Franz Reindl zum IIHF-Präsidenten gewählt
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 11:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der frühere DEB-Präsident Franz Reindl ist auf Teneriffa zum Präsidenten des Eishockey-Weltverbandes IIHF gewählt worden.
Knappes Ergebnis gegen Petr Briza
Der 71-Jährige setzte sich auf dem IIHF-Kongress im zweiten Wahlgang mit 60:57 Stimmen gegen den ehemaligen DEL-Torhüter Petr Briza aus Tschechien durch. Reindl, der im November 72 Jahre alt wird, ist nach Günther Sabetzki der zweite Deutsche an der Spitze des Weltverbandes.
Für Reindl ist die Wahl der zweite Anlauf auf das Amt. Vor fünf Jahren war er dem Franzosen Luc Tardif unterlegen, der diesmal nicht erneut kandidierte. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Reindl wegen Untreue waren später eingestellt worden.
Nur eine Amtszeit möglich
Nach den IIHF-Statuten darf ein Kandidat höchstens 72 Jahre alt sein. Reindl kann deshalb bei der nächsten Wahl 2030 nicht mehr antreten und hat nur eine vierjährige Amtszeit vor sich.
Als größte Herausforderung nannte der neue Präsident die Kommunikation mit der NHL. Er will erreichen, dass die nordamerikanische Profiliga ihre Spieler verlässlicher für Olympische Spiele abstellt.
Konflikt um Kalender und Weltmeisterschaft
Bei den Winterspielen in Mailand hatten NHL-Profis nach schwierigen Verhandlungen erstmals seit 2014 wieder am olympischen Eishockeyturnier teilgenommen. Reindl verwies zugleich auf mögliche Veränderungen bei den Weltmeisterschaften, die bislang jährlich im Mai stattfinden.
Weil dann noch die NHL-Playoffs laufen, steht nur ein Teil der nordamerikanischen Stars für die WM zur Verfügung. Zudem will die NHL den World Cup of Hockey mit ihren Topspielern wieder regelmäßiger ausrichten. Reindl hält deshalb eine bessere Abstimmung der Kalender für notwendig.
Schlüsselrolle zwischen IIHF und NHL
Mit seiner Wahl übernimmt Franz Reindl den internationalen Eishockeyverband in einer Phase, in der die wichtigsten Wettbewerbe eng miteinander verzahnt sind. Die IIHF organisiert die Weltmeisterschaften und wirkt bei Olympischen Spielen mit, während die NHL über die Teilnahme ihrer Profis an den größten internationalen Turnieren entscheidet.
Die Olympia-Frage ist deshalb mehr als ein sportpolitisches Detail. Für Nationalmannschaften erhöhen NHL-Spieler die Qualität und öffentliche Aufmerksamkeit, zugleich müssen Saisonkalender, Versicherungen und Reiseplanung abgestimmt werden. Reindls angekündigtes Ziel, die Kommunikation mit der NHL zu verbessern, richtet sich damit auf einen wiederkehrenden Konflikt zwischen Verbandsinteressen und dem Spielbetrieb der nordamerikanischen Profiliga.
Termindruck bei der Weltmeisterschaft
Auch die jährliche WM im Mai steht unter strukturellem Druck, weil parallel die NHL-Playoffs laufen. Eine Reform könnte die Verfügbarkeit prominenter Spieler verbessern, müsste aber zugleich Einnahmen, Gastgeber, TV-Rechte und die Bedeutung des Turniers für kleinere Eishockeynationen berücksichtigen. Hinzu kommt die geplante stärkere Rolle des World Cup of Hockey, der mit der WM um Aufmerksamkeit und Stars konkurrieren kann.
Für den Deutschen Eishockey-Bund stärkt Reindls Aufstieg die deutsche Präsenz in der internationalen Verbandsführung. Sein begrenztes Zeitfenster bis zur nächsten Wahl erhöht den Druck, bei Kalendern, Olympia und dem Verhältnis zur NHL früh konkrete Fortschritte zu erzielen.
