FIFA-Council: Neuendorf fordert am Donnerstag Infantino heraus
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 12:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFIFA-Wahlkampf nimmt konkrete Formen an
- Das FIFA-Council berät am Donnerstag in Zürich über die gescheiterte FIFA Forward Enterprise.
- Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke treten im Streit mit Gianni Infantino als deutsche Kritiker auf.
- Die Gegner müssen bis zum 18. November einen Kandidaten für die Wahl am 18. März in Rabat benennen.
FIFA-Council berät über Infantinos gescheiterte Vermarktungspläne
Beim FIFA-Council in Zürich treffen Gianni Infantino und seine Gegner erstmals seit dem Streit über die geplante externe WM-Vermarktung wieder aufeinander. DFB-Präsident Bernd Neuendorf und UEFA-Chef Aleksander Ceferin wollen den FIFA-Präsidenten mit Forderungen nach einer Reform der Verbandsführung konfrontieren.
Gescheiterte Milliardenidee auf der Tagesordnung
Die Sitzung beginnt mit fünf formalen Tagesordnungspunkten. Unter Punkt sechs soll die FIFA Forward Enterprise beraten werden, die Infantino gemeinsam mit US-Investoren vorangetrieben hatte und die eine milliardenschwere WM-Vermarktung außerhalb der etablierten Fußballstrukturen vorsah.
Auch die Verleihung des FIFA-Friedenspreises an US-Präsident Donald Trump steht auf der Agenda. Die europäischen Verbände sehen darin ebenso wie in weiteren Vorgängen einen Anlass, Infantinos Führungsstil und die Strukturen des Weltverbands infrage zu stellen.
Europäische Verbände fordern Machtbegrenzung
Die Kritiker wollen den nächsten FIFA-Präsidenten weitgehend auf repräsentative Aufgaben beschränken. Die laufenden Geschäfte sollen stärker bei der hauptamtlichen Administration und beim Council liegen.
Als mögliche Symbolfiguren für ein solches Modell werden Arsène Wenger und Luis Figo genannt. UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister forderte eine integre Persönlichkeit, die eine bessere Verbandsführung sichern könne.
Neuendorf und Watzke gehen ins Risiko
Neuendorf hat sich mit seiner offenen Kritik an Infantino zu einem Sprecher des europäischen Lagers gemacht. Auch DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke griff den FIFA-Chef wegen mehrerer Vorgänge scharf an.
Ein Machtwechsel gilt zugleich als schwierig. Infantino verfügt weiterhin über starken Rückhalt in Asien, Afrika, Südamerika und Ozeanien. Die deutschen Funktionäre könnten daher nach der Konfrontation gezwungen sein, weiter mit dem Schweizer zusammenzuarbeiten.
Milliardenzahlungen als Machtfaktor
Im Ringen um die Unterstützung der 211 Nationalverbände spielen Finanzzusagen eine zentrale Rolle. Die UEFA fordert mindestens zehn Millionen Dollar pro Verband, während Infantino dem Bericht zufolge bis zu 25 Millionen Dollar jährlich in Aussicht stellen will.
Entscheidung fällt erst vor dem Kongress
Nach der Council-Sitzung sind keine öffentlichen Stellungnahmen von FIFA oder DFB angekündigt. Die Gegner müssen spätestens am 18. November einen Präsidentschaftskandidaten benennen.
Die Wahl soll beim FIFA-Kongress am 18. März in Rabat stattfinden. Für Anfang November sind zuvor weitere Beratungen der UEFA und ihres Exekutivkomitees geplant.
Der FIFA-Council steht vor einer Machtprobe, die über die persönliche Auseinandersetzung zwischen Gianni Infantino und seinen europäischen Kritikern hinausreicht. Im Kern geht es um die Frage, wie stark der Präsident des Weltverbands künftig politische und wirtschaftliche Entscheidungen selbst steuern kann.
Der Streit über FIFA Forward Enterprise berührt dabei die Kontrolle über globale Fußballvermarktung. Infantinos Gegner wollen den Präsidenten stärker auf repräsentative Aufgaben beschränken und die laufenden Geschäfte der Verwaltung sowie dem Council überlassen. Eine solche Reform würde die Gewichte innerhalb der FIFA deutlich verschieben.
Europas begrenzter Einfluss
Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke haben die deutsche Position ungewöhnlich deutlich formuliert. Europa kann damit öffentliche Kritik bündeln, verfügt im Council aber nicht allein über die Mehrheit. Infantinos Rückhalt in anderen Kontinentalverbänden und die Aussicht auf hohe Ausschüttungen an die 211 Mitgliedsverbände bleiben zentrale Machtfaktoren.
Die angekündigten möglichen Zahlungen von bis zu 25 Millionen Dollar pro Verband und Jahr zeigen, wie eng Governance und Finanzverteilung miteinander verbunden sind. Für die Gegner wird deshalb entscheidend sein, ob sie neben der Kritik an Infantinos Führungsstil auch eine weltweit mehrheitsfähige Alternative präsentieren.
Fristen erhöhen den Druck
Der nächste konkrete Prüfstein ist die Kandidatenfrist am 18. November. Bis zum FIFA-Kongress am 18. März in Rabat bleibt damit nur begrenzte Zeit, um einen gemeinsamen Gegenkandidaten und ein belastbares Reformprogramm zu etablieren.
