Formel 1 sucht US-Fahrer: Herta verpasst Superlizenz
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 09:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Fahrersuche bleibt ohne Stammcockpit
- Colton Herta fährt beim Training in Austin für Cadillac ein Formel-1-Auto.
- Herta beendete die Formel-2-Saison auf Rang 19 mit 181 Punkten Rückstand.
- Seit 2000 starteten Scott Speed und Logan Sargeant als US-Stammfahrer.
Formel 1 findet US-Piloten ohne Stammcockpit
Die Formel 1 gastiert dreimal in den USA, doch einen amerikanischen Stammfahrer gibt es weiterhin nicht. Beim Großen Preis von Austin erhält Colton Herta im freien Training eine Chance im Cadillac, mehr als ein PR-Auftritt ist für ihn daraus zunächst nicht geworden.
Austin erwartet großes Rennwochenende
Die Tourismusverantwortlichen in Austin rechnen an diesem Wochenende mit einer Hotelauslastung von bis zu 95 Prozent und einer wirtschaftlichen Wertschöpfung von rund einer Milliarde US-Dollar. Mehr als 400.000 Zuschauer auf dem Circuit of the Americas sind bei dem Rennen keine Seltenheit.
Austin steht seit 2012 im Kalender, Miami folgte 2022 und Las Vegas 2023. Damit ist kein anderes Land dreimal pro Jahr Gastgeber eines Grand Prix.
Herta fehlt die Superlizenz
Herta hatte bereits vor fünf Jahren als großes amerikanisches Talent gegolten. Sein IndyCar-Sieg in Austin 2019 gehört zu den wichtigsten Stationen seiner bisherigen Karriere.
Nach dem Wechsel von IndyCar in die Formel 2 verpasste der 27-Jährige in dieser Saison jedoch die sportliche Grundlage für die Superlizenz. In der Gesamtwertung belegte Herta Rang 19 und lag 181 Punkte hinter dem Brasilianer Rafael Câmara.
Haas setzt auf Brasilianer
Câmara wird ab 2027 für Haas fahren. Zusammen mit Gabriel Bortoleto bei Audi und Franco Colapinto bei Alpine gehört er dann zu einer wachsenden südamerikanischen Gruppe in der Formel 1.
Auch Sergio Pérez fährt für einen US-Rennstall: Der 36 Jahre alte Mexikaner steht bei Cadillac unter Vertrag. Das Team reaktivierte zudem den 37-jährigen Finnen Valtteri Bottas, dessen Verbleib laut Meldung offen ist; als möglicher Nachfolger gilt der Franzose Esteban Ocon.
Kurze US-Fahrerbilanz
Seit dem Jahr 2000 gab es nur zwei amerikanische Stammfahrer in der Formel 1. Scott Speed fuhr 2006 und 2007 für Toro Rosso, Logan Sargeant startete 2023 und 2024 für Williams.
Alexander Rossi kam 2015 für Marussia auf fünf Einsätze. Sargeant musste in seiner zweiten Saison vor dem Ende durch Colapinto ersetzt werden.
Die Formel 1 hat in den USA innerhalb weniger Jahre deutlich an Sichtbarkeit gewonnen. Austin gehört seit 2012 zum Kalender, Miami kam 2022 hinzu, und seit 2023 wird auch in Las Vegas gefahren. Drei Rennen in einem Land sind im aktuellen Rennkalender eine besondere Dichte und zeigen die wirtschaftliche Bedeutung des US-Marktes für die Motorsportserie.
Mit Cadillac steht zudem ein zweites US-Team neben Haas im Mittelpunkt. Der Rennstall soll ab 2026 an den Start gehen und verbindet die Expansion der Formel 1 mit einem bekannten amerikanischen Automobilkonzern. Für das Publikum entsteht dadurch eine stärkere nationale Identifikation, solange auch ein US-Fahrer im Cockpit sitzt.
Superlizenz bleibt zentrale Hürde
Colton Herta gilt seit Jahren als aussichtsreichster amerikanischer Kandidat. Sein Weg über IndyCar und Formel 2 zeigt zugleich, wie hoch die formalen und sportlichen Anforderungen für einen Einstieg sind. Die Superlizenz der FIA setzt ausreichende Ergebnisse in anerkannten Nachwuchsserien voraus; Hertas schwache Formel-2-Saison erschwert den Aufstieg unmittelbar.
Für amerikanische Talente bleibt damit ein strukturelles Problem bestehen: Die USA verfügen über eine große Motorsportkultur, aber nur wenige Fahrer durchlaufen den europäischen Nachwuchsweg, der direkt auf die Formel 1 vorbereitet. Das Training in Austin ist deshalb vor allem ein symbolischer Auftritt. Ein dauerhaftes US-Cockpit hängt weiterhin von sportlichen Ergebnissen, Lizenzpunkten und der Entscheidung der Teams ab.
