Enric Mas gewinnt Vuelta und beendet Spaniens zwölfjährige Grand-Tour-Durststrecke
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 19:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEnric Mas hat in Granada die Vuelta gewonnen und Spanien damit erstmals seit zwölf Jahren wieder einen Gesamtsieg bei der heimischen Rundfahrt beschert.
Spanischer Gesamtsieg nach langer Durststrecke
Der 31 Jahre alte Mallorquiner überquerte den Zielstrich der Schlussetappe Arm in Arm mit seinen Teamkollegen und wurde von den spanischen Fans enthusiastisch gefeiert. Zwölf Jahre nach dem letzten Triumph von Alberto Contador hat Spanien damit wieder einen Sieger bei einer großen Landesrundfahrt. Die letzte Etappe über 112 Kilometer gewann der Norweger Tobias Halland Johannessen, während Mas sein Rotes Trikot auf dem Rundkurs in Granada ungefährdet verteidigte.
Mas nutzt seine Chance nach Pogacars Ausfall
Auf den abschließenden Bergetappen konnten weder der viermalige Gesamtsieger Primoz Roglic aus Slowenien noch der Österreicher Felix Gall Mas’ Führung in Gefahr bringen. Begünstigt wurde seine Ausgangslage durch den folgenschweren Sturz des klar führenden Superstars Tadej Pogacar auf der achten Etappe, nach dem der Weltmeister die Rundfahrt aufgeben musste. Mas gewann später die Bergetappe auf den Alto de Aitana und zeigte im Einzelzeitfahren ungewohnte Stärke, indem er seinen Rückstand auf Zeitfahr-Olympiasieger Roglic auf gut eine halbe Minute begrenzte.
Erfüllter Traum nach Jahren des Erwartungsdrucks
Mas berichtete, er habe während der gesamten Vuelta großen Spaß gehabt und jeden Kilometer genossen. Zugleich sprach er von vielen schwierigen Momenten in seiner Karriere und betonte, eine Rundfahrt ohne Leiden sei nicht zu gewinnen. Der Spanier hatte bei der Vuelta zuvor dreimal den zweiten und einmal den dritten Platz belegt und stand damit dauerhaft unter dem Druck, in die Rolle des Nachfolgers von Contador hineinzuwachsen.
Contador sieht endlich die verdiente Anerkennung
Alberto Contador, der mit insgesamt sieben Gesamtsiegen bei Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta eine ganze Ära geprägt hatte, zeigte sich erfreut über den Erfolg seines Landsmannes. Er äußerte, im Radsport werde eine Leistung oft erst dann anerkannt, wenn sie mit einem Sieg ende, und Mas erhalte nun die Wertschätzung, die er verdiene. Contador erinnerte daran, dass Mas schon im Jugendteam des ehemaligen Champions auf den Profisport vorbereitet worden war und sich mit dem Triumph in Madrid gewissermaßen ein Kreis geschlossen habe.
Sicherheitsmaßnahme auf der Schlussetappe in Granada
Auf der 21. und letzten Etappe musste Mas sportlich nichts mehr befürchten, auch weil die Zeiten für die Gesamtwertung schon vor der abschließenden Runde etwa zehn Kilometer vor dem Ziel eingefroren wurden. Die Organisatoren reagierten damit auf den Wunsch der Profis, die den Kurs in Granada als gefährlich eingestuft hatten. Eine vergleichbare Regelung war zuvor auch bei der Schlussankunft der Tour de France in Paris angewandt worden. Für den spanischen Radsport endet die diesjährige Vuelta damit nicht nur mit einem Heimsieg, sondern auch mit einem Signal, dass Sicherheitsbedenken der Fahrer verstärkt berücksichtigt werden.
Spanischer Befreiungsschlag nach Jahren ohne Grand-Tour-Sieg
Der Sieg von Enric Mas bei der Vuelta schließt für den spanischen Radsport eine Lücke, die seit dem letzten Gesamterfolg von Alberto Contador 2014 bestand. In dieser Zeit dominierten Fahrer wie Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard und Primoz Roglic die großen Rundfahrten, während spanische Profis meist nur Nebenrollen spielten. Vor diesem Hintergrund markiert der Triumph des 31-jährigen Mallorquiners einen symbolischen Wendepunkt: Einheimische Fans erhalten wieder eine prägende Figur in einer Grand Tour, und das traditionell starke Radsportland Spanien knüpft an frühere Erfolgsphasen an.
Druck, Rückschläge und eine veränderte Rollenverteilung im Peloton
Mas stand über Jahre unter dem impliziten Auftrag, in die großen Fußstapfen Contadors zu treten. Mehrere zweite und ein dritter Platz bei der Vuelta hatten zwar sportlich hohen Wert, wurden aber von Teilen des Publikums als unzureichend empfunden. Zugleich hat sich das Kräfteverhältnis im internationalen Peloton verschoben: Mit Pogacar, Vingegaard und Roglic bestimmten vor allem Fahrer aus Slowenien und Dänemark die Rundfahrten. Dass Mas nun eine dreiwöchige Rundfahrt gewinnt, zeigt, dass Teams und Fahrer, die nicht zur absoluten Favoritengruppe gezählt werden, unter bestimmten Rennverläufen wieder größere Chancen bekommen.
Sturz von Pogacar, Sicherheitsthema und sportliche Bewertung
Der Ausstieg von Weltmeister Pogacar nach einem Sturz auf der achten Etappe hat den Rennverlauf entscheidend beeinflusst, ohne den sportlichen Wert von Mas’ Leistung zu mindern. In der Folge nutzte er die neue Konstellation, überzeugte am Berg und zeigte im Zeitfahren verbesserte Fähigkeiten. Die Entscheidung der Organisatoren, auf der letzten Etappe in Granada die Zeiten für die Gesamtwertung vor der finalen Runde einzufrieren, unterstreicht, wie stark Sicherheitsfragen in modernen Rundfahrten gewichtet werden. Fahrerhinweise zu riskanten Kursen führen zunehmend zu Anpassungen – ein Muster, das bereits bei der Tour de France zu sehen war und das Verhältnis zwischen sportlichem Spektakel und Sicherheit neu austariert.
