DOSB-Präsident Weikert tritt ab: Rennen um Nachfolge eröffnet
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 12:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWSThomas Weikert tritt bei der nächsten Wahl nicht erneut als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) an und macht damit zwei Monate vor der Mitgliederversammlung den Weg für einen Führungswechsel frei.
Weikert nennt hohe Belastung
Der 64-Jährige erklärte seinen Verzicht in einem Brief auf der Internetseite des Dachverbands mit der enormen Arbeitsbelastung des Amts. Er spüre, dass er nicht mehr die Kraft aufbringen könne, sich weitere vier Jahre mit voller Energie den Aufgaben eines DOSB-Präsidenten zu widmen. Auch mit Blick auf seine Familie wolle er sich die Belastung nicht noch einmal zumuten.
Die Wahl findet bei der Mitgliederversammlung des DOSB in Frankfurt am Main statt. Weikert kündigte an, sich weder vor noch nach der Wahl an Personaldiskussionen zu beteiligen. Eine vom deutschen Sport eingesetzte Findungskommission soll mögliche Kandidaten prüfen; Vorschläge können die Mitgliedsorganisationen bis zum 30. Oktober einreichen.
Mronz gilt als möglicher Favorit
Als möglicher Nachfolger wird DOSB-Präsidiumsmitglied Michael Mronz gehandelt. Der 59-Jährige ist Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH und IOC-Mitglied. Bekannt ist er zudem durch seine Arbeit für den CHIO Aachen und die frühere Initiative Rhein-Ruhr, die eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2032 verfolgt hatte.
Mronz gilt im deutschen Sport allerdings nicht als unumstritten. Kritisch gesehen wird insbesondere seine Nähe zu den Olympia-Plänen in Nordrhein-Westfalen, während er künftig Münchens Bewerbung um Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 gegenüber dem IOC voranbringen müsste. Als mögliche Alternative wird Martin Engelhardt genannt, der Präsident der Deutschen Triathlon-Union ist und bereits 2018 für das DOSB-Präsidentenamt kandidierte.
Rückzug nach Olympia-Panne
Zuletzt hatte Weikert bei der Kür Münchens zum deutschen Olympia-Bewerber für Aufsehen gesorgt. Bei der Übergabe des Siegerumschlags an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war der Name München schon vor der offiziellen Verkündung zu lesen.
Weikert versicherte, dass der wachsende Widerstand in Landessportbünden und Spitzenverbänden keine Rolle bei seiner Entscheidung gespielt habe. Er steht seit Dezember 2021 an der Spitze des Dachverbands, dessen angeschlossene Organisationen mehr als 29 Millionen Mitglieder zählen. Zuvor war er Präsident des Tischtennis-Weltverbands. Bei seiner Bestätigung ein Jahr nach der ersten Wahl hatte er keinen Gegenkandidaten.
Führungswechsel in einer entscheidenden Phase
Der Rückzug Thomas Weikerts fällt in eine strategisch wichtige Phase für den deutschen Sport. Mit München steht seit der Entscheidung des DOSB am vergangenen Samstag erstmals fest, welcher deutsche Bewerber die nationale Bewerbung um Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 weiterverfolgt. Das IOC will den Kreis der Bewerber für 2036 bereits im kommenden Frühjahr deutlich verkleinern.
Damit übernimmt die künftige DOSB-Spitze nicht nur die Interessenvertretung der angeschlossenen Sportverbände, sondern auch eine zentrale Rolle bei der internationalen Bewerbung. Zu den Aufgaben gehören die Abstimmung mit München, den Ländern und dem Bund sowie die Vermittlung der deutschen Pläne gegenüber dem IOC. Die Nachfolgeentscheidung erhält dadurch über den Verband hinaus sportpolitisches Gewicht.
Olympiaprojekt mit hohen Anforderungen
Für München beginnt nach dem nationalen Zuschlag die aufwendigere internationale Phase. Im Mittelpunkt stehen ein belastbares Finanzierungskonzept, Verkehrs- und Veranstaltungsinfrastruktur sowie die Frage, wie vorhandene Anlagen des Olympiaparks genutzt und modernisiert werden können. Das Münchner Konzept setzt auf den Olympiapark von 1972 als Zentrum der Spiele.
Die Bewerbung steht zugleich unter Zeitdruck. Eine mögliche IOC-Vorauswahl im kommenden Frühjahr würde frühe Klarheit über die internationale Konkurrenz schaffen. Für den DOSB bedeutet der Führungswechsel deshalb, dass Personalentscheidung und Olympiaarbeit zeitlich unmittelbar zusammenfallen. Bis zum 30. Oktober können die Mitgliedsorganisationen Kandidaten für das Präsidentenamt vorschlagen; gewählt werden soll bei der Mitgliederversammlung in Frankfurt am Main.
