Turn-WM Rotterdam, Angelina Melnikowa

Turn-WM: Melnikowa fehlt Russland nach verweigertem Visum

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 09:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Angelina Melnikowa, Anna Kalmykowa und Viktoria Listunowa fehlen bei der Turn-WM in Rotterdam. Der Ausschluss belastet Russlands Chancen im Teamwettbewerb und löst in Moskau heftige Kritik aus.

Russlands Frauen-Team ohne drei Spitzenkräfte

  • Angelina Melnikowa, Anna Kalmykowa und Viktoria Listunowa erhielten kein Visum für die Niederlande.
  • Die russische Riege tritt in Rotterdam als „World Gymnastics 2“ ohne Flagge und Hymne an.
  • Die besten drei Teams der Weltmeisterschaft qualifizieren sich direkt für Los Angeles 2028.
Ohne Visa: Angelina Melnikowa (M) und Anna Kalmykowa (l). (Archivbild) - Bild: Igor Kralj/PIXSELL/dpa

Russlands Turnerinnen fehlen in Rotterdam

Drei russische Spitzenturnerinnen haben für die Weltmeisterschaften in Rotterdam kein Visum erhalten. Mehrkampf-Welt- und Europameisterin Angelina Melnikowa, die EM-Zweite Anna Kalmykowa und Viktoria Listunowa können deshalb ihren WM-Auftritt nicht bestreiten.

Russland startet mit Ersatzbesetzung

Die russische Mannschaft tritt wie bei der Europameisterschaft im August als „World Gymnastics 2“ an. In der Ahoy Arena fehlen damit drei Athletinnen, die zu den stärksten Turnerinnen des Landes zählen und Russlands Frauen-Team zu einem Medaillenkandidaten gemacht hatten.

Politische Kritik aus Moskau

Kreml-Sprecher Dimitri Peskow kritisierte die Entscheidung scharf. Er sagte, einzelne Länder versuchten, den Verlauf von Wettkämpfen zu beeinflussen, indem sie die besten Sportlerinnen von der Teilnahme ausschlössen.

Auch Melnikowa äußerte sich in einem Instagram-Video enttäuscht. Der russische Turnverband erklärte, einer oder mehrere Staaten des Schengen-Raums hielten die Sportlerinnen für eine Bedrohung ihrer internationalen Beziehungen.

Wichtige WM für Olympia-Qualifikation

Die Weltmeisterschaften in Rotterdam haben über den einzelnen Wettbewerb hinaus Bedeutung, weil bereits Startplätze für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles vergeben werden. Die drei besten Teams qualifizieren sich direkt. Russlands Frauen-Riege galt mit Melnikowa, Kalmykowa und Listunowa als aussichtsreicher Anwärter auf eine Medaille.

Visa-Probleme gab es bereits in Zagreb

Schon bei der Europameisterschaft in Kroatien waren Visa erst kurzfristig erteilt worden. Damals konnten Melnikowa und Kalmykowa antreten, nachdem die kroatische Regierung, der kroatische Turnverband und European Gymnastics Gespräche geführt hatten.

Ähnliche Bemühungen des Turn-Weltverbandes blieben vor der WM in den Niederlanden erfolglos. World Gymnastics erklärte, die Visa-Vergabe liege allein bei den niederländischen Behörden; der Verband stehe weiter mit den Behörden, dem Organisationskomitee und dem russischen Turnverband im Austausch.

Melnikowa mit politischer Vorgeschichte

Melnikowa war 2025 als parteilose Kandidatin für die Partei „Geeintes Russland“ von Wladimir Putin bei der Kommunalwahl in Woronesch angetreten. Nach einer gewonnenen Vorwahl zog sie ihre Kandidatur zurück und verwies auf die Belastung durch die Vorbereitung auf internationale Wettkämpfe.

Start unter neutralen Bedingungen

Russische und belarussische Athleten dürfen in Rotterdam ohne Flaggen, Hymnen und nationale Symbole antreten. Beide Länder waren nach dem russischen Angriff auf die Ukraine seit Februar 2022 von Wettbewerben ausgeschlossen; im Mai hob der Weltverband die Sanktionen auf.

Das russische Frauen-Team tritt am Montag mit Alena Glotowa, Ljudmila Roschtschina, Elisaweta Us, Alexandra Anufrejewa und Zlata Osokina an.

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Die Visa-Frage trifft den russischen Frauensport in Rotterdam an einem besonders sensiblen Punkt. Die Weltmeisterschaften dienen zugleich als erster Qualifikationswettbewerb für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Im Teamwettbewerb qualifizieren sich die drei besten Mannschaften direkt für die Sommerspiele. Der Ausfall von Melnikowa, Kalmykowa und Listunowa betrifft deshalb nicht nur die Medaillenchancen Russlands, sondern auch die sportliche Ausgangslage im Kampf um die Olympia-Plätze.

Neutraler Start unter politischen Bedingungen

Russische und belarussische Turnerinnen und Turner dürfen in Rotterdam zwar antreten, erscheinen aber ohne Flagge, Hymne und nationale Symbole. Die Teams werden als „World Gymnastics 2“ beziehungsweise „World Gymnastics 1“ geführt. Diese Regelung steht im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Unterstützung durch Belarus. Der Weltverband hatte die Sanktionen im Mai aufgehoben und damit Starts unter bestimmten Bedingungen ermöglicht.

Die Visa-Entscheidung zeigt zugleich, dass eine sportrechtliche Zulassung nicht automatisch die tatsächliche Teilnahme garantiert. Bereits bei der Europameisterschaft in Zagreb waren Einreisegenehmigungen erst kurzfristig erteilt worden. Für Athletinnen, Verbände und Veranstalter entsteht dadurch ein organisatorisches und politisches Spannungsfeld: Einerseits soll der Wettbewerb nach einheitlichen Regeln stattfinden, andererseits bleiben Einreiseentscheidungen Sache der Staaten. Für die Turnerinnen bedeutet das, dass ihre Vorbereitung und ihre Chancen auf Olympia-Qualifikation auch von außenpolitischen Rahmenbedingungen beeinflusst werden können.

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