Zuckersteuer: Neun Unionsminister stellen sich gegen die Abgabe
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 16:59 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSNeun Minister gegen zusätzliche Abgabe
- Der gemeinsame Brief richtet sich an Bundeskanzler Friedrich Merz, Kanzleramtschefin Nina Warken und Fraktionschef Thorsten Frei.
- Unterzeichnet wurde das Schreiben von neun Ministern aus Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen.
- Die Minister verweisen auf den CDU-Bundesparteitag in Stuttgart im Februar 2026, der sich gegen eine Zuckersteuer ausgesprochen hatte.
Neun Landesminister von CDU und CSU stellen sich gegen die geplante Einführung einer Zuckersteuer. In einem gemeinsamen Schreiben an Bundeskanzler Friedrich Merz, Kanzleramtschefin Nina Warken und Unionsfraktionschef Thorsten Frei lehnen sie eine Verbrauchssteuer auf zuckerhaltige Produkte ab.
Das auf den 11. Oktober datierte Schreiben wurde von der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber unterzeichnet und wird von weiteren Ressortchefs aus acht unionsgeführten Ländern getragen.
Minister setzen auf Freiwilligkeit
Die Unterzeichner betonen, eine ausgewogene Ernährung mit moderatem Zuckerkonsum könne Gesundheitsprobleme vermeiden. Für eine stärkere Zuckerreduktion gebe es jedoch mehrere Möglichkeiten, darunter Ernährungsbildung, Eigenverantwortung, Aufklärung und Innovation.
Eine zusätzliche Steuer auf Zucker oder Softdrinks halten die Minister nach eigenen Angaben nicht für den richtigen Weg. Verbraucher sollten selbstbestimmt entscheiden können; eine Abgabe belaste den Kauf bestimmter Lebensmittel zusätzlich und setze auf staatliche Lenkung.
Verweis auf Koalitionsvertrag
Nach Ansicht der Landesminister steht die geplante Steuer nicht im Einklang mit dem Koalitionsvertrag. Dieser setze in der Ernährungspolitik auf Freiwilligkeit, Anreize und Eigenverantwortung.
Die Minister verweisen außerdem auf die wirtschaftlichen Folgen für Landwirtschaft und Getränkehersteller. Steigende Kosten für Dünger und Diesel belasteten die Betriebe bereits; ein Eingriff in den Zuckermarkt könne zu sinkenden Erlösen führen.
Rezepturen und Gesundheitswirkung umstritten
Getränkehersteller müssten möglicherweise ihre Rezepturen anpassen, was zusätzlichen wirtschaftlichen Aufwand verursachen könne. Ob eine Steuer die Adipositasbekämpfung wirksam unterstützt, sei nach Darstellung der Minister nicht eindeutig belegt.
Die Position knüpft an die Beschlusslage der CDU an: Beim Bundesparteitag in Stuttgart im Februar 2026 hatte sich die Partei gegen eine Zuckersteuer ausgesprochen. Später verständigte sich die Union jedoch gemeinsam mit der SPD auf eine entsprechende Abgabe.
Der Protest der neun unionsgeführten Landesminister verschärft einen bereits bestehenden Konflikt innerhalb der schwarz-roten Bundesregierung. Nach der dts-Meldung hatten sich Union und SPD zuvor grundsätzlich auf eine Zuckerabgabe verständigt; zugleich berufen sich die Minister auf den Koalitionsvertrag, der in der Ernährungspolitik Freiwilligkeit, Anreize und Eigenverantwortung hervorhebt.
Streit über Ausgestaltung und Ziel
Die geplante Abgabe soll nach aktuellen Berichten ab Juli 2027 greifen. Im Gespräch ist eine Begrenzung auf Unternehmen mit einer jährlichen Abfüllmenge von mehr als einer Million Litern. Damit würde die Regelung vor allem größere Getränkehersteller treffen, während kleinere Abfüller ausgenommen bleiben könnten. Auch die Höhe der Abgabe soll vom Zuckergehalt abhängen.
Für die Befürworter steht die gesundheitspolitische Wirkung im Mittelpunkt: Ein höherer Preis für stark gezuckerte Getränke soll den Konsum senken und Hersteller zu veränderten Rezepturen bewegen. Die Landesminister stellen dagegen infrage, ob die erwarteten Erfolge bei der Adipositasbekämpfung eindeutig belegt sind, und verweisen auf mögliche Belastungen für Landwirtschaft und Getränkeindustrie.
Koalition vor politischer Bewährungsprobe
Politisch reicht der Streit über eine einzelne Verbrauchsteuer hinaus. Die Union muss ihre frühere Ablehnung einer Zuckersteuer mit der Vereinbarung mit der SPD in Einklang bringen. Der gemeinsame Brief erhöht deshalb den Druck auf die Bundesregierung, die geplante Regelung gegenüber den eigenen Ländern und der Parteibasis zu erklären oder ihre Ausgestaltung nachzuverhandeln.
Für Verbraucher könnten sich je nach Modell die Preise zuckerhaltiger Getränke verändern. Für Hersteller stehen Rezepturanpassungen, Kennzeichnung und zusätzliche Abgaben im Mittelpunkt. Die weitere Debatte dürfte damit sowohl die Gesundheitswirkung als auch die Belastung von Unternehmen und Haushalten betreffen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Durchbruch? Koalition einigt sich auf Zuckersteuer ab Juli 2027“ (09.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die grundsätzliche Einigung von Union und SPD und nennt den 1. Juli 2027 als geplanten Starttermin. Im Mittelpunkt stehen die Schwelle von einer Million Litern Jahresabfüllung und der anhaltende Widerstand der Getränke- und Lebensmittelwirtschaft.
WDR: „Haushalt 2027: Steuern, Abgaben, Kürzungen“ (09.10.2026)
Der WDR ordnet die Zuckersteuer als Teil der Steuerreform ein und verweist auf geplante Einnahmen sowie den Konflikt zwischen gesundheitspolitischen Zielen, Haushaltsinteressen und der ablehnenden Haltung von Unionspolitikern. Offen bleibt, wie die Abgabe endgültig ausgestaltet wird.
Beide Beiträge bestätigen den geplanten politischen Kurs, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Euronews beschreibt vor allem den Kompromiss und seine Abgrenzungen, während der WDR die fiskalischen Folgen und den Koalitionskonflikt hervorhebt.

