WM, Nationalmannschaft

Macher statt Maskottchen: Moritz Wagners besondere Rolle

31.08.2023 - 11:30:17 | dpa.de

Bei der Heim-EM konnte Moritz Wagner sportlich nicht helfen. Diesmal spielt er bei den Basketballern eine zentrale Rolle. Kapitän Schröder sieht eine ganz besondere Qualität.

Emotionaler Leader des DBB-Teams: Moritz Wagner (l). - Bild: Hiro Komae/AP/dpa
Emotionaler Leader des DBB-Teams: Moritz Wagner (l). - Bild: Hiro Komae/AP/dpa

Mit seiner Kernkompetenz abseits des Basketballs kann Moritz Wagner auf der japanischen Trauminsel permanent glänzen. Ob in der Kabine von Okinawa, beim Kartenspiel mit Dennis Schröder oder beim Treffen mit den weit gereisten Fans: Wagner quasselt unentwegt - er gibt das gerne und mit einem breiten Grinsen zu.

«Quatsche halt ganz gerne»

«Ich bin, wie ich bin, ich laber viel, ich denke nicht immer sofort nach. Ich versuche immer gut drauf zu sein. Ich quatsche halt ganz gerne. Ich glaube, das nehmen Leute als Energie wahr», sagte der 26-Jährige vor der entscheidenden WM-Phase, die am Freitag (10.30 Uhr/Magentasport) mit dem Zwischenrundenauftakt gegen Georgien beginnt. Ein Sieg könnte bereits reichen, um die Finalrunde in der philippinischen Hauptstadt Manila zu erreichen. Voraussetzung ist, dass Slowenien den Olympia-Dritten Australien schlägt (14.10 Uhr).

Der ältere der beiden Wagner-Brüder kennt das Umfeld bei der Nationalmannschaft bestens. Bei Olympia 2021 war er aktiv dabei, 2022 begleitete er das Team in Köln und Berlin trotz eigener Verletzung durch die Heim-EM. Doch die jetzige Rolle, die nicht nur sportlich wichtig ist, gefällt ihm deutlich besser. «Verletzt sein ist scheiße, um das mal auf Deutsch zu sagen. Das ist ein emotionaler Struggle, den man da hat. Auch wenn das Team gut spielt, ist man gefangen. Das ist eine große Herausforderung», beschreibt Wagner seine emotionalen Leiden des Vorjahres. Am Spielfeldrand wirkte er streckenweise wie ein Maskottchen.

Schröder: «Eine tolle Familie»

Ein starker und verlässlicher Großer wie Wagner (2,11 Meter) fehlte womöglich, als im verlorenen Halbfinale gegen Spanien ein noch größerer Erfolg als EM-Bronze verspielt wurde. Angesprochen auf das Brüder-Paar Moritz und Franz müssen im deutschen Team fast alle grinsen. Es sei lustig, es sei unterhaltsam, es handle sich um «eine tolle Familie», wie Kapitän Schröder jüngst über die Brüder und deren nach Japan gereiste Eltern anmerkte. Die Zuschreibungen sind dabei meist ähnlich: Der jüngere Franz (22) gilt als eher zurückhaltend, der ältere Moritz wirkt ziemlich aufgedreht und plappert gerne ungefiltert los.

Auf ihren WM-Trikots tragen sie, wie einst die hochdekorierten spanischen Gasol-Brüder Pau und Marc, ihre Vornamen. Der aktuell angeschlagene Jungstar Franz Wagner gilt nach gerade einmal zwei NBA-Jahren bei den Orlando Magic als angehender Superstar, sein sportlicher Wert ist immens. Doch sein Bruder hat neben seinen Basketball-Skills, die er mit 25 Punkten gegen Japan eindrucksvoll bewies, einige weitere Vorzüge.

