Jannik Sinner beendet Saison: Alexander Zverev vor Sprung auf Platz eins
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 14:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWSJannik Sinner kehrt wegen anhaltender Knieprobleme in diesem Jahr nicht mehr auf die Tennistour zurück und eröffnet Alexander Zverev damit eine große Chance auf Platz eins der Weltrangliste.
Zverev kann Sinner bald einholen
Sinner gab die Entscheidung in einer Videobotschaft über soziale Medien bekannt. Er habe sie in Rücksprache mit den Ärzten getroffen, weil sein Knie weitere Behandlungen benötige und er auch an seine langfristige Karriere denken müsse.
Der Italiener kann die Punkte aus der erfolgreichen Vorsaison bei den verbleibenden Turnieren nicht verteidigen. Zverev hat deutlich weniger Zähler zu verlieren und wird Sinner deshalb voraussichtlich unabhängig von seinen eigenen Ergebnissen in den kommenden Wochen einholen.
ATP-Finals als spätester genannter Zeitpunkt
Aktuell trennen die beiden Spieler 1.280 Punkte. Spätestens bei den ATP-Finals in Turin ab dem 12. November kann Zverev den Tennis-Thron übernehmen.
Dass Carlos Alcaraz Zverev in diesem Jahr noch überholt, gilt als praktisch ausgeschlossen. Der Spanier gewann am Dienstag das Finale von Tokio gegen den Tschechen Juri Lehecka.
Zweiter Deutscher nach Boris Becker
Zverev wäre bei den Männern erst der zweite Deutsche auf Platz eins nach Boris Becker. Der dreimalige Wimbledonsieger stand insgesamt zwölf Wochen an der Spitze.
Becker hatte während der US Open erklärt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis Zverev die Nummer eins werde. Für den Hamburger würde die Führung ein außergewöhnliches Erfolgsjahr krönen: Im Frühjahr gewann er bei den French Open seinen ersten Grand-Slam-Titel, im September folgte der Triumph bei den US Open.
Großer Rückstand stark geschrumpft
Anfang Februar hatte Zverev nach den Australian Open noch mehr als 9.000 Punkte Rückstand auf den damals führenden Alcaraz und knapp 5.700 Zähler auf Sinner. Alcaraz fiel jedoch monatelang wegen einer Handgelenksverletzung aus, während Sinner seit Monaten pausiert.
Davis Cup als weiteres Ziel
Zverev bleibt in diesem Jahr ein weiteres großes Ziel: der erste deutsche Davis-Cup-Triumph seiner Karriere. Im Duell mit Kroatien hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass das deutsche Team die Finalrunde in Bologna vom 24. bis 29. November erreichte.
„Wir als deutsche Mannschaft werden irgendwann älter“, sagte Zverev. Er wolle jede Chance nutzen, den Davis Cup zu gewinnen.
Weltrangliste wird durch Punktedynamik entschieden
Im Tennis zählt nicht allein die aktuelle Form, sondern auch, welche Punkte aus dem Vorjahr verteidigt werden müssen. Sinner hat in der Schlussphase der Saison ein großes Polster aus erfolgreichen Auftritten zu schützen. Weil er wegen seiner Knieprobleme nicht antritt, fallen diese Resultate nach Ablauf der jeweiligen Turniere aus der Wertung.
Zverev steht dadurch vor einer ungewöhnlichen Gelegenheit: Er muss Sinner nicht zwingend bei einem direkten Duell schlagen, sondern kann den Rückstand über mehrere Turniere abbauen. Nach dem dpa-Faktenstand beträgt dieser 1.280 Punkte. Die ATP-Finals in Turin vom 12. November an bilden dabei den spätesten genannten Fixpunkt für den möglichen Führungswechsel.
Erfolgsjahr mit besonderer Vorgeschichte
Die mögliche Nummer eins wäre der nächste Höhepunkt eines Jahres, in dem Zverev erstmals einen Grand-Slam-Titel gewann und bei den US Open erfolgreich war. Zugleich zeigt die Entwicklung, wie stark Verletzungen die Kräfteverhältnisse im Spitzentennis beeinflussen: Auch Carlos Alcaraz hatte zuvor monatelang pausieren müssen.
Für Sinner steht dagegen die langfristige Stabilisierung des Knies im Vordergrund. Seine angekündigte Pause betrifft nicht nur einzelne Turniere, sondern den gesamten restlichen Saisonkalender. Für Zverev eröffnet sich damit sportlich eine historische Chance; endgültig entschieden wird die Rangliste jedoch erst durch die Resultate und die jeweils anrechenbaren Punkte der kommenden Wochen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS online: „Sagt Jannik Sinner jetzt sogar alle Turniere ab? Star-Arzt mischt sich ein“ (05.10.2026)
Der Bericht habe bereits vor der dpa-Meldung die anhaltenden Knieprobleme und eine mögliche Absage weiterer Turniere thematisiert. Er hebe zudem hervor, ein Spezialist habe von einer Operation abgeraten und eine konservative Behandlung empfohlen; die dpa-Meldung bestätige nun Sinners Saisonende und begründe es mit weiteren notwendigen Behandlungen.
DER SPIEGEL: „Tennis: Novak Djokovic bremst Alexander Zverev bei der Jagd auf die Weltranglistenspitze aus“ (04.10.2026)
Der Artikel habe den Schwerpunkt auf Zverevs Niederlage gegen Novak Djokovic in Peking gelegt und beschrieben, dass der Deutsche dort noch nicht an Sinner vorbeiziehen könne. Zugleich bestätige er Zverevs gute Ausgangslage wegen Sinners Verletzungspause und ordne die mögliche historische Bedeutung als zweiter deutscher Weltranglistenerster nach Boris Becker ein.
Beide Beiträge stimmten darin überein, dass Sinners Verletzungspause Zverevs Aufstiegschancen deutlich verbessere. Der FOCUS-Bericht richte den Blick stärker auf Sinners medizinische Situation, während der SPIEGEL Zverevs sportlichen Weg und den Rückschlag in Peking betone.
