Straßenrad-WM: Brandon McNulty schockt Favoriten und wird Weltmeister
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 22:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBrandon McNulty ist in Montreal überraschend Straßenrad-Weltmeister geworden und hat als erster US-Amerikaner seit Lance Armstrong das Regenbogen-Trikot gewonnen.
Späte Attacke bringt die Entscheidung
Der 28-Jährige setzte sich bei dem 273,4 Kilometer langen Rennen rund 33 Kilometer vor dem Ziel ab und verteidigte seinen Vorsprung bis zum Ziel auf der Avenue de Parc. Silber gewann der Australier Michael Matthews, Bronze ging an den Niederländer Mathieu van der Poel.
Die zuvor hoch gehandelten Paul Seixas, Isaac Del Toro und Remco Evenepoel reagierten zunächst nicht und konnten McNulty später nicht mehr einholen. Der US-Amerikaner war nach dem Rennen völlig erschöpft und sagte: «Ich weiß gar nicht, was los ist».
Armstrongs Nachfolger
McNulty ist der erste US-Weltmeister seit Armstrongs Erfolg 1993 in Oslo. Armstrong ist wegen Dopings lebenslang gesperrt.
McNulty fährt im selben Team wie der verletzte Titelverteidiger Tadej Pogacar. Der Slowene hatte sich am Tag vor dem Rennen nach einem schweren Sturz erstmals wieder auf dem Rad gezeigt und über soziale Medien vom Regenbogen-Trikot verabschiedet.
Frühe Ausreißergruppe
Zu Beginn des Rennens bildete sich eine 16-köpfige Ausreißergruppe, zu der auch der deutsche Meister Felix Engelhardt gehörte. Ihr Vorsprung wuchs auf fast neun Minuten, schrumpfte aber auf dem 13-mal zu fahrenden Rundkurs am Mont Royal wieder.
Pro Runde waren 269 Höhenmeter zu bewältigen. Der entscheidende Anstieg zum Mont Royal ist 1,7 Kilometer lang und führte zu einem besonders schweren Finale.
Van der Poel verschärft das Rennen
Rund 90 Kilometer vor dem Ziel erhöhte van der Poel mit einer Attacke das Tempo. Gemeinsam mit Wout van Aert, Quinn Simmons und Primoz Roglic bildete er eine starke Gruppe.
Seixas und Del Toro mussten daraufhin die Verfolgung organisieren. Florian Lipowitz konnte dem Tempo nach seiner zweimonatigen Pause wegen eines Schlüsselbeinbruchs nicht folgen. Die Gruppe um van der Poel wurde 34 Kilometer vor dem Ziel gestellt – kurz danach eröffnete McNulty mit seinem entscheidenden Angriff das Finale.
Ein Sieg aus dem Schatten
Brandon McNultys Erfolg in Montreal steht für die besondere Unberechenbarkeit eines extrem langen Eintagesrennens. Über 273,4 Kilometer und zahlreiche Anstiege entscheidet nicht allein die individuelle Klasse der Favoriten, sondern auch, wer im entscheidenden Moment noch über ausreichende Kräfte verfügt. McNulty nutzte diese Rennsituation mit seinem Angriff 33 Kilometer vor dem Ziel konsequent.
US-Tradition mit besonderem Bezug
Die historische Dimension ergibt sich aus dem langen Abstand zum letzten US-amerikanischen Weltmeister. Lance Armstrong hatte 1993 in Oslo gewonnen; McNulty ist damit der erste US-Fahrer seitdem im Regenbogentrikot. Armstrongs späterer lebenslanger Ausschluss wegen Dopings überschattet dessen sportliche Bilanz, ändert aber nichts daran, dass McNultys Titel eine neue amerikanische Marke im Straßenradsport setzt.
Was der Titel bedeutet
Für McNulty ist der Sieg zugleich ein persönlicher Durchbruch auf der größten Bühne des Eintagesradsports. Für sein Team markiert er den Erfolg eines Fahrers, der als Helfer des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogacar in die Weltmeisterschaft gegangen war. Das Rennen zeigt außerdem, wie stark sich die Kräfteverhältnisse verschieben können: Favoriten wie Paul Seixas, Isaac Del Toro und Remco Evenepoel mussten auf den Angriff reagieren, während der nach langer Verletzungspause zurückgekehrte Florian Lipowitz die Entscheidung nicht mehr erreichen konnte.
