Jürgen Klopp, DFB-Kader

DFB-Kader: Jürgen Klopp setzt beim Neustart auf XXL-Aufgebot und Tempo-Spieler

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 12:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Jürgen Klopp plant für den Nations-League-Auftakt einen ungewöhnlich großen DFB-Kader und setzt dabei auf Tempo- und Power-Fußball – zum Nachteil einiger prominenter Namen. Zugleich erhalten mehrere bislang wenig bekannte Profis eine Chance im Nationalteam.

  • Klopp sorgt mit einigen Personalien in seinem Premierenkader für Aufsehen. (Archivbild)   - Bild: Florian Wiegand/dpa
    Klopp sorgt mit einigen Personalien in seinem Premierenkader für Aufsehen. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa
  • Jürgen Klopp war in seinen ersten Wochen als Bundestrainer viel unterwegs. (Archivbild)  - Bild: Bernd Thissen/dpa
    Jürgen Klopp war in seinen ersten Wochen als Bundestrainer viel unterwegs. (Archivbild) - Bild: Bernd Thissen/dpa
  • Deniz Undav muss um seine Zukunft in der Nationalmannschaft kämpfen. (Archivbild) - Bild: Harry Langer/dpa
    Deniz Undav muss um seine Zukunft in der Nationalmannschaft kämpfen. (Archivbild) - Bild: Harry Langer/dpa
  • Younes Ebnoutalib könnte künftig das DFB-Trikot mit dem Adler tragen. (Archivbild)  - Bild: Julius Frick/dpa
    Younes Ebnoutalib könnte künftig das DFB-Trikot mit dem Adler tragen. (Archivbild) - Bild: Julius Frick/dpa
  • Keidel gilt als der Überraschungsmann im DFB-Aufgebot von Bundestrainer Klopp. (Archivbild) - Bild: David Inderlied/dpa
    Keidel gilt als der Überraschungsmann im DFB-Aufgebot von Bundestrainer Klopp. (Archivbild) - Bild: David Inderlied/dpa
Klopp sorgt mit einigen Personalien in seinem Premierenkader für Aufsehen. (Archivbild)   - Bild: Florian Wiegand/dpa Jürgen Klopp war in seinen ersten Wochen als Bundestrainer viel unterwegs. (Archivbild)  - Bild: Bernd Thissen/dpa Deniz Undav muss um seine Zukunft in der Nationalmannschaft kämpfen. (Archivbild) - Bild: Harry Langer/dpa Younes Ebnoutalib könnte künftig das DFB-Trikot mit dem Adler tragen. (Archivbild)  - Bild: Julius Frick/dpa Keidel gilt als der Überraschungsmann im DFB-Aufgebot von Bundestrainer Klopp. (Archivbild) - Bild: David Inderlied/dpa

Jürgen Klopp stellt vor der offiziellen Bekanntgabe seines ersten DFB-Kaders die deutsche Nationalmannschaft deutlich um und setzt dabei auf Tempo, Power-Fußball und einen XXL-Kader für den Nations-League-Start.

Erste Entscheidungen vor der Kaderverkündung

Noch vor Klopps Auftritt im DFB-Campus kursieren zahlreiche Informationen über seinen ersten Kader als Bundestrainer. Für Fan-Liebling Deniz Undav soll es demnach kein Ticket geben, ebenso offenbar nicht mehr für den lange diskutierten Offensivspieler Leroy Sané. Auch Angreifer Nick Woltemade hat demnach nur geringe Chancen auf eine Berufung. Hintergrund ist Klopps klares Anforderungsprofil: Für seinen auf Tempo und Intensität ausgelegten 4-3-3-Fußball will er vor allem schnelle, physisch starke Spieler berücksichtigen.

Überraschungsnamen und extralanger Kaderzettel

Statt etablierter Profis tauchen mehrere Namen auf, die vielen Fußball-Fans bislang wenig geläufig sind. Felix Keidel vom Bundesliga-Aufsteiger SV Elversberg und Younes Ebnoutalib von Eintracht Frankfurt sollen den ersehnten Anruf des Bundestrainers erhalten haben und auf dem erweiterten Kaderzettel stehen. Der neue DFB-Chefcoach will am Donnerstag um 10.00 Uhr in der Frankfurter Verbandszentrale eine extralange Liste präsentieren, aus der die Spieltagskader für den Nations-League-Auftakt mit vier Partien in zehn Tagen gegen die Niederlande, Serbien und zweimal Griechenland gebildet werden.

