Wildberger fordert klare Regeln für Smart Glasses auf der IFA
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 17:03 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hält verbindliche Regeln für den Umgang mit Smart Glasses für notwendig. Am Rande der IFA in Berlin machte er gegenüber den Sendern RTL und ntv deutlich, dass möglicher Missbrauch der Technik auch in Deutschland ernst genommen werden müsse.
Bundesdigitalminister mahnt klare Grenzen an
Auslöser der Debatte sind Äußerungen der norwegischen Digitalministerin Karianne Tung, die sich zuvor für strengere Regeln für smarte Brillen ausgesprochen hatte, insbesondere wegen möglicher Eingriffe in die Privatsphäre. Wildberger knüpfte daran an und sagte, richtig sei, dass es „natürlich ein paar Regeln“ brauche, weil die Brille für bestimmte Zwecke nicht vorgesehen sei.
Der CDU-Politiker betonte, dass Smart Glasses nicht zu Handlungen genutzt werden dürften, die auch im normalen Leben verboten sind. Damit verwies er auf bestehende rechtliche Grenzen, etwa bei heimlichen Aufnahmen oder Eingriffen in Persönlichkeitsrechte.
Regulierung soll Innovation nicht ausbremsen
Zugleich warnte Wildberger davor, neue Vorgaben so zu gestalten, dass sie technische Möglichkeiten übermäßig einschränken. Wichtig sei, die Regulierung so zu bauen, dass sie den Nutzen der Technologie nicht „abwürgt“. Damit setzt der Bundesdigitalminister auf einen Kurs, der sowohl den Schutz der Privatsphäre als auch die Innovationsfähigkeit der Digitalwirtschaft im Blick behält.
Grundsätzlich sollen nach Wildbergers Vorstellung für Smart Glasses die gleichen Regeln gelten wie für andere Technologien. Was mit einer solchen Brille geschieht, dürfe rechtlich nicht anders bewertet werden als vergleichbare Handlungen ohne digitale Hilfsmittel. Die Diskussion um konkrete Vorgaben für smarte Brillen dürfte vor diesem Hintergrund weiter an Fahrt gewinnen.
Die Äußerungen von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger fallen in eine Phase, in der tragbare digitale Geräte wie Smart Glasses technisch rasant weiterentwickelt werden und zunehmend alltagstauglich werden. Hersteller integrieren Kameras, Mikrofone, KI-gestützte Übersetzungs- und Assistenzfunktionen direkt ins Sichtfeld der Nutzer, was neue Komfortgewinne verspricht, zugleich aber erhebliche Datenschutz- und Überwachungsrisiken mit sich bringt.
Rechtslage und Datenschutzfragen
In Deutschland und der EU greifen für Smart Glasses derzeit vor allem bestehende Regelwerke wie die Datenschutz-Grundverordnung, das Telemedien- und Telekommunikationsrecht sowie Straf- und Persönlichkeitsrecht. Sie regeln etwa, wann Bild- und Tonaufnahmen zulässig sind, wie personenbezogene Daten verarbeitet werden dürfen und welche Informationspflichten gegenüber Betroffenen bestehen. Smart Glasses stellen diese Normen jedoch vor neue praktische Herausforderungen, weil Aufnahmen unauffällig und dauerhaft möglich sind und Betroffene oft gar nicht erkennen können, dass sie gefilmt oder analysiert werden.
Wildbergers Hinweis, dass für Smart Glasses „die gleichen Regeln gelten wie für andere Technologien“, zielt darauf, den bestehenden Rechtsrahmen als Ausgangspunkt zu nehmen. Zugleich deutet seine Forderung nach „ein paar Regeln“ darauf hin, dass ergänzende, speziell auf tragbare KI-gestützte Systeme zugeschnittene Vorgaben nötig werden könnten – etwa zu Kennzeichnungspflichten, Speicherdauer oder dem Einsatz in sensiblen Bereichen wie Schulen, Behörden oder Krankenhäusern.
Internationale Debatte und Ausblick
Die Forderung der norwegischen Digitalministerin Karianne Tung nach strengeren Regeln unterstreicht, dass die Diskussion um Smart Glasses längst europäische Dimensionen hat. Wenn Staaten unterschiedliche Vorgaben machen, entstehen Risiken für einen digital fragmentierten Binnenmarkt. Vor diesem Hintergrund ist Wildbergers Betonung eines Ausgleichs zwischen Schutz der Privatsphäre und Innovationsfreiheit zentral: Zu starke Einschränkungen könnten die Entwicklung nützlicher Anwendungen im Gesundheitswesen, in der Industrie oder bei Assistenzsystemen ausbremsen, zu schwache Regulierung dagegen das Vertrauen der Bürger in neue Technologien untergraben.
Für Nutzer in Deutschland bedeutet die Debatte, dass sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz smarter Brillen voraussichtlich weiter konkretisieren werden. Unternehmen, Entwickler und öffentliche Einrichtungen müssen damit rechnen, dass künftig genauere Vorgaben zu Transparenz, Datenverarbeitung und Einsatzorten gelten, während der Staat zugleich versucht, die technologische Wettbewerbsfähigkeit und die Akzeptanz solcher Geräte zu sichern.
