Tennis, Alexander Zverev

Becker kritisiert Zverevs Aufschlag-Ritual und sieht ihn auf Kurs zur Nummer eins

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 06:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Boris Becker kritisiert nach dem US-Open-Sieg von Alexander Zverev dessen ausgedehntes Balltippen vor dem zweiten Aufschlag und fordert eine Regeländerung – zugleich sieht er den Hamburger auf dem Weg zur Nummer eins der Welt. Die Debatte um Tempo, Respekt und Wert des Triumphs gewinnt damit an Schärfe.

  • Boris Becker schwärmt über Alexander Zverev - und hat nur einen Kritikpunkt. - Bild: Marijan Murat/dpa
    Boris Becker schwärmt über Alexander Zverev - und hat nur einen Kritikpunkt. - Bild: Marijan Murat/dpa
  • Alexander Zverev am Tag nach seinem US-Open-Triumph - Bild: Dan Herrick/ZUMA Press Wire/dpa
    Alexander Zverev am Tag nach seinem US-Open-Triumph - Bild: Dan Herrick/ZUMA Press Wire/dpa
  • Mit seinem Auftippen des Balls vor dem Aufschlag sorgte Alexander Zverev für Kontroversen. - Bild: Frank Franklin II/AP/dpa
    Mit seinem Auftippen des Balls vor dem Aufschlag sorgte Alexander Zverev für Kontroversen. - Bild: Frank Franklin II/AP/dpa
Boris Becker schwärmt über Alexander Zverev - und hat nur einen Kritikpunkt. - Bild: Marijan Murat/dpa Alexander Zverev am Tag nach seinem US-Open-Triumph - Bild: Dan Herrick/ZUMA Press Wire/dpa Mit seinem Auftippen des Balls vor dem Aufschlag sorgte Alexander Zverev für Kontroversen. - Bild: Frank Franklin II/AP/dpa

Boris Becker hat nach dem US-Open-Triumph von Alexander Zverev die Aufschlag-Rituale des Hamburgers kritisiert und eine Regeländerung im Profitennis gefordert.

Becker stört sich am langen Balltippen

In einem gemeinsamen Podcast mit Andrea Petkovic erklärte der 58-Jährige, er habe bei Zverev „nur einen“ Kritikpunkt: das „ewige Balltippen beim zweiten Aufschlag“. Vor allem beim Grand-Slam-Turnier in New York ließ Zverev den Ball mehrfach aufspringen, bevor er servierte. Für den zweiten Aufschlag gibt es bislang keine feste Zeitbegrenzung, während beim ersten Aufschlag 25 Sekunden zwischen Ansage des Spielstandes und Schlag erlaubt sind.

Becker schilderte, er sei beim Kommentieren hektisch geworden und habe sich gefragt, wann Zverev endlich mit dem Service beginne. Auch Gegner hatten sich während des Turniers über die Marotte beschwert: Halbfinalgegner Karen Chatschanow aus Russland und Finalgegner Ben Shelton äußerten sich kritisch und sprachen sich wie Becker für eine Regelanpassung aus.

Zverevs Saisonleistung aus Beckers Sicht

Trotz der Kritik lobte Becker Zverevs sportliche Bilanz. Der Hamburger hatte vor gut drei Monaten bei den French Open seinen ersten Grand-Slam-Titel gewonnen und nun bei den US Open nachgelegt. „Zwei Grand Slams in einem Jahr, das ist echt historisch“, sagte Becker über die aktuelle Saison des Olympiasiegers.

Becker war bislang der einzige männliche deutsche Tennisprofi, der das Turnier in New York gewonnen hatte. Nun traut er Zverev zu, ihm auch in der Weltrangliste zu folgen. Mit Blick auf die ATP Finals in Turin Mitte November sprach Becker von einer „Riesenchance“ für Zverev auf dem Weg zur zweiten deutschen Nummer eins bei den Männern.

Ranglisten-Konstellation und Respekt-Debatte

Der Rückstand Zverevs auf den Weltranglistenersten Jannik Sinner, der bei den US Open verletzt fehlte, ist deutlich geschmolzen und beträgt nur noch 1.810 Punkte. In der Jahresrangliste liegt Zverev bereits vorne, während Sinner in den kommenden Turnieren erheblich mehr Punkte zu verteidigen hat als der Deutsche.

Becker regte sich insbesondere über Stimmen auf, die Zverevs US-Open-Sieg relativieren. Kritiker führen an, Zverev habe profitiert, weil Sinner nicht habe antreten können, der Spanier Carlos Alcaraz gerade erst von einer längeren Verletzung zurückgekehrt sei und mehrere Mitfavoriten früh ausgeschieden seien. Der sechsmalige Grand-Slam-Turniersieger betonte, Zverev könne „immer nur den Gegner schlagen, gegen den er auf dem Platz antreten muss“, und nannte entsprechende Kommentare eine „bodlose Frechheit“ und „unglaubliche Respektlosigkeit“ gegenüber Zverevs Leistung.

Einordnung des Streits um Zverevs Aufschlag-Ritual

Die Kritik von Boris Becker an Alexander Zverevs ausgedehntem Balltippen vor dem zweiten Aufschlag trifft einen Punkt, der Tennis-Offizielle und Spieler seit längerem beschäftigt: das Tempo und die Rituale im modernen Profitennis. Zverev nutzt derzeit eine Regel-Lücke, weil die 25-Sekunden-Uhr nur für den ersten Aufschlag gilt. Das sorgt für Unmut bei Gegnern und Kommentatoren, ohne dass er gegen bestehende Vorschriften verstößt.

Zugleich ordnet Becker Zverevs Saisonleistung hoch ein. Zwei Grand-Slam-Titel in einem Jahr markieren den vorläufigen Höhepunkt einer Karriere, die nach Verletzungen und Rückschlägen neu Fahrt aufgenommen hat. Mit dem geschrumpften Rückstand auf Jannik Sinner und der Führung in der Jahresrangliste steht Zverev sportlich so gut da wie nie zuvor. Die Diskussion, ob sein US-Open-Sieg durch verletzte oder früh ausgeschiedene Top-Spieler „entwertet“ sei, berührt ein Grundprinzip des Sports: ein Titel zählt voll, wenn er unter den geltenden Bedingungen gewonnen wird.

Regeldebatte mit Signalwirkung für den Profisport

Beckers Forderung nach klaren Zeitvorgaben auch für den zweiten Aufschlag weist über Zverev hinaus. Sollte eine Änderung kommen, wäre sie für alle Spieler verbindlich und könnte den Spielfluss beschleunigen, aber auch Routinen und Konzentrationsrituale einschränken. Der Vorgang zeigt, wie individuell geprägte Gewohnheiten im Profisport an Grenzen stoßen, wenn sie vom Publikum oder Gegnern als störend empfunden werden.

Für deutsche Tennisfans bedeutet Zverevs Erfolgsserie, dass erstmals seit Becker wieder ein Spieler realistische Chancen auf die Spitze der Weltrangliste hat. Die Diskussion um Regelwerke und Respekt dürfte ihn auf seinem Weg weiter begleiten – sowohl auf dem Platz als auch in der öffentlichen Wahrnehmung.

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