Ziele: Einsatzkräfte unterstützen, Bevölkerung ausbilden / Erfolgreicher DFV-Bundesfachkongress zum Bevölkerungsschutz mit 130 Personen
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 23:04 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS"Bevölkerungsschutz braucht Menschen, Fähigkeiten und Zusammenarbeit"
Zu Beginn gab Grit Tüngler, Präsidentin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), unter dem Titel "Quo Vadis Bevölkerungsschutz" eine Einordnung aus Sicht des Bundes. "Sicherheit entsteht durch Zusammenarbeit, deswegen ist mir die Kooperation mit dem Deutschen Feuerwehrverband auch so wichtig. Wir haben bereits leistungsstarke Feuerwehrstrukturen, die hervorragend arbeiten. Diese gelebte Verantwortung von Menschen, welche die vorhandene Technik in den Einsatz bringen, braucht es im Bevölkerungsschutz", zeigte sie sich überzeugt. Ihrer Auffassung nach seien letztlich die drei Faktoren Menschen, Fähigkeiten sowie eine Zusammenarbeit entscheidend für den Erfolg. Sie forderte eine mitwirkende Bevölkerung, die selbst noch besser vorbereitet und damit im Ereignisfall resilienter sein müsse.
Dreitägiger Stromausfall: Lage war geübt, Notfallmeldepunkte waren definiert
Im Juni 2026 wurde Reutlingen von einem rund 7.600 Haushalte und mehrere Betriebe umfassenden, dreitägigen Stromausfall betroffen, der vermutlich auf gezielte Brandstiftung zurückzuführen ist. Stefan Hermann, Feuerwehrkommandant Reutlingen und Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes (LFV) Baden-Württemberg, berichtete ausgehend vom nächtlichen Szenario mit mehreren Brandstellen in einem Umspannwerk. "Aufgrund der Erkundungsergebnisse wurde sofort mit umfassenden Auswirkungen gerechnet: Schon nach einer Viertelstunde wurde daher der Führungsstab alarmiert und bereits nach gut einer Stunde der Verwaltungsstab aktiviert". Sein Bericht über den Einsatz befasste sich mit der Organisation von Beatmungsplätzen für ein Klinikum, den Auswirkungen auf die Abwasserentsorgung sowie den Erkenntnissen für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. "Hilfreich war bei der Bearbeitung der Einsatzlage die Tatsache, diese Lage bereits in der Vergangenheit geübt und Notfallmeldepunkte vorab definiert zu haben", so Hermann.
Handbuch zur Zivil-Militärischen Zusammenarbeit soll Sicherheit schaffen
Der 2025 eingerichtete Arbeitskreis Zivil-Militärische Zusammenarbeit, in dem Feuerwehr und Bundeswehr gemeinsam arbeiten, erstellt derzeit ein Handbuch, um in Bevölkerungsschutzlagen mehr Sicherheit für die Einsatzkräfte zu schaffen - immer in der Hoffnung, die Regelungen nicht zu brauchen. Der Leiter des Arbeitskreises, Mathias Bessel, erläuterte gemeinsam mit weiteren Teammitgliedern die grundlegende Erkenntnis, dass gleiche Fragen und Herausforderungen in Einsatzlagen von den verschiedenen Beteiligten in unterschiedlicher Weise betrachtet werden: "Mit dem Handbuch wollen wir ein orientierendes Werk herausgeben, welches die jeweils andere Perspektive und Fachsprache verständlicher macht und in Spezifika einführt." Das interdisziplinär entstehende Handbuch soll über die DFV-Webseite unter https://www.feuerwehrverband.de/fachliches/ak/ak-zmz/ allgemein zugänglich sein. Im ersten Teil sind bereits binnen sechs Monaten Fragen niedergelegt, wie eine Gefahrenabwehr im Bereich der Unterstützung von Streitkräften aussehen könnte; bislang ist dies gar nicht definiert. Der Bereich beinhaltet somit Voraussetzungen zur strukturellen Vorbereitung von Maßnahmen. Im zweiten Teil hingegen sind Inhalte als konkrete Entscheidungshilfen für Einsatzstellen formuliert. Feuerwehren erhalten technische und organisatorische Verhaltensregeln für militärische Bereiche und umgekehrt: "Darf man eine Waffe abnehmen oder wie steigt man in einen Panzer ein; wie kommuniziere ich mit Feldjägern?". Generell wird dabei Wert darauf gelegt, nicht alles noch einmal zu erfinden, sondern sich möglichst an Alltäglichem anzulehnen und sich in der Vorgehensweise an ständig verwendete Standards zurückzuerinnern. Die Gestaltung erfolgt in einfacher, übersichtlicher Form auf einer jeweils Seite pro Themenbereich, teils in farblichen Kategorien. Die stetige Fortschreibung ist beabsichtigt.
