Russland-Urteil: CAS setzt IIHF vor WM 2027 unter Druck
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 16:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSCAS stellt IIHF vor neue Entscheidungen
- Die CAS-Richter bemängelten fehlende ausreichende Beweise des Weltverbands für den Ausschluss russischer Mannschaften.
- Die Frage eines neutralen Status hatte die IIHF im Verfahren nicht beantragt.
- DEB-Chef Frank Lutz schloss einen Verzicht Deutschlands auf die Gastgeberrolle nicht aus.
CAS verteidigt Russland-Urteil und kritisiert IIHF
Der Internationale Sportgerichtshof Cas hat sein Urteil zur Wiederzulassung russischer Mannschaften verteidigt und dem Eishockey-Weltverband IIHF Versäumnisse bescheinigt. Die Richter erklärten, der Verband habe keine ausreichenden Beweise für die rechtlichen Voraussetzungen eines Ausschlusses vorgelegt.
Gericht weist Kritik am Verfahren zurück
Auch mögliche negative Folgen der Entscheidung und die Frage eines neutralen Status für russische Teams seien im Verfahren weder ausreichend belegt noch von der IIHF beantragt worden. Der Cas erklärte, er habe auf Grundlage der rechtlichen Argumente und Beweismittel der Parteien entschieden.
Der russische Eishockey-Verband und die IIHF seien sich der Rechtsfragen sowie der möglichen Konsequenzen des Verfahrens bewusst gewesen. Der frisch gewählte IIHF-Präsident Franz Reindl hatte sich zuvor überrascht über die Weiterungen und die schnelle Wirksamkeit des Urteils gezeigt.
Boykott-Drohungen vor der WM 2027
Mehrere Nationen kündigten an, solange des andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht gegen russische Mannschaften anzutreten. Dazu gehört auch Eishockey-Weltmeister Finnland.
Besonders betroffen ist die Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland. Der Deutsche Eishockey-Bund sieht die Austragung durch die Entwicklung gefährdet; Vorstandsvorsitzender Frank Lutz schloss einen Verzicht auf die Gastgeberrolle nicht aus.
Bundesregierung kritisiert Entscheidung
Die Bundesregierung übte deutliche Kritik am Cas-Urteil. Möglich ist, dass russischen Nationalspielern die Visa für die Einreise verweigert werden.
Ein vergleichbares Vorgehen hatte Kanadas Premierminister Mark Carney für die U20-Weltmeisterschaft in Kanada am Ende dieses Jahres angekündigt. Der Cas erklärte, er nehme die kontroversen Reaktionen auf seinen Schiedsspruch zur Kenntnis.
Das CAS-Urteil verschiebt die Auseinandersetzung über Russlands Rückkehr vom sportpolitischen in den rechtlichen Bereich. Der Gerichtshof beanstandete nicht grundsätzlich politische Sanktionen, sondern die konkrete Begründung und Beweisführung des Weltverbands IIHF im Verfahren. Damit muss die IIHF ihre Ausschlussentscheidungen künftig rechtlich belastbarer vorbereiten, wenn sie russische Mannschaften erneut fernhalten will.
Für die WM 2027 in Deutschland entsteht ein Konflikt zwischen der juristischen Zulassung und der praktischen Durchführbarkeit. Mehrere Nationalverbände haben angekündigt, nicht gegen russische Teams anzutreten. Ein solcher Boykott könnte den sportlichen Wert des Turniers mindern, die Vermarktung belasten und den Deutschen Eishockey-Bund unter politischen und organisatorischen Druck setzen.
Folgen für Gastgeber und Verbände
Deutschland müsste zudem klären, wie eine Teilnahme russischer Spieler mit Einreise- und Sicherheitsentscheidungen vereinbar wäre. Die Bundesregierung kann Visa-Fragen beeinflussen, aber damit nicht automatisch die sportrechtliche Entscheidung des CAS aufheben. Für Zuschauer, Gastgeberstädte und Sponsoren bleibt entscheidend, ob sich die IIHF, die betroffenen Nationalverbände und staatlichen Stellen auf ein praktikables Verfahren verständigen.
Der Fall zeigt zugleich die Grenzen pauschaler Ausschlüsse im internationalen Sport. Solange der Angriffskrieg gegen die Ukraine andauert, bleibt Russlands Teilnahme politisch hoch umstritten; rechtlich müssen Verbände jedoch konkrete Risiken, Folgen und Beweise nachvollziehbar darlegen. Die nächsten Entscheidungen der IIHF und des DEB werden deshalb darüber bestimmen, ob die WM in Deutschland unter diesen Bedingungen stattfinden kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Russland bei der Eishockey-WM: Deutschlands Dilemma“ (04.11.2026)
Der Beitrag ordne ein, dass Russland nach dem CAS-Urteil bei der WM 2027 in Deutschland antreten dürfe. Im Mittelpunkt stehe Deutschlands Konflikt zwischen der Ausrichtung des Turniers und möglichen politischen sowie sportlichen Konsequenzen.
Stern: „Deutschland Cup: Eishockey-Neustart unter erschwerten Bedingungen“ (04.11.2026)
Der Artikel stelle den CAS-Spruch in den Zusammenhang der Unruhe im internationalen Eishockey und der geplanten Turniere in Deutschland. Anders als der Deutschlandfunk richte sich der Schwerpunkt stärker auf die unmittelbaren Bedingungen für den deutschen Spielbetrieb und die Reaktionen im Umfeld des Deutschland Cups.
Gemeinsam sei den Beiträgen die Einschätzung, dass das Urteil die Teilnahme Russlands rechtlich ermöglicht und Deutschland dadurch vor schwierige Entscheidungen stelle. Offen bleibe, ob Boykottankündigungen, politische Maßnahmen oder organisatorische Konsequenzen die WM 2027 verändern würden.
