Manchester City schuldig: Premier League prüft harte Strafen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 12:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWSManchester City ist von einer unabhängigen Kommission in allen Anklagepunkten wegen Verstößen gegen die Finanzregeln der Premier League zwischen den Spielzeiten 2009/10 und 2017/18 für schuldig befunden worden.
Vorwürfe betreffen Finanzen und Sponsoring
Im Mittelpunkt stehen falsche Angaben zu Finanzen und Sponsoringeinnahmen sowie unvollständige Informationen über Trainer- und Spielergehälter. Manchester City soll Einnahmen mithilfe von Scheinverträgen künstlich erhöht und zugleich Kosten gedrückt haben.
Die Kommission bezifferte den Effekt des Modells auf mehr als 900 Millionen Pfund, umgerechnet rund 1,05 Milliarden Euro. Zusätzlich wirft die Premier League dem Verein mangelnde Kooperation bei der Aufklärung vor.
Strafmaß wird später festgelegt
Welche Konsequenzen Manchester City treffen, ist noch offen. Über die Strafen soll in einer weiteren Anhörung vor der unabhängigen Kommission entschieden werden.
Möglich sind unter anderem ein massiver Punktabzug oder der Ausschluss aus der Premier League. Auch die nachträgliche Aberkennung von Titeln ist nicht ausgeschlossen, gilt aber als unwahrscheinlich.
Verein kündigt Berufung an
Manchester City weist die Vorwürfe zurück und kündigte Berufung an. Geschäftsführer Ferran Soriano bezeichnete den Schuldspruch als Ergebnis einer „Verschwörungstheorie der Premier League“; der Verein erklärte, die Entscheidung enthalte wesentliche Fehler in rechtlicher Hinsicht sowie bei Grundsätzen und Tatsachen.
Der Fall war nach mehrjährigen Ermittlungen im Februar 2023 offiziell von der Premier League angeklagt worden. Ausgelöst worden waren die Untersuchungen durch Enthüllungen der Football Leaks.
Frühere UEFA-Sperre aufgehoben
Bereits 2020 hatte die UEFA Manchester City wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay für zwei Jahre von europäischen Wettbewerben ausgeschlossen. Der Internationale Sportgerichtshof hob die Sperre auf und senkte eine Geldstrafe von 30 auf 10 Millionen Euro.
Der frühere City-Vorsitzende David Bernstein fordert bei einem Scheitern der Berufung einen Zwangsabstieg. Der ehemalige Manchester-United-Kapitän Roy Keane sprach sich dafür aus, die in dieser Zeit gewonnenen Medaillen abzuerkennen.
Ein Verfahren mit ungewöhnlicher Tragweite
Der Fall reicht weit über eine einzelne Geldstrafe hinaus, weil die Vorwürfe mehrere Spielzeiten und zentrale Finanzangaben eines dominierenden Premier-League-Klubs betreffen. Nach den Feststellungen der Kommission soll Manchester City Einnahmen künstlich erhöht und Kosten im betroffenen Zeitraum um mehr als 900 Millionen Pfund gesenkt haben. Damit steht nicht nur die Bilanz des Vereins, sondern auch die Durchsetzung ligainterner Wettbewerbsregeln im Mittelpunkt.
Sportliche Folgen bleiben offen
Das Urteil über die Verstöße und die spätere Entscheidung über das Strafmaß sind getrennte Schritte. Manchester City kann gegen die Feststellungen Berufung einlegen; erst danach dürfte feststehen, ob und in welchem Umfang Punktabzüge, Titelverluste oder ein Ausschluss aus der Premier League verhängt werden. Die Berufung ist deshalb für die unmittelbare sportliche Planung des Vereins entscheidend.
Bedeutung für den englischen Fußball
Eine harte Sanktion könnte Tabellenstände, Titelgeschichten und mögliche Ansprüche anderer Vereine rückwirkend beeinflussen. Betroffen wären insbesondere Klubs, die in den fraglichen Jahren um Meisterschaften, internationale Plätze oder den Klassenerhalt konkurrierten. Zugleich würde der Fall zeigen, wie konsequent die Premier League ihre Finanzregeln auch gegenüber einem wirtschaftlich besonders starken Verein durchsetzen kann. Für Fans und Vereine bleibt vor allem offen, wie schnell das Berufungsverfahren abgeschlossen wird und ob weitere sportrechtliche oder zivilrechtliche Folgen entstehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „Premier League spricht ManCity in Finanzaffäre schuldig“ (29.09.2026)
Der Bericht ordne den Schuldspruch als einen der größten Skandale des englischen Fußballs ein und hebe hervor, dass Manchester City in den Vorwürfen zu den Finanzregeln schuldig gesprochen worden sei. Er betone außerdem die mögliche Aberkennung mehrerer Meistertitel und stelle heraus, dass über die Sanktion erst in einer gesonderten Anhörung entschieden werde. Anders als die dpa-Meldung grenze der Artikel die Finanzverstöße ausdrücklich von den Vorwürfen mangelnder Kooperation ab und lasse deren unterschiedliche Bewertung erkennen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesspiegel: „Top-Club droht Titelverlust: Manchester City in allen 115 Anklagepunkten schuldig gesprochen“ (29.09.2026)
Der Artikel stelle die mögliche Aberkennung von Titeln neben Punktabzug und Ausschluss aus der Liga als denkbare Folgen dar. Er bestätige die Vorwürfe zu sogenannten Scheingeschäften und die von der Kommission genannte Größenordnung von mehr als 900 Millionen Pfund. Einen zusätzlichen Schwerpunkt lege der Bericht auf die Frist für einen Einspruch und auf die frühere UEFA-Sperre, während das konkrete Strafmaß offenbleibe.
Beide Berichte bestätigten den Schuldspruch und die noch ausstehende Entscheidung über die Sanktionen. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Der SPIEGEL trenne die einzelnen Vorwurfskomplexe stärker, während der Tagesspiegel mögliche sportliche Folgen und den Verfahrensablauf hervorhebe.
