FIFA, Gianni Infantino

FIFA-Präsident Gianni Infantino kündigt unabhängige Governance-Prüfung und Reformgespräche an

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 22:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

FIFA-Präsident Gianni Infantino kündigt eine unabhängige Überprüfung der Verbands-Governance und Gespräche über stärkere Entscheidungsprozesse an. Damit reagiert der Weltverband auf den zunehmenden Führungs- und Machtkonflikt im internationalen Fußball.

FIFA-Chef Infantino lenkt im großen Machtkampf beim Fußball-Weltverband ein.  - Bild: Darryl Dyck/The Canadian Press/AP/dpa
FIFA-Chef Infantino lenkt im großen Machtkampf beim Fußball-Weltverband ein. - Bild: Darryl Dyck/The Canadian Press/AP/dpa

FIFA-Präsident Gianni Infantino zeigt sich im Führungs- und Machtkampf im Weltfußball erstmals offen für Reformen im Weltverband.

Unabhängige Prüfung der Verbandsführung

In einem Brief an die Präsidenten der 211 Mitgliedsverbände und die Mitglieder des FIFA-Rates kündigt der Schweizer eine unabhängige Überprüfung der Governance-Strukturen der FIFA an. Ziel ist dem Schreiben zufolge, die bestehenden Regeln und Abläufe der Verbandsführung von externer Seite durchleuchten zu lassen. Damit sollen Zuständigkeiten, Kontrollmechanismen und Entscheidungswege im Weltverband genauer erfasst und bewertet werden.

Konsultationen über stärkere Entscheidungsprozesse

Infantino kündigt zudem Konsultationen über eine Stärkung der Entscheidungsprozesse innerhalb der FIFA an. Dazu zählt ausdrücklich auch eine Betrachtung der Rolle des Präsidenten. Die Mitgliedsverbände und das FIFA-Gremium sollen in Gesprächen einbezogen werden, um mögliche Anpassungen in der Verteilung von Kompetenzen und Verantwortung zu diskutieren. Damit rückt die innere Machtbalance zwischen Präsident, Rat und Mitgliedern stärker in den Fokus.

Reaktion auf den Führungsstreit im Weltverband

Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund eines großen Führungs- und Machtkampfs innerhalb des Weltfußballs. Kritische Stimmen aus Kontinentalverbänden und nationalen Föderationen hatten zuletzt mehr Mitsprache und Transparenz angemahnt. Mit der angekündigten Governance-Prüfung und den geplanten Konsultationen sendet die FIFA-Führung nun das Signal, auf diese Forderungen eingehen zu wollen, ohne konkrete Reformschritte bereits festzulegen.

Machtkampf um Geld und Einfluss

Die Ankündigung Gianni Infantinos, die Governance-Strukturen des Fußball-Weltverbands unabhängig überprüfen zu lassen, fällt in eine Phase erheblicher Spannungen zwischen der FIFA-Führung und wichtigen Kontinentalverbänden. Hintergrund sind insbesondere Forderungen der UEFA und des nord- und mittelamerikanischen Verbands CONCACAF nach zusätzlichen Millionen-Zahlungen an die 211 Mitgliedsverbände, finanziert aus den hohen Rücklagen der FIFA.

In ihrem gemeinsamen Schreiben stellen die Verbände die Notwendigkeit eines Investoreneinstiegs grundsätzlich infrage und pochen auf eine stärkere Beteiligung der Mitglieder an den vorhandenen Ressourcen. Mit dem Hinweis auf Reserven in Milliardenhöhe wird die Frage nach Transparenz, Kontrolle und Verteilungsmacht innerhalb des Weltverbands zugespitzt. Infantinos Bereitschaft zu einer externen Governance-Prüfung lässt sich vor diesem Hintergrund als Versuch lesen, die Kritik an der Machtkonzentration im Präsidentenamt und der Finanzpolitik der FIFA politisch zu entschärfen.

Signal an die Mitgliedsverbände

Für die 211 Mitgliedsverbände steht viel auf dem Spiel: Es geht um verlässliche Entwicklungsförderung, Infrastrukturprojekte und die Balance zwischen zentraler Steuerung aus Zürich und regionalen Interessen. Eine unabhängige Überprüfung könnte zu klareren Regeln führen, wie Entscheidungen über Geldflüsse, Wettbewerbsformate und strategische Partnerschaften getroffen werden. Zugleich berührt die angekündigte Stärkung der Entscheidungsprozesse einschließlich der Rolle des Präsidenten die Frage, ob das System künftig weniger stark auf die Person Infantino zugeschnitten ist.

Mögliche Folgen für den Weltfußball

Für Fans und nationale Verbände könnte eine Reform mehr Nachvollziehbarkeit bei Großturnieren, Finanzströmen und politischen Entscheidungen bringen. Ob die angekündigten Konsultationen tatsächlich zu einer Machtteilung zwischen Präsident, Rat und Kontinentalverbänden führen oder vor allem der Befriedung des aktuellen Konflikts dienen, ist offen. Klar ist: Der Konflikt um Geld und Einfluss beschleunigt die Debatte, wie ein globaler Sportverband im 21. Jahrhundert geführt werden soll – und wie viel Kontrolle seine Basis über die Spitze ausüben kann.

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