DFB-Frauen: Wück nominiert sechs England-Legionärinnen – Berger pausiert, Freigang dabei
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 15:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundestrainer Christian Wück startet mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft nach viermonatiger Pause in die WM-Saison und setzt dabei auf Tests gegen Australien und Japan.
Australien und Japan als Härtetest
Die DFB-Auswahl trifft am 9. Oktober in Karlsruhe auf Australien und am 13. Oktober in Bremen auf Japan. Wück erwartet zwei Spiele auf hohem Niveau, die das Team anders fordern sollen als Begegnungen mit europäischen Gegnern.
Für Ende November oder Anfang Dezember sind nach dpa-Informationen zudem zwei weitere Tests auf einem anderen Kontinent geplant. Wahrscheinlich ist ein Trip nach Amerika. Wück will seine Spielerinnen dabei auch mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen und der Atmosphäre in internationalen Stadien vertraut machen.
Sechs Spielerinnen aus England
Sechs Spielerinnen aus der englischen Women’s Super League stehen im 24-köpfigen Aufgebot – so viele wie noch nie. Dazu gehören Sjoeke Nüsken vom FC Chelsea, Lea Schüller von Manchester United, Vivien Endemann vom FC Liverpool, Carlotta Wamser von Manchester City sowie Selina Cerci und die 19 Jahre alte Lisa Baum vom FC Arsenal.
Baum, die früher für RB Leipzig spielte, wurde erstmals für die Nationalmannschaft nominiert. Insgesamt gehören elf Spielerinnen ausländischer Vereine zum Kader.
Berger pausiert – Mahmutovic soll spielen
Stammtorhüterin Ann-Katrin Berger von Gotham FC setzt den Lehrgang in Absprache mit dem Trainerteam aus. Die 35-Jährige befindet sich mit ihrem Club in den USA in der entscheidenden Phase der Saison.
Ena Mahmutovic vom deutschen Meister FC Bayern München soll mindestens einmal zum Einsatz kommen. Außerdem gehören Stina Johannes vom VfL Wolfsburg und Laura Dick von der TSG Hoffenheim zum Torwartaufgebot.
Freigang trotz laufendem Verfahren nominiert
Eintracht Frankfurts Kapitänin Laura Freigang steht trotz eines laufenden Disziplinarverfahrens im Kader. DFB-Direktorin Frauenfußball Nia Künzer erklärte, Freigang sei spielberechtigt und habe sportlich überzeugt.
Nach Angaben der Nationalen Anti-Doping Agentur soll die 28-Jährige innerhalb von zwölf Monaten dreimal bei einer Dopingkontrolle nicht an dem von ihr angegebenen Ort gewesen sein. Wegen der verpassten Kontrollen droht der 44-maligen Nationalspielerin eine Sperre. Der Fall liegt beim DFB und könnte vor das Sportgericht kommen.
Gwinn kehrt zurück
Kapitänin Giulia Gwinn führt das Aufgebot an. Die Außenverteidigerin des FC Bayern hatte im Juni bei den erfolgreichen WM-Qualifikationsspielen gegen Norwegen und in Slowenien wegen einer Schulteroperation gefehlt.
Wück fordert Spielzeit
Wück betonte die Bedeutung regelmäßiger Einsätze bei den Vereinen. Gerade die Spielerinnen, die nach England gewechselt sind, müssen sich dort zunächst durchsetzen.
Die Weltmeisterschaft findet vom 24. Juni bis 25. Juli 2027 in Brasilien statt. Im kommenden Jahr steht vor dem Turnier unter anderem noch die Olympia-Qualifikation über die Nations League an.
Die Entwicklung der Bundesliga beschäftigt das DFB-Trainerteam ebenfalls. Wück sagte, in den Stadien sehe er oft nur noch drei oder vier Spielerinnen, die für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt seien.
WM-Vorbereitung mit internationalem Schwerpunkt
Mit den Partien gegen Australien und Japan beginnt für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft die gezielte Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien. Beide Gegner gehören zu den etablierten Nationalteams außerhalb Europas und können dem DFB-Team andere taktische, physische und klimatische Anforderungen stellen als die bekannten Gegner aus der europäischen Qualifikation.
Die Nominierung von elf Spielerinnen aus ausländischen Vereinen zeigt zugleich, wie stark sich die Karrierewege deutscher Nationalspielerinnen verändern. Besonders die englische Women’s Super League gewinnt für deutsche Profis an Bedeutung. Für den Bundestrainer wird damit die regelmäßige Spielpraxis bei den Clubs zu einem zentralen Kriterium, weil Einsätze und Belastungssteuerung die Entwicklung bis zum Turnier maßgeblich beeinflussen.
Breiter Wettbewerb im Kader
Die Pause für Ann-Katrin Berger eröffnet Ena Mahmutovic die angekündigte Möglichkeit, sich im Tor zu zeigen. Gleichzeitig kehrt Giulia Gwinn nach ihrer Schulteroperation zurück und stärkt die Auswahl auf einer Schlüsselposition. Die erstmalige Berufung von Lisa Baum erweitert den Konkurrenzkampf im Offensivbereich.
Der Fall Laura Freigang verbindet sportliche Planung mit einem laufenden Verfahren. Nach den Angaben der Nada geht es um drei verpasste Dopingkontrollen innerhalb von zwölf Monaten; solange die Spielerin spielberechtigt ist, bleibt ihre Nominierung eine sportliche Entscheidung. Für die weitere Vorbereitung hängt ihre Einsatzperspektive vom Verlauf des Verfahrens ab.
