Starlink-Station, Sabotage in Polen

Starlink-Brand in Polen: Zwei Verdächtige in Nürtingen gefasst

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 09:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Zwei türkische Staatsangehörige sollen nach polnischen Angaben an dem Brandanschlag auf eine Starlink-Station beteiligt gewesen sein. Die deutschen Behörden nahmen sie in Nürtingen fest; Polen vermutet russische Geheimdienste als Auftraggeber.

Laut Landeskriminalamt Baden-Württemberg wurden die zwei Tatverdächtigen in Nürtingen gefasst. - Bild: Enrique Kaczor/dpa
Laut Landeskriminalamt Baden-Württemberg wurden die zwei Tatverdächtigen in Nürtingen gefasst. - Bild: Enrique Kaczor/dpa

Ermittlungen führen nach Nürtingen

  • Das LKA Baden-Württemberg nahm am Montag in Nürtingen zwei türkische Staatsangehörige auf polnisches Ersuchen fest.
  • Die Festgenommenen sollen im Laufe des Tages einem Haftrichter vorgeführt werden.
  • Am 23. September brannte eine Starlink-Station in Wola Krobowska rund 50 Kilometer südlich von Warschau.

Nach einem Brandanschlag auf eine Starlink-Station in Polen sind zwei mutmaßliche Saboteure in Nürtingen festgenommen worden.

Polnischer Regierungschef meldet Zugriff

Ministerpräsident Donald Tusk schrieb, die deutsche Polizei habe auf Antrag polnischer Geheimdienste zwei türkische Staatsbürger gefasst. Sie sollen die Station in Masowien angezündet haben und sich vor der polnischen Justiz verantworten müssen.

Das LKA Baden-Württemberg bestätigte die Festnahmen in der Bahnhofstraße. Spezialkräfte des Mobilen Einsatzkommandos hätten den Zugriff vorgenommen; zu den Hintergründen und zum Alter der Männer machte die Behörde zunächst keine Angaben.

Weiterer Verdächtiger in Berlin

Laut einem Bericht der „Bild“ soll die Polizei in Berlin-Spandau einen weiteren Verdächtigen gefasst haben. Er könnte der Fahrer der beiden anderen Männer sein.

Brand legte wichtige Technik lahm

Das Feuer in Wola Krobowska erfasste die Stromversorgungsstation und den Stromgenerator. Die polnische Regierung sprach kurz danach von einem wahrscheinlichen Sabotageakt, weil die Anlage auch für die Internetversorgung der Ukraine wichtig ist.

Die Starlink-Satelliten werden von der Ukraine im Krieg gegen Russland genutzt. Ein Ausfall der Station hätte nach polnischen Angaben Probleme bei der Internetversorgung verursachen können.

Warschau vermutet russische Auftraggeber

Polens Innenminister Marcin Kierwinski kündigte an, den Verdächtigen nach ihrer Überstellung Sabotage und die Tätigkeit im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes vorzuwerfen. Der Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak erklärte, russische Dienste stünden hinter dem Sabotageakt.

Polizeichef Marek Boron sagte, die Ermittler hätten Vorbereitungen, Tat und Flucht rekonstruiert. Sie verfügten über Aufzeichnungen, Fingerabdrücke, DNA-Spuren sowie Informationen zu Einreise, Bewegungen und Ausreise der Verdächtigen.

Polen erwartet schnelle Überstellung

Nach Angaben Borons ist einer der Verdächtigen in Deutschland ansässig; gegen den anderen liegt dort eine Abschiebungsanordnung vor. Polen hofft, beide schnell an seine Behörden überstellen zu können.

Sabotagevorwurf mit strategischer Bedeutung

Der Brandanschlag richtet sich gegen eine Infrastruktur, die über die technische Versorgung Polens hinaus Bedeutung für die Ukraine besitzt. Die Starlink-Anbindung wird dort für Kommunikation und militärische Anwendungen genutzt. Ein Ausfall einzelner Stationen kann deshalb sicherheitspolitische Folgen haben, auch wenn der konkrete Schaden zunächst lokal bleibt.

Polen liegt an der zentralen Versorgungsroute für westliche Hilfe an die Ukraine und gehört zu den Staaten, die besonders häufig vor russischen Spionage- und Sabotageaktivitäten warnen. Der aktuelle Vorgang fügt sich damit in eine breitere Sicherheitsdebatte über hybride Angriffe ein. Dazu zählen neben physischen Anschlägen auch Cyberangriffe, Desinformation und die Anwerbung von Personen für Operationen in europäischen Ländern.

Ermittlungen und Auslieferung als nächste Schritte

Für das Verfahren kommt es nun darauf an, welche Beweise die polnischen Ermittler den Festgenommenen konkret zuordnen können. Genannt wurden DNA-Spuren, Fingerabdrücke, Aufzeichnungen und Erkenntnisse zu Reisebewegungen. Die deutschen Behörden müssen zunächst über die weitere Haft und das polnische Ersuchen entscheiden.

Für Deutschland zeigt der Fall zugleich, dass Ermittlungen zu mutmaßlichen Angriffen auf kritische Infrastruktur grenzüberschreitend geführt werden. Sollte eine Überstellung nach Polen erfolgen, dürfte dort neben dem Brandvorwurf auch die Frage einer möglichen Steuerung durch einen ausländischen Geheimdienst im Mittelpunkt stehen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Polens Ministerpräsident Tusk teilt mit Brand in Starlink-Anlage - Festnahmen in Deutschland“ (12.10.2026)

Der Bericht bestätige die Festnahme zweier türkischer Staatsbürger in Deutschland und hebe die Rolle der Station für Datenverbindungen in die Ukraine hervor. Er ordne den Vorgang in frühere polnische Vorwürfe gegen Russland sowie in die Bedeutung Starlinks für die ukrainischen Streitkräfte ein.

DER SPIEGEL: „Polen: Brand an Starlink-Station mit möglichem Russlandbezug – Festnahmen in Deutschland“ (12.10.2026)

Der Artikel stelle stärker den vermuteten russischen Hintergrund und die europäische Warnung vor hybriden Angriffen heraus. Zugleich führe er aus, dass Stromversorgung und Notstromgenerator der Station beschädigt worden seien, während die Frage einer konkreten Beauftragung offenbleibe.

Beide Berichte bestätigten die Festnahmen und die polnische Verdachtsrichtung; sie setzten unterschiedliche Schwerpunkte bei der Ukraine-Relevanz der Station und beim europäischen Sicherheitskontext.

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