Coco Gauff, Rassismus im Tennis

Coco Gauff prangert nach Tennis-Kontroverse rassistische Angriffe an

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 07:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Coco Gauff wehrt sich nach einer umstrittenen Videoüberprüfung beim Turnier in Peking gegen rassistische Kommentare und Betrugsvorwürfe. Boris Becker stellt sich öffentlich hinter die US-Amerikanerin.

  • Beim Turnier in Peking gab es eine Kontroverse um Coco Gauff.  - Bild: Achmad Ibrahim/AP/dpa
    Beim Turnier in Peking gab es eine Kontroverse um Coco Gauff. - Bild: Achmad Ibrahim/AP/dpa
  • Coco Gauff (l) gibt Sun Xinran die Hand, nachdem sie gewonnen hat. - Bild: Andy Wong/AP/dpa
    Coco Gauff (l) gibt Sun Xinran die Hand, nachdem sie gewonnen hat. - Bild: Andy Wong/AP/dpa
Beim Turnier in Peking gab es eine Kontroverse um Coco Gauff.  - Bild: Achmad Ibrahim/AP/dpa Coco Gauff (l) gibt Sun Xinran die Hand, nachdem sie gewonnen hat. - Bild: Andy Wong/AP/dpa

US-Tennisstar Coco Gauff hat sich nach einer Kontroverse um eine umstrittene Videoüberprüfung beim Turnier in Peking öffentlich gegen rassistische Kommentare gewehrt und dafür Unterstützung von Boris Becker erhalten.

Gauff weist Vorwürfe zurück

„Hallo zusammen, ihr könnt mich nicht mögen oder anderer Meinung darüber sein, was passiert ist, ohne dabei rassistisch zu sein. Die Menge an rassistischen Kommentaren und Direktnachrichten, die ich in den letzten Stunden erhalten habe, ist wahnsinnig. Und noch einmal: Ich bin weder ein Betrüger noch ein Dieb“, schrieb die 22-Jährige als Antwort auf einen rassistischen Kommentar.

Gauff erklärte zudem, sie habe nach den Regeln gehandelt. Es sei die Entscheidung der Schiedsrichterin gewesen, den Punkt wiederholen zu lassen. Die Situation sei bedauerlich, zugleich sei es seltsam, dass sie Hass dafür ernte, die Regeln befolgt zu haben.

Becker spricht Gauff Mut zu

Becker verbreitete Gauffs Beitrag weiter und schrieb, sie sei eine stolze schwarze Frau, die geliebt werde. Die früheren Wimbledongewinner richtete außerdem aufbauende Worte an die US-Amerikanerin und forderte sie auf, sich nicht um die Kommentare ignoranter Menschen zu kümmern.

Streit nach Match gegen 16-Jährige

Vorausgegangen war eine heftige Diskussion im Internet über eine Szene aus Gauffs Drittrundenmatch gegen die erst 16-jährige Chinesin Sun Xinran. Beim Stand von 4:5 und 15:15 im ersten Satz war Gauff ans Netz gegangen und hatte nach einem schwachen Volley die Hand gehoben.

Sie signalisierte der Schiedsrichterin, dass sie von wechselnden LED-Anzeigetafeln an den Seiten des Platzes irritiert worden sei. Nach einer Videoüberprüfung bekam Gauff recht. Sie durfte den Punkt wiederholen, brachte ihr Aufschlagspiel durch und gewann den ersten Satz sowie das Match mit 7:5 und 6:1.

Sun kämpft mit den Tränen

Bei einem Seitenwechsel war zu sehen, wie die sichtlich bewegte Sun mit den Tränen kämpfte. Die Szene verstärkte die Diskussion über die Entscheidung und die Wirkung der Wiederholung.

Gauff, die in Atlanta aufgewachsen ist, hatte bereits früher öffentlich Rassismus kritisiert und auf Missstände insbesondere in den USA hingewiesen.

Wenn eine Schiedsrichterentscheidung zum Netzthema wird

Der Vorgang zeigt, wie schnell eine einzelne Entscheidung im Spitzensport vom sportlichen Ablauf gelöst und in sozialen Netzwerken moralisch aufgeladen werden kann. Auslöser war eine konkrete Spielsituation: Gauff meldete eine Irritation durch die LED-Banden, die Schiedsrichterin ließ den Punkt nach Videoprüfung wiederholen. Der anschließende Betrugsvorwurf zielte damit nicht nur auf die Regelanwendung, sondern auf die persönliche Integrität der Spielerin.

Rassismus als zweite Eskalationsstufe

Die Reaktionen gingen nach Gauffs Darstellung weit über sachliche Kritik hinaus. Rassistische Kommentare und Direktnachrichten machen aus einer Debatte über eine Schiedsrichterentscheidung eine Diskriminierungserfahrung. Dass Gauff dies öffentlich benennt, passt zu ihrem früheren Engagement gegen Rassismus und zeigt zugleich die besondere Sichtbarkeit schwarzer Athletinnen im internationalen Spitzensport.

Bedeutung für den Tennisbetrieb

Für den Tennisbetrieb berührt der Fall zwei Ebenen: Videotechnik soll strittige Entscheidungen nachvollziehbarer machen, kann aber neue Angriffsflächen schaffen, wenn Zuschauer daraus einen vermeintlich unfairen Vorteil ableiten. Zugleich steht die Frage im Raum, wie Verbände, Turnierveranstalter und Plattformen mit rassistischen Angriffen auf Spielerinnen umgehen. Beckers Unterstützung verleiht der Debatte zusätzliche Aufmerksamkeit, ersetzt aber keine Regeln für Moderation, Schutz und Sanktionierung.

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