Gianni Infantino, FIFA-Reformen

FIFA-Reformen: Infantino bietet Gegnern Gespräche an

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 12:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

FIFA-Präsident Gianni Infantino bietet seinen Kritikern Gespräche über Reformen und Führungsstrukturen an. Einen Rückzug schließt er nicht an – seine Gegner halten den Vorstoß für ein Manöver zum Machterhalt.

  • FIFA-Chef Infantino geht mit einem Brief an die Fußball-Funktionäre in die Offensive. (Archivbild) - Bild: Darryl Dyck/The Canadian Press/AP/dpa
    FIFA-Chef Infantino geht mit einem Brief an die Fußball-Funktionäre in die Offensive. (Archivbild) - Bild: Darryl Dyck/The Canadian Press/AP/dpa
  • UEFA-Chef Ceferin ist der große Gegenspieler von FIFA-Boss Infantino. (Archivbild)  - Bild: Fernando Calistro/AP/dpa
    UEFA-Chef Ceferin ist der große Gegenspieler von FIFA-Boss Infantino. (Archivbild) - Bild: Fernando Calistro/AP/dpa
FIFA-Chef Infantino geht mit einem Brief an die Fußball-Funktionäre in die Offensive. (Archivbild) - Bild: Darryl Dyck/The Canadian Press/AP/dpa UEFA-Chef Ceferin ist der große Gegenspieler von FIFA-Boss Infantino. (Archivbild)  - Bild: Fernando Calistro/AP/dpa

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat in einem Brief an die Präsidenten der 211 nationalen Fußballverbände und die Mitglieder des FIFA-Councils Gespräche über Reformen und eine Überprüfung großer Projekte angeboten.

Externe Prüfung und Konsultationen

Eine externe Kommission soll nach Infantinos Angaben die Abläufe bei großen Projekten untersuchen. Gemeint ist insbesondere die Kritik am geplanten, letztlich geplatzten Verkauf von WM-Rechten an US-Investoren.

Infantino betont, der Deal hätte weder die Kontrolle noch die Autorität der FIFA über sportliche Entscheidungen eingeschränkt. Zugleich kündigt er einen breiten Konsultationsprozess mit internen und externen Fußballinstitutionen an.

Rolle des Präsidenten im Mittelpunkt

Bei den Gesprächen solle es darum gehen, wie der Weltverband künftig geführt und Entscheidungsprozesse verbessert werden könnten. Das schließe auch die Arbeit und die Rolle des Präsidenten ein. Konkrete Reformvorschläge legt Infantino in seinem Schreiben zunächst nicht vor.

Der FIFA-Chef stellt sich als Initiator eines möglichen Prozesses dar und will den Ergebnissen nicht vorgreifen. Voraussetzung sei, dass der FIFA-Rat einen solchen Austausch wünsche.

Gegner fordern weiter Infantinos Rückzug

DFB-Präsident Bernd Neuendorf bezeichnete den Brief als „durchschaubares Manöver“. Infantino gehe es aus seiner Sicht um den Machterhalt; als Moderator eines Reformprozesses sei er nicht geeignet und habe seine Glaubwürdigkeit verspielt.

Die Opposition um UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin will deshalb an ihrer Forderung nach einem Wechsel an der FIFA-Spitze festhalten. Gespräche über Reformen allein dürften ihr nicht genügen.

Showdown im FIFA-Council

Als wichtigen Termin nennt Infantino den 15. Oktober. Dann tagt das FIFA-Council in Zürich. Endgültige Entscheidungen werden bei diesem Treffen zunächst nicht erwartet; die UEFA-Fraktion könnte zudem einen eigenen Krisengipfel anstreben.

Infantino setzt auf Zeit

Unterstützung erhält der FIFA-Präsident nach Darstellung der Meldung weiterhin aus Afrika, Asien und Südamerika. Das könnte ihm bei der Wahl die nötige Mehrheit sichern.

Bis zum 18. November müssen seine Gegner einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl benennen, die drei Monate später in Marokko stattfinden soll. Mit seinem Reformangebot gewinnt Infantino Zeit und kann zugleich auf Kompromissbereitschaft verweisen.

Ein Machtkampf mit institutionellen Folgen

Der Streit im Weltverband reicht über die Person Gianni Infantinos hinaus. Im Zentrum steht die Frage, wie weit der FIFA-Präsident große wirtschaftliche und strategische Vorhaben steuern kann und welche Kontrollmechanismen dabei greifen. Die angekündigte externe Prüfung und der Konsultationsprozess zielen deshalb auf Verfahren, Zuständigkeiten und die Rolle des Präsidenten.

Der Zeitpunkt erhöht den politischen Druck. Das FIFA-Council kommt am 15. Oktober in Zürich zusammen. Bis zum 18. November müssen die Gegner Infantinos einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl benennen; die Wahl soll drei Monate später in Marokko stattfinden. Damit fällt die Reformdebatte in eine Phase, in der jede Verzögerung die Kräfteverhältnisse beeinflussen kann.

Warum die Unterstützung aus anderen Regionen zählt

Infantinos Position stützt sich auf Rückhalt aus Afrika, Asien und Südamerika. In einem Weltverband mit 211 Mitgliedsverbänden ist die europäische Kritik daher politisch wichtig, entscheidet allein aber nicht über die Mehrheit. Für die Gegner kommt es darauf an, aus der Kritik an einzelnen Projekten eine tragfähige gemeinsame Kandidatur und ein überzeugendes Reformkonzept zu entwickeln.

Für Fußballverbände und Fans bleibt entscheidend, ob aus den angekündigten Gesprächen konkrete Regeln werden: etwa transparente Prüfungen großer Geschäfte, klarere Zuständigkeiten und nachvollziehbare Entscheidungswege. Bis dahin ist der Brief vor allem ein politisches Signal im Vorfeld des nächsten Treffens.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „FIFA-Präsident Infantino kündigt an, bereit für Reformen zu sein“ (21.09.2026)

Der Bericht bestätige, dass Infantino im Machtkampf auf seine Kritiker zugehe und eine Überprüfung der Strukturen ankündige. Zugleich hebe der Artikel hervor, ein persönlicher Rückzug sei kein Thema; damit setze er einen Schwerpunkt auf die politische Bedeutung des Vorstoßes und nicht auf konkrete Reformmaßnahmen.

Der Bericht ordne den Brief als Kursänderung im Ton ein, lasse aber offen, wie weit die angekündigten Gespräche tatsächlich reichen würden.

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