Liverpool als Vorbild für Klopps Auswahl

Bereits bei seiner Vorstellung hatte Klopp angekündigt, Spielern Chancen zu geben, die damit noch gar nicht rechnen. Diesen Wandel setzt er nun um und orientiert sich bei der Spielidee an seinen erfolgreichen Jahren mit dem FC Liverpool. Superstar-Stürmer wie Mohamed Salah, Roberto Firminho oder Sadio Mané kann er zwar nicht kopieren, doch auf seiner jüngsten Tour durch die Bundesliga-Stadien hat der 59-Jährige nach Typen gesucht, die seinem Ideal von Power und Tempo entsprechen. Spieler, die nicht zu diesem Profil passen, müssen mit einer Streichung aus dem Kader rechnen.

Undav als mögliches prominentes Opfer

Prominentes Opfer des Umbaus wäre Deniz Undav. Der WM-Joker, der unter Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann zum Streitfall wurde und von den Fans gefeiert wurde, soll nach Berichten nun nicht mehr berücksichtigt werden. Klopp hatte Undav als TV-Experte einst selbst als Startelf-Kandidat gesehen. Nun spricht gegen ihn, dass er vor allem als kämpferischer Stürmer über Einsatz und Abschluss, nicht aber über hohe Geschwindigkeit ins Spiel kommt. Für Klopps intensiven 4-3-3-Powerfußball wäre dieser Spielertyp weniger gefragt, auch wenn Undav mit neun Toren in 13 Länderspielen eine starke Quote vorweisen kann.

Beratungen im DFB-Campus und Gerüchteflut

In den vergangenen Tagen arbeitete Klopp ungewöhnlich viel im Büro und beriet sich mit seinem Trainerstab im DFB-Campus über letzte Details. Währenddessen machten zahlreiche vermeintliche Nominierungsinformationen die Runde. Said El Mala vom 1. FC Köln war etwa schon im WM-Kontext genannt worden und soll nun seine Chance im A-Team erhalten. Frankfurts Younes Ebnoutalib wurde von einem Fan beim Einkaufen gefilmt und dort mit der angeblichen Nominierung konfrontiert, worauf der Angreifer seine Vorfreude auf die Nationalelf äußerte.

Lange Liste möglicher Neu-Nationalspieler

Die Liste der genannten möglichen Debütanten ist lang: Nicolo Tresoldi, Vitali Janelt, Finn Jeltsch, Dzenan Pejcinovic, Paris Brunner, Philipp Treu und Derry Scherhant gehören zu den Namen, die zuletzt gehandelt wurden. Konkrete Antworten folgen, wenn Klopp 55 Tage nach seiner Präsentation erneut im DFB-Campus vor die Presse tritt und seinen Kader offiziell bekannt gibt.

Gründe für den XXL-Kader

Dem Vernehmen nach wird der Bundestrainer deutlich mehr Spieler benennen, als die 23 Profis, die laut UEFA-Regeln pro Spiel im Kader stehen dürfen. So kann er viele Akteure testen und Leistungsträger wie Nico Schlotterbeck und Jamal Musiala nach Pausen behutsam wieder heranführen. Zugleich bleibt ein Gerüst erhalten, das bereits unter Vorgänger Julian Nagelsmann tragend war.

Gerüst aus etablierten Stammkräften

Zum Kern des Teams zählen demnach Jonathan Tah, Nico Schlotterbeck, Nathaniel Brown, Kapitän Joshua Kimmich, Alexander Pavlovic, Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz. Diese acht Spieler gelten als potenzielle Stammkräfte, die bereits bei der WM eine wichtige Rolle spielten. Von den 27 WM-Teilnehmern dürften aber nur noch etwa die Hälfte im neuen Aufgebot stehen, um Raum für den Umbruch zu schaffen.

Erwartungsmanagement und neue Stimmung

Die Hoffnungen auf eine schnelle Siegesserie hat Klopp früh gebremst. Noch als TV-Experte erklärte er, man müsse Erwartungshaltungen schaffen, die erfüllbar seien und zugleich Raum für Überperformance lassen. Direkt nach seinem Amtsantritt betonte er, dass Erfolg nicht sofort komme. Zunächst will er nach vielen Misserfolgen eine positive Grundstimmung im Umfeld der Nationalelf erzeugen.

