Bernd Neuendorf, Gianni Infantino

Infantino: Neuendorf fordert Rote Karte für FIFA-Chef

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 05:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

DFB-Präsident Bernd Neuendorf verschärft seine Kritik an FIFA-Chef Gianni Infantino und will im März nicht für ihn stimmen. Vor dem UEFA-Treffen in Berlin wirft er dem Weltverbandspräsidenten vor, das Vertrauen verspielt zu haben.

Auf Konfrontationskurs mit dem FIFA-Boss: Bernd Neuendorf. (Archivbild) - Bild: Christian Charisius/dpa
Auf Konfrontationskurs mit dem FIFA-Boss: Bernd Neuendorf. (Archivbild) - Bild: Christian Charisius/dpa

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat seine Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino verschärft und eine Ablösung des Weltverbandschefs gefordert.

Neuendorf will nicht für Infantino stimmen

„Wir müssen ihn vom Platz stellen“, sagte Neuendorf dem „Tagesspiegel“. Im März werde er nicht für Infantino stimmen. Der DFB-Präsident bezeichnete den 56-Jährigen als nicht mehr tragbar und erklärte, Infantino habe dem Fußball erheblich geschadet.

Beim Deutschen Fußball-Bund sei man sich einig, dass der FIFA-Präsident „jegliches Vertrauen verspielt“ habe. An diesem Mittwoch treffen sich die 55 Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union in Berlin.

Reformangebot als Wahlmanöver kritisiert

Neuendorf hatte bereits zuvor Infantinos Reformangebot an die 211 FIFA-Mitgliedsverbände als „durchschaubares Manöver“ bezeichnet. Seiner Einschätzung nach gehe es dem Schweizer darum, seine Wiederwahl im kommenden Jahr abzusichern.

Infantino hatte seinen Kritikern Gespräche über mögliche Reformen angeboten. Dazu zählen eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA-Governance und Beratungen über eine Stärkung der Entscheidungsprozesse einschließlich der Rolle des Präsidenten.

Noch kein Gegenkandidat benannt

Infantino machte zugleich deutlich, dass er die FIFA weiter führen will. Von einem Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 in Marokko ist nicht die Rede.

Seine Kritiker um UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin fordern einen Rückzug. Einen Gegenkandidaten gibt es bislang nicht. Bis zum 18. November müssen die Gegner Infantinos einen Kandidaten aufstellen; dann endet die FIFA-Frist.

Streit um Investorenpläne eskaliert

„Infantino ist seit zehn Jahren im Amt und hat eine Kultur in der FIFA etabliert, die eines grundlegenden Wandels bedarf“, sagte Neuendorf dem „Tagesspiegel“. Derjenige, der für die bestehenden Zustände verantwortlich sei, könne nicht zugleich den Reformprozess steuern.

Ende August war der Konflikt im Zusammenhang mit Plänen für WM-Investoren und der Androhung eines Strafantrags vor Schweizer Gerichten eskaliert. Dafür waren bei US-Gerichten Informationen über die geplanten Geschäfte angefragt worden.

Konflikt vor der FIFA-Wahl

Der Streit zwischen Bernd Neuendorf und Gianni Infantino reicht über persönliche Kritik hinaus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie stark die FIFA ihre Entscheidungsstrukturen verändern muss und wer diesen Wandel steuern soll. Infantino führt den Weltverband seit 2016 und strebt laut der dpa-Meldung eine vierte Amtszeit an.

UEFA als entscheidender Block

Das Treffen der 55 UEFA-Mitgliedsverbände in Berlin erhält dadurch besonderes Gewicht. Die europäischen Verbände stellen einen großen politischen Block innerhalb der FIFA dar. Neuendorfs Position steht zugleich im Umfeld der Kritik von UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin, der einen Verzicht Infantinos auf eine erneute Kandidatur fordert.

Offene Machtfrage

Infantino hat Reformgespräche und eine externe Überprüfung der FIFA-Governance angeboten, ohne seinen Anspruch auf eine weitere Amtszeit aufzugeben. Für seine Gegner entsteht damit ein Zielkonflikt: Sie müssen einerseits konkrete Veränderungen einfordern und andererseits bis zum 18. November einen gemeinsamen Gegenkandidaten benennen. Bleibt es bei der bisherigen Konstellation ohne Gegenkandidaten, könnte die Kritik politisch deutlich werden, ohne die Wahlentscheidung unmittelbar zu verändern.

Bedeutung für den Fußball

Für Verbände, Vereine und Fans geht es damit nicht nur um Personalien. Die Auseinandersetzung betrifft Transparenz, die Machtverteilung im Weltverband und den Umgang mit wirtschaftlichen Projekten. Der eskalierte Streit um WM-Investorenpläne erhöht den Druck auf die FIFA-Führung zusätzlich.

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