Wien zieht die Zügel an: Schutzzone und Alkoholverbot am Westbahnhof
08.05.2026 - 12:54:11 | boerse-global.deDie U6-Station Gumpendorfer Straße und der Westbahnhof stehen im Fokus.
Polizei bekommt weitreichende Befugnisse
Rund um die Station Gumpendorfer Straße und den Fritz-Imhoff-Park gilt ab sofort eine polizeiliche Schutzzone. Die Beamten können Personen wegweisen, die eine Gefahr darstellen – etwa durch Drogenhandel oder aggressives Verhalten. Betretungsverbote sind für bis zu 30 Tage möglich.
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Die rechtliche Grundlage liefert Paragraph 36a des Sicherheitspolizeigesetzes. Das betroffene Areal erstreckt sich vom Sechshauser Gürtel bis in den 6. Bezirk. Besonders geschützt werden soll der Fritz-Imhoff-Park: Er grenzt direkt an die Suchthilfeeinrichtung „Jedmayer“ und gilt seit Langem als Problemzone.
„Diese rechtliche Grundlage ist notwendig, um Gewalttaten vorzubeugen“, erklärte Polizeipräsident Gerhard Pürstl im Vorfeld. Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung müsse nachhaltig gestärkt werden.
Alkoholverbot am Westbahnhof
Parallel zur Schutzzone wurde am Wiener Westbahnhof ein striktes Alkoholverbot verhängt. Es umfasst den Europaplatz, die Flächen rund um das Stationsgebäude der Wiener Linien sowie den Helga-Pollak-Kinsky-Park und den Christian-Broda-Platz.
Das Ziel: Die Belästigung von Passanten durch übermäßigen Alkoholkonsum unterbinden. Verstöße können mit Geldstrafen von bis zu 1.000 Euro geahndet werden. Ausgenommen bleibt lediglich der Konsum innerhalb der konzessionierten Gastronomiebetriebe.
Bauliche Veränderungen im Fritz-Imhoff-Park
Die Stadt setzt nicht nur auf Polizeipräsenz. Der Fritz-Imhoff-Park wurde bereits mit einer neuen Umzäunung versehen. Künftig ist eine nächtliche Sperrung möglich – um zu verhindern, dass die Grünanlage als Rückzugsort für die Drogenszene dient. Die Kosten dafür: rund 64.000 Euro.
Auch rund um die U6-Station installierte die MA 33 zusätzliche Leuchtkörper. Dunkle Ecken und Angsträume sollen so verschwinden. Ungenutzte Durchgänge wurden vergittert, Sitzbänke entfernt oder versetzt. Die Wiener Linien verstärken zudem ihre Sicherheitsdienste zu den Hauptverkehrszeiten.
Die soziale Komponente bleibt jedoch erhalten. Der Zugang zum „Jedmayer“ ist für Klienten weiterhin gewährleistet. Die mobile Sozialarbeit wurde intensiviert, um Suchtkranke direkt anzusprechen und an Hilfsangebote zu binden. Vermehrt werden auch Spritzen-Entsorgungsbehälter ausgegeben.
Opposition kritisiert Verzögerung
Die Maßnahmen sind das Ergebnis einer monatelangen politischen Debatte. Die Wiener ÖVP spricht von einem längst überfälligen Schritt. Gerhard Hammerer (ÖVP Mariahilf) und Felix Ofner (ÖVP Rudolfsheim-Fünfhaus) sehen ihre jahrelangen Forderungen bestätigt.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 72 Prozent aller Spritzenabgaben und 82 Prozent aller Spritzentauschkontakte in Wien entfallen laut ÖVP auf den Standort Gumpendorfer Straße.
Doch die Opposition kritisiert die zeitliche Verzögerung und das Fehlen einer stadtweiten Drogenstrategie. Das aktuelle Konzept basiere noch auf Strategien aus dem Jahr 1999. Die ÖVP fordert eine Anrainerversammlung und warnt vor einer bloßen Verlagerung der Szene in benachbarte Bezirke.
Bürgermeister Michael Ludwig verteidigt das Paket als Ergebnis partnerschaftlicher Kooperation. Die Strategie „Koordiniert. Konsequent. Gemeinsam.“ solle die Lebensqualität im öffentlichen Raum wahren, ohne den sozialen Zusammenhalt aufzugeben.
Analyse: Neue Eskalationsstufe in der Ordnungspolitik
Die Kombination aus Schutzzone, Alkoholverbot und massiven baulichen Eingriffen markiert eine neue Eskalationsstufe. An der Gumpendorfer Straße treffen eine hochfrequentierte Verkehrsader, eine wichtige Einkaufsstraße und eine zentrale soziale Einrichtung aufeinander.
Die Herausforderung: das Phänomen der Verdrängung kontrollieren. Erfahrungen vom Praterstern zeigen, dass sich die Szene oft in umliegende Parks oder Seitenstraßen verschiebt. An der Gumpendorfer Straße ist dieser Effekt bereits zu beobachten. Soziologen betonen, dass zwischen Drogenproblematik und Obdachlosigkeit unterschieden werden müsse.
Das Ziel der Stadt ist eine bessere Durchmischung der Nutzergruppen im öffentlichen Raum. Ob die Maßnahmen ausreichen, hängt von der Kontinuität der Polizeipräsenz und der Effektivität der Sozialarbeit ab.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es wirkt
Die Landespolizeidirektion wird die Auswirkungen der neuen Verordnungen evaluieren. Besonderes Augenmerk liegt auf den Fallzahlen der Suchtmittelkriminalität und dem Beschwerdeaufkommen der Anrainer.
Die Polizei hat angekündigt, die Schutzzone strikt zu überwachen. Die Suchthilfe Wien will ihre mobilen Teams weiter verstärken. Für die Bewohner und Geschäftsleute rund um die „Gumpi“ verbindet sich mit dem heutigen Tag die Hoffnung auf mehr Lebensqualität.
Die politische Debatte über den richtigen Umgang mit Suchtkrankheit im öffentlichen Raum wird Wien jedoch noch lange begleiten.
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