Kriminalität, Polizei

Kreis Warendorf. Ein Anruf, der hängen bleibt: Wenn die Vergangenheit einen 17-Jährigen wieder einholt

19.06.2026 - 11:05:11 | presseportal.de

Warendorf - In der Arbeit mit straffälligen Jugendlichen braucht man manchmal Geduld und starke Nerven. Man warnt vor Spätfolgen, redet ins Gewissen, zeigt Konsequenzen auf und erntet oft nur ein cooles, gleichgültiges Achselzucken. Umso größer war die Überraschung bei der Kreispolizeibehörde Warendorf, als vor einigen Tagen das Telefon bei der Kriminalhauptkommissarin Frau Bothe klingelte. Am anderen Ende: Milan*, 17 Jahre alt, der das Präventionsprojekt "Kurve kriegen"** vor fast einem Jahr erfolgreich als Absolvent beendet hatte.

POL-WAF: Kreis Warendorf. Ein Anruf, der hängen bleibt: Wenn die Vergangenheit einen 17-Jährigen wieder einholt - Bild: presseportal.de
POL-WAF: Kreis Warendorf. Ein Anruf, der hängen bleibt: Wenn die Vergangenheit einen 17-Jährigen wieder einholt - Bild: presseportal.de

Der Grund seines Anrufs: Milan ist gerade dabei seinen Führerschein zu machen. Doch beim Antrag der Fahrerlaubnis stieß er auf eine Pflichtklausel. Er musste angeben, dass gegen ihn in der Vergangenheit in einem Strafverfahren ermittelt wurde. Er kreuzte wahrheitsgemäß "JA" an und die Antwort der Führerscheinstelle aus dem Kreis Warendorf folgte prompt. Milan bekam eine vorläufige Sperre für die Theorieprüfung, bis seine charakterliche Eignung geprüft ist.

Bestehende Meldepflichten seitens der Polizei, die sich u. a. aus dem Paragraphen 2 Absatz 12 Straßenverkehrsgesetz (§2 Abs. 12 StVG) ergeben, führen zu Weiterleitungen von der Polizei an die Fahrerlaubnisbehörde. Dies können zum Beispiel Drogendelikte aber auch schwere Aggressionsdelikte sein, wie zum Beispiel gefährliche Körperverletzungsdelikte, Raub oder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. So kann seitens der Fahrerlaubnisbehörde die persönliche Eignung (charakterliche Zuverlässigkeit) als Voraussetzung für die Erteilung einer Fahrerlaubnis geprüft werden.

Fehlverhalten durch mangelnde Impulskontrolle oder hohes Aggressionspotential ist somit nicht nur strafrechtlich relevant, sondern kann die charakterliche Eignung für den Straßenverkehr grundsätzlich in Frage stellen. Wer die Rechte anderer rücksichtslos verletzt, lässt erwarten, dass er auch im motorisierten Straßenverkehr ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte.

"Mensch, Frau Bothe, das habe ich Ihnen und auch den Pädagogen damals nie geglaubt. Jetzt sehe ich es selbst, dass es wirklich so ist", erklärte Milan (17) am Telefon. Für das Team aus Polizei und pädagogischen Fachkräften ist dieses Telefonat ein riesiger Erfolg. "Dass ein Jugendlicher nach fast einem Jahr von sich aus zum Hörer greift, um so ein solches Eingeständnis zu machen, erfüllt uns mit Stolz", hieß es aus der Kreispolizeibehörde.

Aus polizeilicher Sicht zeigt es die Nachhaltigkeit des Projekts: Die Jugendlichen merken, dass der Rechtsstaat ein langes Gedächtnis hat. Aus pädagogischer Sicht beweist der Anruf einen enormen Reifeprozess. Anstatt frustriert aufzugeben oder den Behörden die Schuld zu geben, übernimmt Milan die volle Verantwortung für seine Vergangenheit. Das Gespräch entwickelte sich zu einem echten Glücksfall für das Projekt. Milan will nun sogar als Mentor zurückkehren. Er hat angeboten, den aktuellen Teilnehmern ungeschönt aus seiner Sicht zu erklären, was er gerade durchmacht. In der Pädagogik nennt man das Peer-Arbeit, die oft Wunder wirkt. Wenn ein 17-Jähriger aus derselben Lebenswelt berichtet, warum das Autofahren vorerst in weite Ferne rückt, hat das bei den Jüngeren ein ganz anderes Gewicht als jede Ermahnung von Erwachsenen. Milan würde hier eine wichtige Stütze bilden, die es in dieser Form bisher seitens eines ehemaligen Teilnehmers in Warendorf noch nicht gab.

Milan hat inzwischen ein Führungszeugnis beantragt und hofft, dass er bald mit dem Führerschein weitermachen darf. Das gesamte Team von "Kurve kriegen" drückt ihm die Daumen, denn wer seine Fehler so reflektiert angeht, hat bewiesen, dass er die Kurve endgültig bekommen hat.

*Name zum Schutz des Jugendlichen geändert und frei gewählt.

** "Kurve kriegen" ist eine kriminalpräventive Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, die sich an kriminalitätsgefährdete Kinder und Jugendliche richtet, um deren Abgleiten in eine kriminelle Karriere frühzeitig zu verhindern.

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