Volleyball-EM: Deutsches Comeback gegen Bulgarien – Viertelfinale gegen Titelfavorit Polen
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 10:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie deutschen Volleyballer haben bei der Europameisterschaft mit einem spektakulären Comeback-Sieg gegen Bulgarien das Viertelfinale erreicht und reisen mit viel Selbstvertrauen zum Duell mit Titelverteidiger Polen.
Comeback-Sieg gegen Bulgarien in Sofia
In Sofia drehte die deutsche Auswahl ein bereits verloren geglaubtes Achtelfinale gegen den Vizeweltmeister Bulgarien und setzte sich vor rund 12.000 lautstarken heimischen Fans mit 3:2 durch. Mittelblocker Anton Brehme beschrieb die Wende nach dem 0:2-Satzrückstand als Ergebnis gemeinsamer Energie im Team, das wie eine Familie agiert habe. Bundestrainer Massimo Botti betonte, für dieses Gefühl habe die Mannschaft den ganzen Sommer gearbeitet und sprach seine Spieler direkt auf den spürbaren Rückenwind an.
Ruhe bewahrt und Momentum erkämpft
Zu Beginn hatten die Bulgaren um das Brüderduo Aleksandar und Simeon Nikolov die ersten beiden Sätze dominiert, vor allem dank druckvoller Aufschläge. Kapitän Jan Zimmermann berichtete, sein Team habe diesen Druck klar gespürt. Diagonalspieler Erik Röhrs hob hervor, dass Deutschland trotz des Rückstands keinen schlechten Volleyball gespielt und darauf vertraut habe, bei konstanter Leistung die eigene Chance zu bekommen. Schritt für Schritt holte sich die Mannschaft das Momentum, stabilisierte die Annahme und erhöhte den Druck im eigenen Aufschlag.
Emotionale Stärke als Schlüssel
Im Verlauf der Partie pushten sich die Spieler gegenseitig und blieben laut Zimmermann stolz darauf, trotz Rückschlägen den Kopf oben behalten zu haben. Röhrs sah die Emotionalität als wesentlichen Schlüssel und sagte, das Team habe sich komplett in das Spiel hineingebissen. Statt sich von Rückstand und Kulisse beeindrucken zu lassen, seien alle komplett motiviert gewesen, die Begegnung zu drehen. Röhrs ging mit 20 Punkten voran, Brehme steuerte 14 Zähler bei und überzeugte mit einer nahezu perfekten Angriffsquote.
Erneuter Kraftakt trotz Personalsorgen
Bereits in der Vorrunde hatten die Deutschen vier ihrer fünf Spiele gewonnen, waren aber im Achtelfinale als leichter Außenseiter gestartet. Die Situation wurde zusätzlich durch den Ausfall von Zuspieler Johannes Tille erschwert, der mit einem Mittelfußbruch nicht einsatzfähig war. Trotzdem zeigte das Team ähnlich wie im Gruppenspiel gegen Rumänien, in dem eine 2:0-Führung fast noch aus der Hand gegeben wurde und am Ende doch ein Tiebreak-Sieg gelang, große mentale Widerstandskraft. Trainer Botti lobte seine Mannschaft dafür, dass sie trotz Fehlern immer weiterspiele, alles gebe und sich durch Schwierigkeiten hindurchkämpfe.
Viertelfinale gegen Weltklasse-Team Polen
Im Viertelfinale wartet nun Polen, das bei der EM als Titelverteidiger antritt, die Weltrangliste anführt und zuletzt die Nationenliga gewonnen hat. Der Gegner gilt damit als klare Ausnahmemannschaft im internationalen Volleyball. Röhrs beschrieb Polen als Team, das extrem viel Druck mache, kaum Fehler produziere und im Block äußerst sauber arbeite, was es allen Gegnern schwer mache. Für Deutschland sieht der Angreifer den Weg zum möglichen Erfolg einzig über absoluten Willen, um gegen die physisch und taktisch starken Osteuropäer zu bestehen.
Deutscher Volleyball auf der EM-Bühne
Der Sieg der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft im EM-Achtelfinale gegen Bulgarien ist sportlich wie psychologisch ein Einschnitt. Die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes hatte zuletzt häufig mit Verletzungen, Umbrüchen im Kader und wechselnden Trainern zu kämpfen. Umso größer ist die Bedeutung eines Comebacks, bei dem sich das Team nach einem 0:2-Satzrückstand gegen einen Vizeweltmeister in einer emotional aufgeheizten Atmosphäre durchsetzt und die Partie noch dreht.
Rolle von Trainer Botti und der Teamstruktur
Bundestrainer Massimo Botti setzt erkennbar auf eine Spielphilosophie, in der mentale Robustheit und mannschaftliche Geschlossenheit zentrale Faktoren sind. Die Aussagen der Spieler nach der Partie deuten darauf hin, dass klare Rollen und gegenseitiges Vertrauen gewachsen sind. Trotz des Ausfalls des wichtigen Zuspielers Johannes Tille übernimmt die Mannschaft kollektiv Verantwortung: Führungsspieler wie Erik Röhrs und Anton Brehme gehen voran, jüngere Kräfte fügen sich ein. Diese Struktur ist im internationalen Volleyball entscheidend, weil der Abstand zwischen den Topteams gering ist und Spiele oft über Nuancen in Konzentration und Stabilität entschieden werden.
Ausblick auf das Duell mit Weltklasseteam Polen
Das bevorstehende Viertelfinale gegen Polen ist für die deutsche Mannschaft ein Härtetest auf höchstem Niveau. Polen ist als Titelverteidiger und Weltranglistenerster ein Referenzpunkt im europäischen Volleyball, zudem bringt das Team eine breite, erfahrene Spielerdecke und taktische Variabilität mit. Für Deutschland eröffnet sich die Chance, die neu gewonnene mentale Stärke gegen einen sehr druckvollen Gegner zu bestätigen. Gelingt es, das Niveau aus dem Bulgarien-Spiel zu halten, könnte die EM zu einem Wendepunkt für die weitere Entwicklung des Teams werden – unabhängig vom Ausgang des Viertelfinals.
