haben große Verluste erlitten, wie den Tod von Angehörigen oder die Zerstörung ihres Zuhauses. Die psychischen Folgen des Konflikts werden voraussichtlich noch Jahrzehnte nachwirken und das ohnehin fragile Gesundheitssystem weiter belasten. Deshalb ist die psychische Gesundheitsversorgung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, ein Schwerpunkt von Aktion gegen den Hunger. Die Hilfsorganisation bietet Maßnahmen zur psychischen Gesundheit und psychosoziale Unterstützung für Menschen, die unter psychosozialem Stress und Traumata leiden. Im Jahr 2023 konnten in diesem Bereich 12.457 Menschen erreicht werden.

Der Krieg hat den Zugang zur Gesundheitsversorgung stark beeinträchtigt. Wiederholte Angriffe auf die Gesundheitsinfrastruktur und Engpässe bei Medikamenten und Personal schränken den Zugang zu medizinischer Versorgung weiter ein. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat Aktion gegen den Hunger mobile Gesundheitsteams zusammengestellt, die schwer zugängliche Gebiete in den Regionen Dnipro und Charkiw besuchen. Diese Teams, bestehend aus einem Arzt, einer Krankenschwester, einer Hebamme und einem Gynäkologen, versorgen die Bedürftigsten mit medizinischer Hilfe und Medikamenten.

"Ich selbst bin von den Militäraktionen betroffen, da ich derzeit vertrieben bin. Ich stamme aus der Region Saporischschja und musste wegen des Krieges meine Heimat, meine Arbeit und meine Freunde verlassen. Ich denke, das ist eine unserer Hauptaufgaben: den Menschen zu helfen, diese Not zu überstehen und ihnen Unterstützung zu geben", erklärt Valeriy, Allgemeinmediziner im mobilen Ärzteteam von Aktion gegen den Hunger, der lange als Hausarzt und Leiter einer allgemeinen Ambulanz gearbeitet hat.

Unsere Arbeit in der Ukraine

Aktion gegen den Hunger ist seit März 2022 wieder in der Ukraine aktiv. In den Oblasten Sumy, Charkiw, Donezk, Dnipro und Saporischschja unterstützen wir in den lebenswichtigen Bereichen Gesundheit, psychische Gesundheit und psychosoziale Betreuung, Wasser, Hygiene und sanitäre Einrichtungen sowie Ernährungssicherheit und Lebensgrundlagen. Die Programme werden von einem Koordinationsbüro in Kyjiw und Außenstellen in Dnipro und Charkiw geleitet. Im Jahr 2023 wurden 675.364 Menschen durch unsere Programme unterstützt.

Zuvor war Aktion gegen den Hunger bereits von 2014 bis 2018 in der Ukraine aktiv und führte im Zusammenschluss mit Nichtregierungsorganisationen Projekte im Bereich Wasser und Hygiene, Lebensmittelsicherheit, Sicherung von Existenzgrundlagen sowie psychosozialer Unterstützung durch.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 56 Ländern und Regionen aktiv ist und über 21 Millionen Menschen unterstützt. Seit über 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.987 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Hinweise an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche.

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