Yougov-Umfrage, Bundespolitik

Yougov-Umfrage: AfD steigt auf 29 Prozent, Union fällt auf 18

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 06:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Eine neue Yougov-Umfrage sieht die AfD bundesweit deutlich vor der Union und erstmals eine Mehrheit der Bürger für eine Öffnung der Brandmauer gegenüber der Partei, obwohl sie zugleich überwiegend als rechtsextrem eingestuft wird.

Yougov: Union fällt bundesweit auf 18 Prozent
Friedrich Merz und Tino Chrupalla (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Union fällt in einer neuen bundesweiten Yougov-Umfrage auf 18 Prozent und erreicht damit ein historisches Tief in der Sonntagsfrage. Gleichzeitig bleibt die AfD mit 29 Prozent stärkste Kraft und baut ihren Vorsprung gegenüber den traditionellen Volksparteien weiter aus.

AfD vorn, Union auf historischem Tiefstand

In der Befragung würden aktuell 18 Prozent der Wahlberechtigten CDU oder CSU wählen, zwei Punkte weniger als in der Yougov-Erhebung im August. Die AfD verbessert sich um einen Punkt und kommt auf 29 Prozent. Die Grünen gewinnen ebenfalls einen Prozentpunkt hinzu und erreichen 16 Prozent, ein Niveau, das zuletzt im Mai 2023 gemessen wurde.

Die SPD stabilisiert sich und liegt nun bei 13 Prozent, ein Punkt mehr als im Vormonat. Die Linke verliert zwei Punkte und kommt im September auf 10 Prozent. Für die FDP werden unverändert 5 Prozent ausgewiesen. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) legt leicht zu und erreicht 4 Prozent. Sonstige Parteien zusammen kommen auf 5 Prozent.

Mehrheit hält AfD weiterhin für rechtsextrem

Trotz der hohen Zustimmung für die AfD bleibt das Urteil vieler Bürger über die Partei kritisch. 59 Prozent der Befragten halten die AfD für rechtsextrem, 30 Prozent sehen dies anders, 11 Prozent sind unentschieden. Besonders eindeutig fällt die Einschätzung bei Wählern der Grünen aus: 97 Prozent von ihnen ordnen die AfD als rechtsextreme Partei ein.

Auch bei Anhängern der SPD (89 Prozent) und der Linken (82 Prozent) ist die Bewertung klar. Unter CDU/CSU-Wählern halten 69 Prozent die AfD für rechtsextrem, 22 Prozent sehen sie nicht so, 9 Prozent sind unentschieden. Unter AfD-Wählern sind 4 Prozent der Meinung, die eigene Partei sei rechtsextrem, während 88 Prozent dies verneinen und 8 Prozent keine klare Position beziehen.

Meinung zur AfD-Brandmauer verschiebt sich

Die Umfrage zeigt einen Wandel bei der Frage, ob andere Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD grundsätzlich ausschließen sollten. Im September sprechen sich 51 Prozent der Bürger dafür aus, eine Zusammenarbeit nicht grundsätzlich auszuschließen. 40 Prozent sind dafür, eine Zusammenarbeit zu verweigern, 9 Prozent bleiben unentschieden.

Damit unterscheidet sich das aktuelle Meinungsbild deutlich von der Lage Ende August 2026: Damals waren 44 Prozent gegen eine grundsätzliche Ablehnung der Zusammenarbeit, 46 Prozent befürworteten eine feste Brandmauer. 10 Prozent waren unentschieden. Die aktuelle Umfrage deutet darauf hin, dass der Wunsch nach mehr Flexibilität im Umgang mit der AfD wächst.

