Weimer: Tuttle stellte selbst ihre Berlinale-Zukunft infrage
01.03.2026 - 12:36:49 | dpa.deBerlinale-Intendantin Tricia Tuttle hat nach Darstellung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer von sich aus ihre Zukunft bei der Berlinale infrage gestellt. «Sie sagte mir und auch meinem Amtschef am Dienstag, sie könne in dieser vergifteten Atmosphäre und ihren politischen Spannungen die Berlinale kaum weiterführen», sagte Weimer der «Rheinischen Post» (Montag). Sie hätten offen über die schwierige Situation gesprochen.
Auf die Frage, ob er deswegen die Aufsichtsratssitzung einberufen habe, antwortete er: «Wenn ein derartiger Eklat passiert und auch die Intendantin ihre Zukunft von sich aus infrage stellt, müssen die Gremien beraten.» Mehr könne er mit Blick auf die vereinbarte Vertraulichkeit und laufende Gespräche nicht sagen.
Während des Filmfestivals hatte es mehrfach Debatten zum Umgang mit dem Nahostkonflikt gegeben. Nach Kontroversen rund um die Berlinale und der Zukunft Tuttles als Intendantin gab es am Donnerstag eine Aufsichtsratssitzung. Die Gespräche sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden.
Weitere Sitzung Mitte der Woche geplant
Tuttle habe von den Reaktionen tief getroffen gewirkt, sagte Weimer. Ihm zufolge haben «politische Aktivisten die Festspiele negativ überlagert und mit ihren Aktionen die Stimmung regelrecht vergiftet». Kaum jemand spreche mehr über die tollen Filmemacher. Diese Vergiftung habe ihn erst traurig und dann ärgerlich gemacht.
Für die Führung der Berlinale seien es keine leichten Tage gewesen. «Tricia Tuttle und Wim Wenders haben Engagement und Integrität in die Waagschale geworfen», sagte er. «Das verdient Respekt.»
Nach Angaben Weimers ist Mitte der Woche eine Aufsichtsratssitzung mit Tuttle geplant. «Alle Beteiligten wollen meiner Einschätzung nach rasch zu guten Ergebnissen kommen.» Neben der personellen Formation müsse über einen Verhaltenskodex und organisatorische Fragen der Berlinale gesprochen werden, damit solche Vorkommnisse und Aktionen künftig unterblieben. «Es gilt zugleich, die Akzeptanz der Berlinale auf möglichst breite Beine zu stellen. Tricia wird sich erklären, ob sie dazu bereit ist.»
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