Brandon McNulty wird in Montreal Straßenrad-Weltmeister und schockt die Favoriten
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 21:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBrandon McNulty ist in Montreal überraschend Straßenrad-Weltmeister geworden und hat den USA den ersten Männer-Titel seit Lance Armstrongs Sieg 1993 beschert.
McNulty setzt sich mit frühem Angriff ab
Der US-Amerikaner verwies nach 273,4 Kilometern den Australier Michael Matthews auf Rang zwei. Bronze ging an den Niederländer Mathieu van der Poel.
McNulty attackierte 33 Kilometer vor dem Ziel. Die Favoriten um den Franzosen Paul Seixas, den Mexikaner Isaac Del Toro und den Belgier Remco Evenepoel fanden erst spät zusammen und konnten den Rückstand auf dem anspruchsvollen Kurs nicht mehr schließen.
3800 Höhenmeter bis ins Ziel
Der Kurs in Montreal führte über 273,4 Kilometer und summierte 3800 Höhenmeter. McNulty hatte an gleicher Stelle bereits den Grand Prix Montreal 2025 gewonnen und nutzte seine Kenntnisse des Rundkurses zum entscheidenden Vorstoß.
Der 28-Jährige ist Teamkollege des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogacar. Florian Lipowitz zeigte nach seiner langen Verletzungspause eine gute Leistung, blieb im Kampf um die Medaillen aber ohne entscheidenden Einfluss.
Eine Medaille für German Cycling
Für den deutschen Verband German Cycling blieb es bei einer Medaille. Franziska Koch hatte bereits im ersten Wettbewerb der Titelkämpfe Bronze im Einzelzeitfahren gewonnen.
Daneben gab es mehrere beachtliche Top-Ten-Platzierungen in den Nachwuchs- und Profirennen. Enttäuschend verlief dagegen das Straßenrennen der hoch eingeschätzten U23-Männer: Keiner von ihnen kam unter die besten 20. Im Vorjahr in Kigali war German Cycling ohne Medaille geblieben.
Ein Außenseitersieg auf anspruchsvollem Kurs
Der Erfolg von Brandon McNulty steht für die hohe Unberechenbarkeit eines langen WM-Straßenrennens. 273,4 Kilometer und 3800 Höhenmeter verlangten Ausdauer, taktisches Gespür und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment eine Lücke zu nutzen. McNulty griff 33 Kilometer vor dem Ziel an und zwang die stärker eingeschätzten Konkurrenten damit zur Reaktion.
Für die Favoriten kam die Zusammenarbeit zu spät. Das zeigt, wie entscheidend bei Weltmeisterschaften nicht allein die individuelle Stärke, sondern auch die Abstimmung zwischen den Nationalteams ist. McNultys Ortskenntnis aus dem Sieg beim Grand Prix Montreal 2025 dürfte ihm auf dem Kurs zusätzliche Orientierung gegeben haben.
Bedeutung für den US-Radsport
Der Titel beendet für die USA eine lange Durststrecke im Männer-Straßenrennen. Seit Lance Armstrongs Weltmeisterschaftssieg 1993 hatte kein US-Amerikaner mehr den entscheidenden Wettbewerb gewonnen. Der Erfolg rückt damit nicht nur McNulty, sondern auch die wachsende internationale Konkurrenzfähigkeit des amerikanischen Straßenradsports in den Mittelpunkt.
Deutschlands begrenzte Ausbeute
German Cycling beendet die Titelkämpfe mit einer Medaille. Franziska Kochs Bronze im Einzelzeitfahren steht dabei einer wechselhaften Bilanz in den Straßenrennen gegenüber. Für Deutschland bleibt die Entwicklung des Nachwuchses besonders relevant: Die schwache Platzierung der hoch eingeschätzten U23-Männer deutet auf eine Lücke zwischen einzelnen Spitzenleistungen und der Breite hin.
