Eishockey-WM 2027: DEB hält an Deutschland als Gastgeber fest
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 21:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für die deutschen Turniere
- Frank Lutz will die Weltmeisterschaft im Mai in Deutschland ausrichten und schließt eine Rückgabe derzeit aus.
- Der DEB erwartet wegen des Kartenverkaufs noch in diesem Jahr Klarheit in der Russland-Frage.
- Bei der U20-WM in Kanada soll Russland für Norwegen nachrücken, während Kanada russische Visa ablehnt.
DEB hält an Heim-WM in Deutschland fest
Die Debatte über eine Wiedereingliederung Russlands hat das Debüt von Bundestrainer André Rankel beim Deutschland Cup überschattet. Der Deutsche Eishockey-Bund richtet den Blick deshalb vor allem auf die Organisation der Weltmeisterschaft im Mai und verlangt in der Russland-Frage schnell Klarheit.
Deutschland gewinnt gegen die Slowakei
Sportlich beendete die deutsche Auswahl das Heimturnier in Düsseldorf mit einem 4:3 gegen die Slowakei. Nach einem 0:3-Rückstand drehte das Team die Partie im Schlussdrittel, belegte aber hinter Lettland den zweiten Platz und verpasste die Titelverteidigung.
WM-Rückgabe ist kein DEB-Plan
DEB-Vorstandschef Frank Lutz sagte, eine Rückgabe der Weltmeisterschaft sei nichts, was der Verband plane. Deutschland wolle das Turnier im kommenden Mai ausrichten, und er sei optimistisch, dass dies gelingen werde.
Der DEB wünsche sich in der Russland-Frage noch in diesem Jahr eine Entscheidung. Hintergrund sind auch der laufende Kartenverkauf und die organisatorische Planung des Turniers.
IIHF sucht einen Umgang mit dem CAS-Urteil
Der Internationale Sportgerichtshof Cas hatte die Suspendierung russischer Teams wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine aufgehoben. Der Weltverband IIHF kündigte Schritte zur Umsetzung des Urteils an und will zugleich mit mehreren Verbänden über eine Lösung sprechen.
Der DEB bevorzugt nach den Worten von Lutz eine neue Begründung für einen Ausschluss, etwa mit dem Schutz der Integrität des Sports. Eine solche Argumentation hatte der Curling-Weltverband vor dem Cas bereits erfolgreich genutzt.
Streit um die U20-WM in Kanada
Bei der U20-Weltmeisterschaft in Kanada soll Russland nach der Entscheidung des norwegischen Verbands für Norwegen nachrücken. Kanada hat jedoch angekündigt, einer russischen Auswahl keine Visa zu erteilen.
Für die U20-WM und die A-WM hatten mehrere Nationen einen Nichtantritt gegen Russland angekündigt. Auch Sponsoren stellten ihren Rückzug in Aussicht. Die Ukraine, die sich sportlich für die A-WM qualifiziert hat, könnte bei einer russischen Teilnahme aus dem Feld fallen.
Politische Dimension der Teilnahme
Die mögliche Teilnahme Russlands sei auch Thema zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selensky gewesen. DEB und Bundesregierung lehnten es aus moralischen Gründen ab, die Ukraine für Russland weichen zu lassen.
Deutschland sei bei Visa-Entscheidungen für russische Sportler mit Blick auf den Deutschen Olympischen Sportbund und eine mögliche Münchner Olympia-Bewerbung bislang zurückhaltend.
Die Debatte über Russlands mögliche Rückkehr stellt die sportliche Bilanz des Deutschland Cups in den Schatten, weil sie unmittelbar die Planung der Weltmeisterschaft 2027 berührt. Der DEB muss Hallen, Sicherheitskonzepte, Ticketverkauf und die wirtschaftliche Kalkulation auf ein Teilnehmerfeld ausrichten, dessen Zusammensetzung nach dem CAS-Urteil offen ist.
Der Konflikt hat zudem eine rechtliche und politische Ebene. Der Sportgerichtshof hob die bisherige Suspendierung russischer Teams auf; zugleich prüft der Weltverband IIHF nach eigener Darstellung weitere Optionen und Gespräche mit betroffenen Verbänden. Für den DEB entsteht daraus ein enger Handlungsspielraum: Eine Teilnahme Russlands könnte Boykottankündigungen, Sponsorenausstiege und zusätzliche Sicherheitskosten auslösen, während ein erneuter Ausschluss rechtssicher begründet werden müsste.
Folgen für WM und Juniorenturniere
Besonders konfliktträchtig ist die mögliche Verdrängung der Ukraine aus dem A-WM-Feld, obwohl sich das Team sportlich qualifiziert hat. Auch bei der U20-WM in Kanada steht eine Entscheidung über die Zusammensetzung des Teilnehmerfelds an. Kanadas angekündigte Visa-Politik erhöht den diplomatischen Druck, ersetzt aber keine sportrechtliche Lösung.
Für Zuschauerinnen und Zuschauer in Deutschland bleibt damit nicht nur die Frage nach dem sportlichen Teilnehmerfeld offen. Auch der Wert bereits gekaufter Tickets, die Ansetzungen und die Sicherheitsbedingungen hängen daran, wie IIHF, Verbände und Regierungen die widerstreitenden rechtlichen, politischen und organisatorischen Interessen zusammenführen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag habe den wachsenden Widerstand mehrerer europäischer Verbände und die wirtschaftlichen Risiken für die WM 2027 in Deutschland herausgestellt. Anders als die dpa-Meldung, die Lutz’ aktuelle Festlegung auf die Austragung betone, habe er auch die zuvor erwogene Rückgabe der WM und mögliche Sponsorenausstiege ausführlicher dargestellt.
Deutschlandfunk: „Nach CAS-Urteil - Eishockey-WM in Deutschland mit Russland? Weltverband IIHF spielt auf Zeit“ (07.11.2026)
Der Bericht habe den rechtlichen Ausgangspunkt und die abwartende Haltung der IIHF in den Mittelpunkt gestellt. Zudem habe er auf eine mögliche neue Begründung für einen Ausschluss sowie auf die Unterstützung der Bundesregierung verwiesen, während die dpa-Meldung stärker die konkrete WM-Planung des DEB und die Situation der Ukraine betone.
Beide Beiträge hätten die Belastung der deutschen WM-Planung durch das CAS-Urteil und den Widerstand gegen eine russische Teilnahme bestätigt. Offen blieben der genaue Weg der IIHF, die Haltung Russlands und die Auswirkungen auf Teilnehmerfeld, Sponsoren und Austragung.
