Zuckerkonsum, Zuckersteuer

Zuckerkonsum in Deutschland: Bis zu 100 Gramm täglich – Zuckersteuer vorerst gestoppt

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 14:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Deutsche nehmen deutlich mehr Zucker zu sich, als die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Der vorläufige Stopp der Zuckersteuer lässt offen, wie der hohe Konsum politisch begrenzt werden soll.

  • Die Zuckerzufuhr der Deutschen liegt weit über den empfohlenen Werten. (Symbolbild) - Bild: Melissa Erichsen/dpa
    Die Zuckerzufuhr der Deutschen liegt weit über den empfohlenen Werten. (Symbolbild) - Bild: Melissa Erichsen/dpa
  • Zuckerhaltige Getränke sind besonders bei jungen Menschen beliebt. (Symbolbild) - Bild: Monika Skolimowska/dpa
    Zuckerhaltige Getränke sind besonders bei jungen Menschen beliebt. (Symbolbild) - Bild: Monika Skolimowska/dpa
  • Karies verursacht Löcher in den Zähnen. (Symbolbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa/dpa-tmn
    Karies verursacht Löcher in den Zähnen. (Symbolbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa/dpa-tmn
Die Zuckerzufuhr der Deutschen liegt weit über den empfohlenen Werten. (Symbolbild) - Bild: Melissa Erichsen/dpa Zuckerhaltige Getränke sind besonders bei jungen Menschen beliebt. (Symbolbild) - Bild: Monika Skolimowska/dpa Karies verursacht Löcher in den Zähnen. (Symbolbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa/dpa-tmn

Deutsche nehmen täglich deutlich mehr Zucker zu sich, als die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt – mit möglichen Folgen für Gewicht, Stoffwechsel und Zahngesundheit.

Die Kehrseite des Süßen

Zucker liefert Kalorien, aber keine Vitamine oder Mineralstoffe. Wer regelmäßig zu viel davon isst oder trinkt, erhöht sein Risiko für Übergewicht und Adipositas sowie für Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Typ-2-Diabetes und bestimmte Krebsarten.

Ernährungsforscher Stefan Kabisch von der Berliner Charité sagte Ende 2025, Zucker sei nicht die alleinige, aber eine relevante Ursache. Regelmäßiger Zuckerkonsum könne außerdem die Steuerung von Sättigung und Appetit beeinträchtigen, erläuterte Marc Tittgemeyer vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln im März 2026.

WHO empfiehlt deutlich weniger

Die WHO rät Menschen mit gesundem Körpergewicht zu höchstens 50 Gramm sogenanntem freien Zucker pro Tag, besser zu weniger als 25 Gramm. Dazu zählen zugesetzter Zucker und Zucker, der beim Entsaften freigesetzt wird. Zucker in unverarbeitetem Obst fällt nicht darunter, Fruchtsaft dagegen schon.

In Deutschland nehmen Männer im Schnitt 78 Gramm Zucker täglich auf, Frauen 61 Gramm. Einschließlich weiterer Zuckerquellen kann die tägliche Menge bis zu 100 Gramm erreichen.

Kinder besonders gefährdet

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene trinken fünf- bis zehnmal mehr zuckergesüßte Getränke als ältere Menschen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, warnte Ende 2025 vor einer künftig großen Zahl von Diabeteserkrankungen infolge von Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung.

Eine Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2021 legt zudem nahe, dass hoher Zuckerkonsum in jungen Jahren die Entstehung von Darmkrebs im Erwachsenenalter begünstigen könnte.

Folgen für die Zähne

Zucker schädigt auch die Mundgesundheit. Bakterien wandeln ihn in Säuren um, die Zahnmineralien angreifen; dadurch kann Karies entstehen.

Zuckersteuer vorerst gestoppt

Mit dem vorläufigen Stopp der Zuckersteuer durch das Bundeskanzleramt bleibt offen, wie der hohe Zuckerkonsum wirksam begrenzt werden soll. Der politische Streit betrifft damit nicht die gesundheitlichen Risiken, sondern den geeigneten Umgang damit.

Gesundheitsrisiko und Verbrauch

Die im dpa-Bericht genannten Mengen liegen deutlich über der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Gemeint ist dabei freier Zucker, also zugesetzter Zucker sowie Zucker in Säften. Der natürliche Zucker in unverarbeitetem Obst wird nicht in gleicher Weise bewertet, weil Obst zugleich Ballaststoffe und andere Nährstoffe liefert.

Besonders relevant sind zuckerhaltige Getränke: Flüssige Kalorien sättigen häufig weniger als feste Nahrung und können deshalb eine hohe Energiezufuhr begünstigen. Ein dauerhaft hoher Konsum erhöht das Risiko für Übergewicht und Folgeerkrankungen; bei Kindern und Jugendlichen prägt er zudem Gewohnheiten, die bis ins Erwachsenenalter fortwirken können. Die Risiken entstehen nicht durch einzelne Süßigkeiten, sondern vor allem durch regelmäßigen Überkonsum.

Politischer Streit um die Zuckersteuer

Die geplante Abgabe ist deshalb zugleich Gesundheits- und Verteilungspolitik. Befürworter erwarten, dass Hersteller Rezepturen verändern und Verbraucher häufiger zu weniger süßen Getränken greifen. Kritiker verweisen auf zusätzliche Kosten, Bürokratie und Belastungen für Unternehmen. Der aktuelle Stopp des Gesetzentwurfs lässt die politische Ausgestaltung offen, beendet die Debatte über den hohen Zuckerkonsum aber nicht.

Was sich im Alltag ändert

Für Verbraucher bleibt die einfachste Orientierung der Blick auf Getränke, Desserts, Süßwaren und stark verarbeitete Produkte. Wasser und ungesüßte Getränke enthalten keinen freien Zucker; Fruchtsaft zählt dagegen trotz seines natürlichen Ursprungs zu den relevanten Zuckerquellen. Eine Verringerung zuckerhaltiger Getränke kann die tägliche Aufnahme besonders wirksam senken.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR24: „Zuckersteuer ausgebremst: Wie geht es weiter?“ (02.10.2026)

Der Bericht bestätige den vorläufigen Stopp des Entwurfs, betone jedoch, die Zuckersteuer sei damit nicht vollständig vom Tisch. Anders als die dpa-Meldung, die vor allem die gesundheitlichen Folgen des hohen Konsums erläutere, stelle BR24 die geplanten Steuersätze, die politische Vorgeschichte und mögliche weitere Verhandlungen in den Mittelpunkt. Zugleich beschreibe der Beitrag die Argumente von Befürwortern und Gegnern.

MDR: „Kanzleramt stoppt Zuckersteuer von Klingbeil“ (01.10.2026)

Der MDR-Bericht bestätige den Stopp und hebe hervor, der Entwurf weiche vom Vorschlag der Finanzkommission Gesundheit ab. Er stelle zudem die unterschiedlichen Einnahmeerwartungen und die abweichende Zahl der Steuerstufen heraus. Offen bleibe, ob und in welcher Form die Abgabe nach weiteren Abstimmungen eingeführt werde.

Beide Berichte bestätigten den politischen Stopp des konkreten Entwurfs und beschrieben zugleich eine fortbestehende grundsätzliche Absicht zur Zuckersteuer. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Schwerpunkt: BR24 ordne den weiteren Verhandlungsprozess und die Gesundheitsargumente ein, während der MDR die Abweichungen vom Kommissionsvorschlag und die Einnahmen stärker betone.

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