Parteienanhänger gespalten über Kooperation mit AfD

Die Haltung zur Brandmauer variiert stark je nach Parteipräferenz. Wähler von SPD, Grünen und Linken lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD mehrheitlich ab. Bei SPD-Anhängern sprechen sich 71 Prozent für ein grundsätzliches Ausschließen der Zusammenarbeit aus und 22 Prozent dagegen. Unter Grünen-Wählern sind 76 Prozent für die Brandmauer und 15 Prozent dagegen, bei Linken-Wählern 73 Prozent für und 18 Prozent gegen eine Öffnung.

Unter CDU/CSU-Wählern gibt es hingegen keine Mehrheit für eine strikte Brandmauer: 38 Prozent wollen eine Zusammenarbeit grundsätzlich ausschließen, 55 Prozent wollen sie nicht grundsätzlich ausschließen. Erwartungsgemäß lehnen AfD-Wähler die Brandmauer fast geschlossen ab. Nur 3 Prozent wollen eine Zusammenarbeit ausschließen, 94 Prozent nicht; 3 Prozent werden in der Umfrage nicht eindeutig zugeordnet.

Erhebungszeitraum und Umfang der Umfrage

Yougov hat die aktuellen Zahlen per Online-Panel vom 11. bis 14. September erhoben. Insgesamt wurden 2.161 Personen befragt. Die Ergebnisse beziehen sich auf ganz Deutschland und bilden ein aktuelles Stimmungsbild vor den bevorstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Die aktuellen Zahlen von Yougov markieren einen weiteren Einschnitt in der bundespolitischen Landschaft: Erstmals fällt die Union in einer bundesweiten Sonntagsfrage dieses Instituts auf 18 Prozent und rutscht damit deutlich hinter die AfD, die mit 29 Prozent klar stärkste Kraft bleibt. Vor den anstehenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin unterstreicht das Umfragebild die strukturelle Schwäche der bisherigen Volksparteien und den anhaltenden Zuspruch für die AfD.

Auffällig ist, dass dieses Stimmungsbild mit einer weitgehend stabilen Wahrnehmung der AfD als rechtsextreme Partei einhergeht. Eine klare Mehrheit der Befragten ordnet die Partei weiterhin so ein, ähnlich wie bereits im Mai 2025. Die hohen Zustimmungswerte zur Einstufung als rechtsextrem unter Wählern von Grünen, SPD und Linken stehen in deutlichem Kontrast zur stark positiven Bewertung durch AfD-Anhänger, bei denen überwiegend keine rechtsextreme Partei gesehen wird.

Verschiebung der politischen Frontlinien

Brisant für das Parteiensystem ist die veränderte Sicht auf die sogenannte Brandmauer gegenüber der AfD. Erstmals spricht sich eine Mehrheit der Befragten dafür aus, eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich auszuschließen. Gleichzeitig wünschen vier von zehn weiterhin eine klare Abgrenzung. Die Daten zeigen eine zunehmende Spaltung entlang parteipolitischer Linien: Während Anhänger von SPD, Grünen und Linken mehrheitlich an der Brandmauer festhalten, gibt es unter CDU/CSU-Wählern keine Mehrheit mehr für ein striktes Kooperationsverbot, und AfD-Wähler lehnen die Brandmauer nahezu geschlossen ab.

Bedeutung für Parteien und Koalitionsoptionen

Für die Union bedeutet die Kombination aus schwacher eigener Zustimmung, einer starken AfD und einer sich lösenden Brandmauer ein strategisches Dilemma. Klassische Koalitionsoptionen mit SPD oder Grünen würden auf Basis dieser Zahlen rechnerisch schwieriger, während gesellschaftlicher Druck auf die Frage wächst, ob und in welcher Form eine Zusammenarbeit mit der AfD diskutiert werden soll. Zugleich bleibt die AfD in der öffentlichen Wahrnehmung stark umstritten. Die Spannungen zwischen demokratischer Mehrheitsmeinung zur Einstufung der Partei und der sich verschiebenden Haltung zur Zusammenarbeit könnten die Debatten über Regierungsbildungen und Koalitionsmodelle in den kommenden Monaten weiter verschärfen.

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