Wolf Biermann, Angela Merkel

Wolf Biermann: Merkel fordert Einsatz für die Demokratie

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 01:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bei einer Berliner Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag der Ausbürgerung von Wolf Biermann fordert Angela Merkel mehr Engagement für die Demokratie. Biermann erinnert an die Bedeutung von Toleranz und daran, dass Freundschaft politische Unterschiede aushalten kann.

Biermanns Weg aus der DDR

  • Wolf Biermann durfte nach seinem Konzert in Köln am 13. November 1976 nicht in die DDR zurückkehren.
  • Die DDR erkannte dem Liedermacher die Staatsbürgerschaft ab und löste damit Proteste in der Kulturszene aus.
  • Biermann wird am 15. November 90 Jahre alt und saß bei der Berliner Veranstaltung neben Angela Merkel.
  • Biermann sagt über Merkel: «Wenn Leute über sie schimpfen, dann verteidige ich sie.» - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Die Altkanzlerin würdigte Biermann zum 50. Jahrestag seiner Ausbürgerung aus der DDR. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Merkels Appell: «Die Demokratie braucht uns Bürger.» - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Biermann sagt über Merkel: «Wenn Leute über sie schimpfen, dann verteidige ich sie.» - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Die Altkanzlerin würdigte Biermann zum 50. Jahrestag seiner Ausbürgerung aus der DDR. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Merkels Appell: «Die Demokratie braucht uns Bürger.» - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Merkel erinnert an Biermanns Ausbürgerung

Angela Merkel hat bei einer Veranstaltung zum 50. Jahrestag der Ausbürgerung Wolf Biermanns die Bedeutung demokratischen Engagements betont. Im Berliner Kino International würdigte die frühere Bundeskanzlerin den Liedermacher, der nach einem Konzert in Köln 1976 nicht in die DDR zurückkehren durfte.

Appell für die Demokratie

Merkel sagte, die Demokratie brauche Bürger, die sich aktiv zu Menschenwürde, Meinungsfreiheit und dem Schutz von Minderheiten bekennen. Deutschland sei zwar geeint, zugleich aber aufgeregt und zerrissen.

Die frühere Regierungschefin verband den Rückblick auf die DDR mit einem Aufruf zur Gegenwart. Bürger müssten laut und entschieden für den Staat und seine freiheitlichen Werte eintreten, sagte sie.

Persönliche Erinnerung an das Konzert

Merkel erzählte, sie habe Biermanns Kölner Konzert in einer späteren ARD-Ausstrahlung gesehen. Dafür sei sie von ihrem Studienort Leipzig nach Templin gefahren, weil sie im Studentenwohnheim kein Westprogramm habe empfangen können.

Biermann hatte als 16-Jähriger Hamburg verlassen und war in die DDR übergesiedelt. Wegen kritischer Lieder und Gedichte geriet er mit der SED in Konflikt und erhielt ein jahrelanges Auftrittsverbot.

Ausbürgerung löste Proteste aus

Nach dem Konzert in Köln am 13. November 1976 durfte Biermann nicht in die DDR zurückkehren; die Staatsbürgerschaft wurde ihm aberkannt. In der DDR folgten Protest- und Solidaritätsaktionen aus der Kulturszene.

Merkel bezeichnete Biermann als Ermutiger und würdigte seine Lieder als Anstoß zum Handeln. Biermann sagte bei der Veranstaltung, er verteidige Merkel, wenn Menschen über sie schimpften, und betonte die Möglichkeit von Freundschaft trotz unterschiedlicher Meinungen.

Biermann spricht von einem gemeinsamen Sieg

Der Liedermacher erinnerte außerdem an die Störung einer Premiere des Films „Spur der Steine“ durch die DDR-Staatssicherheit. Es sei bewegend, dass er und die Anwesenden länger durchgehalten hätten als die Verantwortlichen der damaligen Repression.

Biermann wird am 15. November 90 Jahre alt. Zum Abschluss dankte Merkel ihm und wünschte ihm, seine Stimme möge auch künftig zu hören sein.

Wolf Biermanns Ausbürgerung gehört zu den markantesten Konflikten zwischen der DDR-Führung und kritischen Künstlern. Nach seinem Konzert in Köln am 13. November 1976 durfte der Liedermacher nicht in die DDR zurückkehren; ihm wurde die Staatsbürgerschaft entzogen. Die Entscheidung löste Proteste unter Schriftstellern, Schauspielern und weiteren Kulturschaffenden aus.

Für Angela Merkel verbindet sich der Jahrestag mit einer persönlichen Erinnerung. Sie sah eine spätere ARD-Ausstrahlung des Kölner Konzerts, nachdem sie dafür von Leipzig nach Templin gefahren war. Der Vorgang steht damit zugleich für die damalige Bedeutung westlicher Medien und für die Grenzen, die das SED-Regime der öffentlichen Auseinandersetzung setzte.

Erinnerung als Auftrag

Merkels Appell richtet den Blick von der DDR-Geschichte auf die Gegenwart. Ihre Forderung, Bürger müssten für Demokratie, Menschenwürde, Meinungsfreiheit und Minderheitenschutz eintreten, beschreibt politische Teilhabe nicht als Aufgabe staatlicher Institutionen allein. Sie betrifft auch den Umgang mit abweichenden Meinungen und die Bereitschaft, demokratische Regeln im Alltag zu verteidigen.

Biermanns Auftritt im Berliner Kino International macht zudem sichtbar, wie Erinnerungskultur arbeitet: Ein historisches Ereignis wird nicht nur dokumentiert, sondern mit Erfahrungen der beteiligten Personen verbunden. Die Freundschaft zwischen Biermann und Merkel steht dabei für die Möglichkeit, politische Unterschiede auszuhalten, ohne den gemeinsamen Einsatz für Freiheit und offene Gesellschaft aufzugeben.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ntv: „Merkel: Biermanns Lieder sind auch heute Ermutigungen zum Handeln“ (06.11.2026)

Der Beitrag hebt Merkels Würdigung von Biermanns Liedern und deren Bedeutung für heutiges Engagement hervor. Damit bestätigt er den Schwerpunkt der Veranstaltung, legt den Akzent aber stärker auf die politische Aktualität des Appells.

Stern: „Geschichte: Merkel bei Abend zum 50. Jahrestag der Biermann-Ausbürgerung“ (05.11.2026)

Der Artikel ordnet die Berliner Veranstaltung als Gedenken an den 50. Jahrestag ein und stellt Merkel sowie Biermann als zentrale Beteiligte heraus. Im Unterschied zur Rede-Zusammenfassung steht dort der Veranstaltungstermin und der historische Anlass stärker im Vordergrund.

Beide Beiträge verbinden den Jahrestag mit Merkels Auftritt und Biermanns Bedeutung. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Gewichtung von Gegenwartsappell und historischem Veranstaltungsrahmen.

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