Manchester City: Etihad Airways erwägt rechtliche Schritte gegen Premier League
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 11:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEtihad Airways erwägt im Finanzskandal um Manchester City rechtliche Schritte gegen die Premier League und weist zurück, durch die Begründung des Schuldspruchs in die Nähe eines Fehlverhaltens gerückt zu werden.
Sponsor weist Darstellung zurück
Die Fluggesellschaft fühlt sich nach Medienberichten durch die Urteilsbegründung mitbeschuldigt, obwohl sie nach eigenen Angaben nicht befragt worden sei. Etihad Airways weist die entsprechende Darstellung kategorisch zurück und will an der langjährigen Partnerschaft mit Manchester City festhalten.
Die Premier League müsse Verantwortung für die Folgen der Darstellung der Ergebnisse übernehmen, erklärte die Airline. Sie werde prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten und Rechtsmittel zum Schutz ihrer Interessen zur Verfügung stünden.
Schuldspruch gegen Manchester City
Eine unabhängige Kommission hatte Manchester City in allen Anklagepunkten wegen Verstößen gegen die Finanzregeln der Premier League zwischen den Spielzeiten 2009/10 und 2017/18 für schuldig befunden. Die Vorwürfe reichen von falschen Angaben zu Finanzen und Sponsoringeinnahmen bis zu unvollständigen Informationen über Trainer- und Spielergehälter.
Nach den Feststellungen der Kommission soll der Club Einnahmen unter anderem mithilfe von Scheinverträgen mit Sponsoren künstlich erhöht und zugleich Kosten gedrückt haben. Der Effekt des Modells wurde auf mehr als 900 Millionen Pfund geschätzt, umgerechnet rund 1,05 Milliarden Euro.
Harte Strafen möglich
Die Premier League wirft Manchester City zusätzlich mangelnde Kooperation bei der Aufklärung vor. Über die Strafe soll in einer weiteren Anhörung vor der unabhängigen Kommission entschieden werden.
Möglich sind unter anderem hohe Geldstrafen, Punktabzüge oder der Ausschluss aus der Premier League. Auch die nachträgliche Aberkennung von Meistertiteln ist nicht ausgeschlossen, gilt aber als unwahrscheinlich.
Carragher fordert Verkauf
Der frühere englische Nationalspieler Jamie Carragher sieht eine Zeitenwende für den Club von Hauptanteilseigner Scheich Mansour bin Zayid Al Nahyan aus dem Herrscherhaus von Abu Dhabi. Für Manchester City sei die „Ära Abu Dhabi“ vorbei, schrieb der frühere Liverpool-Spieler in einem Beitrag für den Daily Telegraph.
Carragher forderte, die Verantwortlichen müssten ihre Pflichtverletzungen einsehen und den Verein verkaufen. Manchester City beteuert weiterhin seine Unschuld.
Ein Urteil mit weitreichenden Folgen
Die Entscheidung betrifft nicht nur Manchester City, sondern die Glaubwürdigkeit der Finanzaufsicht im englischen Profifußball. Die unabhängige Kommission stellte für den Zeitraum von 2009 bis 2018 ein Modell fest, das Einnahmen künstlich erhöht und Kosten gesenkt haben soll. Nach den Feststellungen ging es um mehr als 900 Millionen Pfund. Damit steht die Frage im Raum, ob sportliche Erfolge und wirtschaftliche Vorteile unter Bedingungen entstanden, die andere Vereine nicht nutzen konnten.
Für die Premier League folgt nun die schwierigere Phase: Über die Sanktionen muss gesondert entschieden werden. Möglich sind je nach Bewertung Geldstrafen, Punktabzüge, Titelverluste oder ein Ausschluss aus der Liga. Jede Maßnahme hätte Auswirkungen auf Tabellen, historische Wettbewerbe, betroffene Vereine und die internationale Vermarktung der Premier League.
Etihad im Zentrum der Debatte
Etihad Airways versucht zugleich, die eigene Rolle vom Verfahren des Vereins zu trennen. Der Sponsor weist zurück, durch die Urteilsbegründung mit Fehlverhalten in Verbindung gebracht zu werden, und stellt die Fortsetzung der Partnerschaft mit City nicht infrage. Ein rechtlicher Streit könnte deshalb zusätzlich die Grenzen zwischen Clubfinanzierung, Sponsoring und öffentlicher Darstellung gerichtlicher Feststellungen klären.
Für Fans und Konkurrenten bleibt entscheidend, wie die Kommission ihre Feststellungen begründet und welche Rechtsmittel zugelassen werden. Solange die Sanktionen nicht feststehen, lässt sich die sportliche Rangordnung der betroffenen Jahre nicht abschließend bewerten. Sicher ist jedoch: Der Fall reicht über einen einzelnen Club hinaus und berührt die Durchsetzbarkeit gemeinsamer Finanzregeln im europäischen Fußball.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS online: „Presse zum ManCity-Skandal: „Die Strafe muss so brutal sein wie das Urteil““ (30.09.2026)
Der Bericht hebe hervor, internationale Zeitungen forderten angesichts des Schuldspruchs harte Konsequenzen. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich auf die öffentliche Reaktion und stelle Forderungen nach Titelaberkennungen und einem möglichen Abstieg gegenüber; die konkrete Sanktion sei weiterhin offen.
Euronews: „Schwere Finanzverstöße: Manchester City in allen Fällen schuldig“ (30.09.2026)
Der Artikel bestätige den Schuldspruch und erläutere ausführlicher das von der Kommission beschriebene Finanzierungsmodell mit sogenannten Scheinverträgen. Er setze den Schwerpunkt auf die strukturellen Vorwürfe und die angekündigten Rechtsmittel von Manchester City, während die mögliche Klage des Sponsors nicht im Mittelpunkt stehe.
Medienübergreifend bestehe Einigkeit über die Tragweite des Urteils und die noch ausstehende Entscheidung über Sanktionen. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung: Im Vordergrund stünden entweder die Forderungen nach einer harten Strafe oder die Details des Finanzmodells; offen blieben insbesondere Umfang und Zeitpunkt der Konsequenzen.