Kimmich als zentrale Figur im neuen System

Zu dieser Stimmung gehört für Klopp, dass sich die Spieler frei fühlen und nicht ständig das Gefühl haben, Erwartungen zu verfehlen. Joshua Kimmich kennt die gegenteilige Erfahrung aus vielen Länderspieljahren und wird für den neuen Bundestrainer zur Schlüsselperson. Der Bayer soll wieder ins Zentrum rücken und dort als Taktgeber und Führungsspieler agieren. Dafür sucht Klopp einen neuen rechten Außenverteidiger, denn die Viererkette ist für ihn gesetzt.

Keidel als Überraschungsmann hinten rechts

Mit Felix Keidel taucht ein Name auf, den vor kurzem kaum jemand im Nationalmannschaftskontext erwartet hätte. Der 23-Jährige spielte bis vor wenigen Monaten noch beim FC Ingolstadt in der 3. Liga und steht nun plötzlich als möglicher Kandidat für die rechte Abwehrseite im Fokus. Ob er gleich zur ersten Lösung wird, bleibt offen. Alternativ hat sich Josha Vagnoman beim VfB Stuttgart zuletzt wieder ins Blickfeld gespielt.

Neuer Zuschnitt im Torwartteam

Zwingend ist die Neuordnung der Torwart-Hierarchie nach dem endgültigen Rücktritt von Manuel Neuer aus der Nationalmannschaft. Dessen Erbe tritt erneut Marc-André ter Stegen an, der bei Ajax Amsterdam als Stammkeeper gesetzt ist und Klopps Safety-First-Ansatz im Tor verkörpert. Für Bayerns jungen Reservetorhüter Jonas Urbig sei die Zeit im A-Team noch nicht gekommen. Als weitere Ersatztorhüter sind Alexander Nübel und Finn Dahmen vorgesehen, während für Oliver Baumann nach Neuers früherer Rückkehr zur WM nun kein Platz mehr im aktuellen Aufgebot bleibt.

Strategischer Neustart nach Jahren der Enttäuschungen

Jürgen Klopp stellt mit seinem ersten Kader als Bundestrainer die deutsche Nationalmannschaft sichtbar neu auf. Nach mehreren Turnierenttäuschungen und einem WM-Debakel setzt er auf eine Mischung aus etablierten Leistungsträgern und einer breiten Gruppe von Testkandidaten. Der XXL-Kader erlaubt ihm, unterschiedliche Spielertypen unter Wettbewerbsbedingungen zu sichten und zugleich Belastung zu steuern. Damit vollzieht der DFB einen klaren Kurswechsel hin zu mehr Konkurrenzdruck und taktischer Flexibilität ohne Bruch mit dem verbliebenen Gerüst aus erfahrenen Nationalspielern.

Power-Fußball und Strukturwandel im Spielerkreis

Klopp orientiert sich erkennbar an Prinzipien, die ihn bei seinem früheren Klub erfolgreich gemacht haben: hohes Tempo, intensives Pressing und ein 4-3-3-System mit klaren Rollen. Spieler wie Deniz Undav und Leroy Sané geraten dabei unter Druck, weil sie entweder nicht ideal in das gewünschte Geschwindigkeits- und Intensitätsprofil passen oder als Dauer-Streitfälle gelten. Gleichzeitig bieten Nominierungen von bisher wenig bekannten Profis wie Felix Keidel oder Younes Ebnoutalib Chancen für Athletik- und Laufstarke, die diese Anforderungen erfüllen. Der Umbau betrifft nicht nur die Offensive, sondern auch zentrale Achse und Defensive, etwa durch eine feste Viererkette und eine klar definierte Torwart-Hierarchie.

Bedeutung für Fans, Vereine und die kommenden Spiele

Für Fans der Nationalmannschaft bedeutet der Schritt, dass liebgewonnene Gesichter vorerst außen vor bleiben können, während neue Namen auftauchen, die erst Vertrauen gewinnen müssen. Für die Vereine eröffnet der große Kader zusätzliche Möglichkeiten, junge Spieler auf internationalem Niveau zu entwickeln, allerdings bei gleichzeitig höherer Belastung in einem kompakten Nations-League-Zyklus mit vier Spielen in zehn Tagen. Kurzfristig ist unklar, wie schnell der gewünschte Erfolg einsetzt, zumal Klopp selbst die Erwartungen gedämpft hat. Mittelfristig kann ein klar erkennbarer Spielstil und eine stabile Hierarchie – mit Marc-André ter Stegen als Nummer eins und Joshua Kimmich als zentraler Führungsspieler – dazu beitragen, die Nationalmannschaft sportlich zu stabilisieren und die Identifikation der Anhänger mit einem neu formierten Team zu stärken.

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