Cristiano Ronaldo wirft Jorge Jesus Wortbruch vor und will für Portugal weiterspielen
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 22:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWSCristiano Ronaldo hat Nationaltrainer Jorge Jesus nach seinem vorzeitigen Abgang aus dem Trainingslager der portugiesischen Nationalmannschaft Wortbruch vorgeworfen, sich für sein Verhalten entschuldigt und zugleich seine weitere Bereitschaft für Portugal erklärt.
Ronaldo rechnet mit Sanktion
Der 41-Jährige schrieb in einem langen Statement, er habe das Trainingslager in der vergangenen Woche verlassen, um einem weiteren Wortbruch zuvorzukommen. Für ihn sei die Wahrheit in zwischenmenschlichen Beziehungen entscheidend.
Ronaldo übernahm zugleich die Verantwortung für die Abreise. Sein Verbleib hätte der Mannschaft aus seiner Sicht geschadet. Er rechnet mit einer Sanktion des portugiesischen Verbandes, will nach Ablauf einer möglichen Sperre aber wieder zur Verfügung stehen, sofern er körperlich fit sei und für seinen Verein spiele.
Streit um Einsatz gegen Norwegen
Ronaldo hatte die Nationalmannschaft verlassen, nachdem er beim 2:1 im Hinspiel gegen Norwegen nicht eingesetzt worden war. Nach seiner Darstellung war ursprünglich auch im dritten Spiel kein Einsatz vorgesehen gewesen; Jesus habe ihn vor der Partie dennoch gebeten, 30 Minuten zu spielen, wozu es nicht kam.
Nach einem Gespräch mit Jesus und Sportdirektor Simão Coutinho habe der Trainer die Angelegenheit auf einer Pressekonferenz bereinigen sollen. Stattdessen habe Ronaldo dort eine aus seiner Sicht ungerechtfertigte Aggressivität sowie eine hochmütige und arrogante Haltung erlebt.
Trainer hält Rückkehr für möglich
Jesus hatte sich zuvor offen für Ronaldos Rückkehr gezeigt. Wenn Ronaldo bei Al-Nassr spiele und zurückkehren wolle, sei er bei der nächsten Nominierung ein Kandidat für den Kader, erklärte der Trainer. Jesus sprach von einem Missverständnis, das leicht zu klären sei.
Rekordspieler dachte an Abschied
Ronaldo bestritt bislang 234 Länderspiele für Portugal und erzielte 146 Tore. Beide Werte sind internationale Rekordmarken. Nach der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada hatte er nach eigener Darstellung bereits über einen Rücktritt nachgedacht, bevor der Verbandspräsident ihn zum Weitermachen bewegt habe.
Auch bei der Suche nach dem neuen Nationaltrainer sei Ronaldo nach seiner Meinung zu Jesus gefragt worden. Er habe dem Verbandspräsidenten mitgeteilt, Jesus sei aus seiner Sicht die richtige Wahl.
Portugal vorzeitig im Viertelfinale
Portugal gewann alle vier Nations-League-Spiele in den beiden turbulenten Wochen und steht vorzeitig im Viertelfinale. Ob Ronaldo dort wieder zum Kader gehört, hängt nach seiner Erklärung von einer möglichen Sperre, seiner Fitness und dem weiteren Verhältnis zum Trainer ab.
Konflikt zwischen Autorität und Ausnahmestatus
Der Streit fällt in eine Phase, in der Portugal sportlich erfolgreich ist. Die Mannschaft hat nach der Abreise ihres Rekordspielers weitere Nations-League-Spiele gewonnen und das Viertelfinale vorzeitig erreicht. Damit steht der sportliche Ertrag derzeit neben der persönlichen Auseinandersetzung im Mittelpunkt.
Ronaldo verfügt für Portugal über eine außergewöhnliche Bilanz: 234 Länderspiele und 146 Tore machen ihn zum Rekordspieler und Rekordtorschützen. Zugleich zeigt der Vorgang, wie schwierig der Übergang von einer prägenden Generation zu einer Mannschaft sein kann, in der Einsatzzeiten und Hierarchien neu verteilt werden. Gonçalo Ramos erzielte zuletzt an Ronaldos Stelle wichtige Treffer.
Rückkehr mit Bedingungen
Für den Verband entsteht damit ein doppeltes Ziel: Die sportliche Stabilität soll erhalten bleiben, zugleich muss der Konflikt zwischen Kapitän, Trainer und Verband intern gelöst werden. Ronaldos Angebot, nach einer möglichen Sperre wieder zur Verfügung zu stehen, hält die Tür für eine Rückkehr offen, knüpft sie aber an seine körperliche Einsatzfähigkeit und die Konsequenzen des Verbandes.
Für die nächsten Nominierungen dürfte deshalb nicht allein die Torbilanz entscheidend sein. Ebenso wichtig werden der Umgang mit der angekündigten Sanktion, das Verhältnis zu Jorge Jesus und die Frage sein, wie Portugal seine Mannschaftsführung organisiert. Eine Rückkehr könnte die Auswahl sportlich und öffentlich stärken, zugleich aber die Autorität des Trainers erneut auf die Probe stellen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „»Wenn er will, wird er zurückkehren« – Portugals Trainer öffnet die Tür für Ronaldo“ (05.10.2026)
Der Bericht hebt hervor, Jesus habe Ronaldo trotz dessen vorzeitiger Abreise eine Rückkehr in Aussicht gestellt und den Konflikt als Missverständnis bezeichnet. Anders als die aktuelle Stellungnahme Ronaldos, die den Trainer des Wortbruchs beschuldige, betone der Artikel die Vermittlungsbereitschaft des Verbands und die sportliche Erfolgsserie ohne den Superstar.
ntv: „Ohne Ronaldo läuft es für Portugal weiter prächtig“ (04.10.2026)
Der Beitrag stelle den sportlichen Verlauf in den Vordergrund und berichte, Portugal habe auch ohne Ronaldo das Viertelfinale erreicht, während Gonçalo Ramos erneut getroffen habe. Er bestätige die Abreise als Auslöser des Konflikts, setze den Schwerpunkt aber auf die funktionierende Mannschaft und erwähne zugleich Bemühungen um eine mögliche Versöhnung.
Beide Berichte stimmten darin überein, dass Jesus eine Rückkehr nicht ausschließe und Portugal sportlich erfolgreich geblieben sei. Offen bleibe, wie die von Ronaldo angekündigte mögliche Sanktion ausfalle und ob das Gespräch zwischen Spieler und Trainer den Vorwurf des Wortbruchs ausräumen könne.
