AfD, YouGov-Umfrage

YouGov-Sonntagsfrage: AfD bundesweit stärkste Kraft, Union auf historischem Tief

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Eine neue YouGov-Sonntagsfrage sieht die AfD bundesweit vor allen anderen Parteien, während CDU und CSU auf einen historischen Tiefstand fallen und die Debatte um eine mögliche Zusammenarbeit mit der AfD neue Fahrt aufnimmt.

 CDU und CSU fallen in der aktuellen YouGov Sonntagsfrage auf ein Tief. (Symbolbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa
CDU und CSU fallen in der aktuellen YouGov Sonntagsfrage auf ein Tief. (Symbolbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa

Eine aktuelle YouGov-Umfrage sieht die AfD bundesweit als stärkste Partei, während CDU und CSU in der Sonntagsfrage auf einen historischen Tiefstand fallen.

AfD legt zu, Union fällt zurück

Rund eine Woche nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommt die AfD in der neuen Erhebung auf 29 Prozent der Stimmen, ein Prozentpunkt mehr als im August. CDU und CSU erreichen laut YouGov nur noch 18 Prozent und verlieren damit zwei Punkte gegenüber dem Vormonat.

Die Grünen verbessern sich im Vergleich zu August um einen Punkt auf 16 Prozent. Auch die SPD legt einen Punkt zu und wird aktuell mit 13 Prozent ausgewiesen. Die Linke verliert hingegen zwei Punkte und liegt im September bei zehn Prozent. Die FDP bleibt stabil bei fünf Prozent, das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) steigt in der Umfrage auf vier Prozent.

Mehrheit sieht AfD weiterhin als rechtsextrem

Trotz der hohen Werte für die AfD bleibt die kritische Einschätzung vieler Befragter bestehen. Laut YouGov halten 59 Prozent die Partei weiterhin für rechtsextrem, während 30 Prozent diese Bewertung zurückweisen. Dieser Wert unterscheidet sich kaum von den Angaben aus Mai 2025 und deutet auf eine stabile Meinungsbildung in dieser Frage hin.

Haltung zur «Brandmauer» verschiebt sich

Deutlicher verändert hat sich der Umfrage zufolge die Sicht auf die sogenannte Brandmauer gegenüber der AfD. Inzwischen meinen 51 Prozent der Befragten, andere Parteien sollten eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich ausschließen. Im August lag dieser Anteil noch bei 44 Prozent.

Demgegenüber sprechen sich 40 Prozent für einen generellen Ausschluss einer Kooperation aus. Im Vormonat waren es noch 46 Prozent. Damit nimmt die Unterstützung für eine strikte Abgrenzung ab, während die Bereitschaft zu möglichen Öffnungen gegenüber der AfD zunimmt.

Neue Dynamik im Parteiensystem

Die aktuelle YouGov-Erhebung markiert eine weitere Verschiebung im bundesdeutschen Parteiensystem. Wenn eine Partei wie die AfD mit knapp 30 Prozent an der Spitze liegt und die Union nur noch im Bereich von unter 20 Prozent gesehen wird, deutet dies auf eine deutliche Abkehr vieler Befragter von den traditionellen Volksparteien hin. Auffällig ist zugleich, dass kleinere und neue Kräfte wie das Bündnis Sahra Wagenknecht erkennbar im zweistelligen Prozentbereich des Parteienspektrums eine Rolle spielen, auch wenn sie in der Umfrage noch im unteren Segment liegen. Für die etablierten Parteien entsteht damit zusätzlicher Konkurrenzdruck.

Widerspruch zwischen Stärke und Wahrnehmung

Bemerkenswert ist der Gegensatz zwischen der hohen Zustimmung für die AfD in der Sonntagsfrage und der gleichzeitigen Einstufung durch eine Mehrheit der Befragten als rechtsextrem. Dass fast sechs von zehn Menschen diese Einschätzung teilen, während die Partei zugleich stärkste Kraft ist, verweist auf eine tief gespaltene politische Stimmung. Ein Teil der Wählerschaft nimmt mögliche radikale Positionen offenbar in Kauf oder setzt andere Themen wie Unzufriedenheit mit Regierungspolitik und wirtschaftliche Sorgen höher. Für alle anderen Parteien stellt diese Konstellation die Frage, wie sie mit einer starken Kraft umgehen, die von einer Mehrheit kritisch gesehen wird, aber auf erhebliche Zustimmung stößt.

Brandmauer-Debatte und mögliche Folgen

Die veränderte Haltung zur sogenannten Brandmauer könnte den politischen Umgang miteinander nachhaltig verändern. Wenn mehr als die Hälfte der Befragten eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich ausschließen möchte, geraten bisherige Abgrenzungsbeschlüsse unter Druck. Auf Landesebene könnten Koalitionsdebatten komplexer werden, wenn rechnerische Mehrheiten ohne die AfD schwer zu bilden sind. Kommunen und Länder stehen damit vor der Frage, ob sie bisherige Ausschlusslinien beibehalten oder Öffnungen prüfen. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass künftige Regierungsbildungen – etwa nach Landtagswahlen – weniger vorhersehbar werden und neue Koalitionsmodelle diskutiert werden könnten, selbst wenn viele Parteien formell an ihren Abgrenzungsbeschlüssen festhalten.

Disclaimer...

de | politik | 70102953 |