«Jedes Mal, wenn Moritz in einem Team ist, führt er das Team emotional an. Er bringt sehr, sehr viel Energie. Ich glaube, er hat generell intangibles, wie man in Amerika sagt. Er hat viele Sachen, die man nicht unbedingt messen kann, die aber zum Erfolg beitragen», sagte Franz über Moritz Wagner. Das Duo spielt nicht nur für Deutschland zusammen, sondern auch für die Magic in der NBA. Spricht man Anführer Schröder auf den älteren Wagner an, fällt diesem direkt das Wort «Trashtalking» ein. Heißt: Er hält die Kollegen bei Laune, indem er Quatsch von sich gibt.

Den freien Tag genutzt

Dass es während einer WM auch noch etwas Zeit für die Familie gibt, gefällt den Wagners besonders gut. Den freien Mittwoch nutzten sie, um mit ihren Eltern zum Strand zu fahren und die beliebte japanische Urlaubsinsel zu erkunden. «Das war ganz entspannt. Ich habe nicht so viel über Basketball nachgedacht», sagte Moritz Wagner, der wie sein Bruder Franz in Berlin aufgewachsen ist. Vater Axel und Mutter Beate sind auf der Tribüne auch in den TV-Übertragungen präsent und feiern leidenschaftlich die Siege der Söhne.

Dass sich eine Startformation ohne ihn gebildet hat, stört Moritz Wagner nicht. Co-Kapitän Johannes Voigtmann und Daniel Theis beginnen bei Bundestrainer Gordon Herbert, Wagner kommt als sechster Mann von der Bank. «Das ist mein Job, dafür werde ich bezahlt. Ich finde das mit Starter und Bank generell überbewertet. Wir gewinnen, der Rest interessiert nicht», sagte Wagner.

de | sport | 63964821 |

Weitere Meldungen

Neuer will während WM nicht über DFB-Rücktritt nachdenken. Was der Rekordtorwart über seine Zukunft denkt und warum er den WM-Titel für möglich hält. Manuel Neuer möchte sich in Amerika nicht mit einem endgültigen Abschied vom DFB-Team beschäftigen. (Sport, 18.06.2026 - 20:40) weiterlesen...

Rasenschonung: Nagelsmann lässt auf Nebenplatz trainieren. Grund ist die Schonung des speziellen Rasens. Trainer Julian Nagelsmann schaut vor dem WM-Spiel gegen die Elfenbeinküste genau hin. Die Nationalmannschaft zieht zum Training auf einen Nebenplatz um. (Sport, 18.06.2026 - 17:50) weiterlesen...

Kimmichs WM-Eindruck: Wie Nagelsmann sich verändert hat. Vor dem Spiel gegen die Elfenbeinküste ist allen klar: Der Teamgeist ist ein WM-Schlüssel. In ihrem Hotel sehen die DFB-Stars die Auftritte der Konkurrenz aus Frankreich, Argentinien und England. (Sport, 18.06.2026 - 09:56) weiterlesen...

Der 57-Minuten-Knipser Undav mag nicht draußen sein. Und trotzdem nur der Edeljoker im WM-Konzept des Bundestrainers. Der Stuttgarter klammert sich an eine Turnier-Weisheit. Deniz Undav ist Deutschlands Stürmer mit der Topquote. (Sport, 18.06.2026 - 09:23) weiterlesen...

Endlich vereint: Rüdigers große Vorfreude auf Mourinho. Bei Real hat der Nationalspieler noch einmal verlängert. In der kommenden Saison erfüllt sich für ihn ein großer Wunsch. Antonio Rüdiger nennt Madrid seine Heimat. (Sport, 18.06.2026 - 05:43) weiterlesen...

«Buhmann» Rüdiger verteidigt Nmecha für WM-Gebet. Generell hat er eine klare Meinung zu Kritik in den sozialen Netzwerken. Nach dem Gebetskreis von Felix Nmecha stellt Antonio Rüdiger klar: Im DFB-Team sei das religiöse Bekenntnis kein Thema. (Sport, 17.06.2026 - 20:46) weiterlesen...