KRITIS-Dachgesetz: Anderer Blickwinkel als in Gefahrenabwehr gewohnt
Dr. Matthias Münch vom LFV Berlin stellte in seinen Ausführungen die Frage der Relevanz des im März 2026 verkündeten KRITIS-Dachgesetzes für die Feuerwehr. Dieses legt Betreibern kritischer Infrastruktur Pflichten auf, welche staatlich beaufsichtigt und unterstützt werden. Der Zweck ist von wichtiger Bedeutung für das Staats- und Allgemeinwesen, werden hier doch die kritischen Anlagen, Dienstleistungen und Sektoren zunächst einmal definiert. Daraus leiten sich dann die einzelnen Maßnahmen ab, welche die Betreiber für sich konkret identifiziert haben. Münch berichtete: "Bemerkenswert ist, dass es zwar insgesamt zehn Sektoren gibt, hierin jedoch Feuerwehren und andere Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben als öffentliche Gefahrenabwehr sowie Medien und Kulturgüter fehlen!". Das KRITIS-Dachgesetz richte den Blick auf Deutschland als Ganzes, ermögliche aber nicht den Lupenblick auf ein spezielles Gebiet. Die Regionen benötigten individuelle kommunale Eigenresilienzanalysen, indem sie mit der identifizierten Versorgungsrelevanz den Abgleich mit dem eigenen Potenzial vornehmen. Der Blickwinkel sei hierbei ein anderer als bei den kommunalen Gewohnheiten in der Gefahrenabwehr. Münch war sich sicher: "Wenn die Merkmale des Gesetzes erfüllt werden, kann es gelingen, eine Katastrophe durch Kommunikation, Lagebild und Logistik zu bewältigen".
Abschließende Diskussion über den "Pakt für den Bevölkerungsschutz"
Moderiert durch Peter Jagla, gab es abschließend eine intensive Diskussion über den "Pakt für den Bevölkerungsschutz". Dies ist ein im Mai 2026 beschlossenes, mehr als zehn Milliarden Euro schweres Finanzpaket, das bis 2029 "einen umfassenden Modernisierungsschub im Bevölkerungsschutz und der Zivilen Verteidigung" bringen soll. Wie wirkt sich der Pakt aus, was wird noch benötigt und vor allem was braucht es noch, damit er für die Akteure vor Ort echte Hilfe bietet? In der Diskussion fanden die Perspektiven aus Bund und Feuerwehr, Hilfsorganisation und Bundesanstalt Technisches Hilfswerk ihren Platz.
"Wir sind uns in vielen Dingen relativ einig. Wir müssen mutig und mit Geschwindigkeit in die Umsetzung gehen. Wenn wir schnell entscheiden, ohne Angst vor Fehlern zu haben, werden wir bis 2029 weiter sein als jetzt", erklärte Dr. Tobias Plate (Bundesministerium des Innern). Kevin Grigorian, Leiter des Stabes der Bundesgeschäftsstelle der Johanniter-Unfall-Hilfe, appellierte an die gemeinsame Bewältigung der Herausforderungen: "Wir müssen strukturell denken, nicht nur technisch. Die Stärkung des Ehrenamtes und die Vernetzung untereinander auch bei Übung und Weiterentwicklung sind unerlässlich." "Dieser Pakt muss nachhaltig sein und darf nicht mit einer Legislaturperiode enden. Wir brauchen diese Verpflichtung für Deutschland, denn wir können uns nur auf uns selbst verlassen. Es braucht ein nachhaltiges Bekenntnis für Bevölkerungsschutz und Zivilschutz!", forderte Sabine Lackner, Präsidentin des Technischen Hilfswerks. DFV-Präsident Karl-Heinz Banse fand abschließend starke Worte: "Wir müssen die Bevölkerung mehr mitnehmen und ihnen klar machen, dass innere Sicherheit und Bevölkerungsschutz Geld kosten. Dann können Politiker Geld in die Hand nehmen, um die Sicherheit zu erhöhen, und den Mut haben, die Dinge umzusetzen. Wenn dieses Bewusstsein da ist, wird uns gemeinsam für die innere Sicherheit das gelingen, was für die Bundeswehr in der äußeren Sicherheit aktuell schon erreicht worden ist."
Die begleitende Fachausstellung für Mitglieder des DFV-Förderkreises bot Perspektiven aus der Wirtschaft rund um das Thema an. Neben technischen Innovationen wurden auch Lösungen etwa für die Bevorratung von Lebensmitteln oder die Beschaffung von Lageinformationen vorgestellt. DFV-Präsident Karl-Heinz Banse zeigte sich in Gesprächen mit den Ausstellern begeistert über das gezeigte, große Spektrum und dankte für die stetige Unterstützung der Verbandsarbeit auch im Rahmen des Bundesfachkongresses.
Die freigegebenen Vorträge der Veranstaltung werden unter https://www.feuerwehrverband.de/veranstaltungen/bundesfachkongress/ zur Verfügung gestellt. Das "Positionspapier zur Zukunft des Bevölkerungsschutzes im Kontext der Zivilen Verteidigung": steht auf der DFV-Webseite unter https://www.feuerwehrverband.de/fachliches/publikationen/positionspapier-zivile-verteidigung/ online. Bilder des Bundesfachkongresses sind unter https://www.feuerwehrverband.de/presse/bilder/ herunterladbar.
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