Berlin, Cyberangriff

Wegner räumt Abfluss sensibler Daten nach Berliner Cyberangriff ein

Veröffentlicht am: 05.09.2026 um 13:56 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Nach dem Cyberangriff auf das Berliner Landesnetz räumt der Regierende Bürgermeister Kai Wegner ein, dass entgegen früherer Einschätzungen offenbar auch sensible Daten betroffen sind. Zugleich bekräftigt er, dass das Land Berlin kein Lösegeld an die Hackergruppe Rhysida zahlen wird.

Wegner räumt Abfluss sensibler Daten bei Hackerangriff ein
Kai Wegner (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Nach dem Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung hat Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) eingeräumt, dass nach aktuellem Stand offenbar auch sensible Daten betroffen sind. Zuvor hatte der Senat erklärt, es gebe keine Hinweise auf den Abfluss sensibler Informationen.

Erkenntnisstand nach Cyberangriff geändert

Wegner sagte der „Bild“, der Erkenntnisstand sei heute ein anderer als in den ersten Stunden nach Bekanntwerden des Vorfalls. Berlin sei „Opfer einer schweren Straftat geworden“, so der CDU-Politiker. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Angriffs seien Bundesbehörden eingeschaltet worden.

„Wir haben unmittelbar die Sicherheitsorgane des Bundes mit eingeschaltet, BKA, BSI und viele mehr“, erklärte Wegner. Derzeit würden das Landeskriminalamt und die Sicherheitsbehörden des Bundes die veröffentlichten beziehungsweise entwendeten Daten auswerten.

Unklarheit über genaue Daten und Fokus auf Betroffene

Welche Informationen genau abgeflossen sind, konnte Wegner noch nicht sagen. Man befinde sich in der Prüfung, gemeinsam mit dem Landeskriminalamt und den Sicherheitsorganen des Bundes. Ziel sei es nun, mögliche Betroffene schnell zu identifizieren und zu informieren.

„Wir versuchen, die Betroffenen schnellstmöglich zu erreichen“, sagte der Regierungschef. Der Vorfall hat damit nicht nur eine technische, sondern auch eine unmittelbare persönliche Dimension für potenziell betroffene Bürger und Beschäftigte der Verwaltung.

Wegner lehnt Lösegeldzahlung strikt ab

Eine Zahlung des von den Tätern geforderten Lösegelds in Höhe von zwei Millionen Euro kam für Wegner nach eigenen Angaben nie infrage. „Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass ich einen Staat nicht erpressen lassen darf. Das geht gar nicht“, sagte er.

Niemand könne garantieren, dass die Daten nach einer Zahlung tatsächlich gelöscht worden wären. Wegner verwies darauf, dass unklar sei, ob die Daten nicht bereits anderweitig verbreitet wurden: „Wer sagt denn, wenn wir es gezahlt hätten, dass die Daten nicht längst schon woanders sind?“

Betroffene Senatsverwaltungen isoliert

Nach Angaben Wegners wurden die betroffenen Senatsverwaltungen unmittelbar nach Entdeckung des Angriffs vom Netz getrennt. „In dem Moment, als wir festgestellt haben, dass es um einen Hackerangriff geht, haben wir die zwei Senatsverwaltungen, die betroffen waren, isoliert“, erklärte er.

Nach derzeitigem Kenntnisstand hätten die Täter anschließend keine weiteren Daten herunterladen können. Zugleich machte Wegner deutlich, dass staatliche Netzwerke tagtäglich Ziel von Cyberangriffen seien – nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland. Die allermeisten Attacken würden abgewehrt, doch dieser Angriff sei „leider durch“.

Schadensausmaß noch offen

Wie hoch der entstandene Schaden ist und ob der Vorfall schwerwiegender als der Berliner Stromausfall vom Januar 2026 ist, wollte Wegner noch nicht beurteilen. Zunächst müsse geklärt werden, „welche Daten konkret abgeflossen sind, wer betroffen ist und welche Daten es sind“.

Nach der Veröffentlichung der Verwaltungsdaten im Darknet hat die Bundesregierung eine intensive Prüfung der eigenen Datensysteme durchgeführt. Ein Regierungssprecher sagte der „Bild“, die Bundesregierung verfolge die Informationen und Ermittlungen zum Datenabfluss genau.

Bund prüft eigene Systeme – Berlin bleibt im Fokus

Die zuständigen Sicherheitsbehörden von Bund und Land werten demnach die Informationen aus und gleichen sie kontinuierlich über das Nationale Cyberabwehrzentrum ab. Nach der Analyse potenzieller Sicherheitsrisiken würden Maßnahmen zur Wahrung der militärischen Sicherheit eingeleitet.

Datensysteme des Bundes sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht betroffen. Hintergrund ist der jüngste Cyberangriff auf das Berliner Landesnetz, bei dem die Hackergruppe „Rhysida“ rund 1,4 Millionen Dateien unverschlüsselt veröffentlichte, nachdem das Land Berlin Lösegeldzahlungen verweigert hatte.

Veröffentlichte Infrastrukturpläne erhöhen Druck

Da sich unter den Daten auch sensible Infrastrukturpläne befinden, koordinieren die Behörden nun die Abwehrmaßnahmen. Für die Berliner Verwaltung und die Sicherheitsbehörden bleibt die genaue Auswertung der Daten und die Information möglicher Betroffener eine zentrale Aufgabe der kommenden Tage.

Der erneute Erkenntnisstand zum Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung markiert eine entscheidende Verschärfung der Lage. Nachdem der Senat zunächst keinen Abfluss sensibler Informationen gesehen hatte, spricht der Regierende Bürgermeister Kai Wegner nun ausdrücklich von betroffenem sensiblen Datenmaterial. Damit rückt der Vorfall klar in die Kategorie eines sicherheitsrelevanten Angriffs auf staatliche Strukturen.

Behördliche Reaktion und Sicherheitsdimension

Bemerkenswert ist die frühzeitige Einbindung von Bundesbehörden wie BKA und BSI sowie die Koordinierung über das Nationale Cyberabwehrzentrum. Das zeigt, dass der Angriff nicht als rein lokaler IT-Zwischenfall behandelt wird, sondern als Teil der allgemeinen Bedrohungslage gegen staatliche Netze in Deutschland. Die Auswertung der veröffentlichten und entwendeten Daten dient nicht nur der Identifikation möglicher Betroffener, sondern auch der Frage, ob daraus Risiken für kritische Infrastrukturen und militärische Sicherheit entstehen.

Politische Verantwortung und Signalwirkung

Wegners klare Absage an die Zahlung des geforderten Lösegelds von zwei Millionen Euro setzt ein politisches Signal, dass staatliche Stellen sich nicht erpressbar zeigen sollen. Zugleich verweist er auf die Unsicherheit, ob eine Zahlung überhaupt zur Löschung der Daten geführt hätte. Für Bürgerinnen und Bürger bleibt entscheidend, dass Betroffene möglichst schnell informiert werden, um sich gegen mögliche Folgen wie Identitätsdiebstahl oder Betrugsversuche zu schützen. Der Vergleich mit dem Berliner Stromausfall im Januar 2026 zeigt, dass die Stadt mit mehreren schweren Störungen konfrontiert ist, deren jeweilige Tragweite erst im Rückblick voll bewertet werden kann. Die Veröffentlichung von rund 1,4 Millionen Dateien, darunter sensible Infrastrukturpläne, unterstreicht, dass Cyberangriffe längst unmittelbare Auswirkungen auf die Sicherheit des öffentlichen Lebens haben können.

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