Sahra Wagenknecht, Ulrich Siegmund

Wagenknecht: Kein Gespräch mit AfD-Spitzenkandidat Siegmund über Zusammenarbeit

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 09:12 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Sahra Wagenknecht hat nach eigenen Angaben bislang kein persönliches Gespräch mit dem AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, über eine mögliche Zusammenarbeit geführt. Zugleich kritisiert sie dessen Haltung zur Ministerpräsidentenfrage und wirbt für eine überparteiliche Lösung, die Anliegen von AfD- und BSW-Wählern aufgreift.

Wagenknecht: Bisher kein Gespräch mit AfD-Spitzenkandidat Siegmund
Sahra Wagenknecht (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat nach eigenen Angaben bislang nicht persönlich mit Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen. Sie betonte gegenüber den Sendern RTL und ntv: „Wir haben noch nicht miteinander gesprochen."

Keine Gespräche über Zusammenarbeit mit Siegmund

Wagenknecht machte deutlich, dass es bisher keinen direkten Austausch mit Siegmund zur Frage wechselnder Mehrheiten oder möglicher Kooperationen gibt. Auf die Frage, ob sie mit ihm über wechselnde Mehrheiten sprechen müsse, verwies sie zunächst auf die Rolle der Wähler und deren Entscheidungsgewicht.

Damit unterstreicht die BSW-Politikerin, dass Wahlergebnisse für sie die zentrale Grundlage für jede weitere Diskussion über Regierungsbildungen und parlamentarische Mehrheiten darstellen. Persönliche Gespräche mit Spitzenkandidaten anderer Parteien sind aus ihrer Sicht nachgeordnet gegenüber dem Votum der Bürgerinnen und Bürger.

Kritik an Siegmunds Haltung zur Ministerpräsidentenfrage

In dem Interview kritisierte Wagenknecht zugleich die Ankündigung von Ulrich Siegmund, nur bei einer absoluten Mehrheit selbst als Ministerpräsident anzutreten. Sie verwies darauf, dass Siegmund angekündigt habe, im Falle einer fehlenden absoluten Mehrheit das Amt des Ministerpräsidenten der CDU zu überlassen.

Diese Position bezeichnete Wagenknecht als „absolut falsch". Aus ihrer Sicht sollte die Frage der Regierungsführung nicht allein daran geknüpft werden, ob eine Partei die absolute Mehrheit erreicht, sondern an der Bereitschaft, auch mit anderen Kräften tragfähige Lösungen für Mehrheitsverhältnisse zu finden.

Forderung nach überparteilicher Persönlichkeit

Statt eines Ministerpräsidenten aus einer einzelnen Partei brachte Wagenknecht die Idee einer überparteilichen, breit akzeptierten Persönlichkeit ins Spiel. Eine solche Person solle für eine neue Politik stehen und die Anliegen verschiedener Wählergruppen ernst nehmen.

Sie betonte, dass diese Persönlichkeit insbesondere die Menschen berücksichtigen müsse, die derzeit AfD oder BSW wählen. Wagenknecht verwies darauf, dass es zwischen diesen Wählern teilweise ähnliche Anliegen gebe, etwa den Wunsch nach einer gesteuerten Migration und die Ablehnung einer als unkontrolliert wahrgenommenen Einwanderungspolitik.

Migrationspolitik als gemeinsames Anliegen von AfD- und BSW-Wählern

Mit ihren Aussagen zur Migrationspolitik hob Wagenknecht hervor, dass viele Bürgerinnen und Bürger eine stärkere Steuerung der Zuwanderung erwarten. Sie stellte fest, dass sowohl AfD-Wähler als auch Unterstützer des BSW eine gesteuerte Migration befürworten und eine unkontrollierte Entwicklung ablehnen.

Diese Positionierung deutet auf den Versuch hin, enttäuschte und protestierende Wählergruppen anzusprechen, ohne sich programmatisch oder organisatorisch mit der AfD zu verbinden. Zugleich signalisiert Wagenknecht den Anspruch, politische Mehrheiten jenseits klassischer Koalitionsmuster zu organisieren.

Bitte leite diesen Artikel an eine Freundin oder einen Freund weiter.

Die Äußerungen von Sahra Wagenknecht fallen in eine Phase, in der Koalitions- und Mehrheitsoptionen in mehreren ostdeutschen Bundesländern intensiv diskutiert werden. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) positioniert sich dabei ausdrücklich als Kraft zwischen etablierten Parteien und der AfD, ohne sich auf feste Koalitionszusagen festzulegen.

Hintergrund: Debatte um Regierungsbildungen

In ostdeutschen Ländern steht die Frage im Raum, wie Regierungen gebildet werden können, wenn weder klassische Parteienbündnisse noch eine Zusammenarbeit mit der AfD eine stabile Mehrheit erreichen. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Modell wechselnder Mehrheiten und die Idee einer parteiübergreifend akzeptierten Regierungschefin oder eines Regierungschefs an Bedeutung.

Wagenknechts Kritik an der Ankündigung Ulrich Siegmunds, nur bei einer absoluten Mehrheit selbst Ministerpräsident werden zu wollen, zielt auf die Bereitschaft zur Übernahme politischer Verantwortung auch in komplexen Mehrheitsverhältnissen. Zugleich grenzt sie sich von einer direkten Koalitionsaussage gegenüber der AfD ab, indem sie eine „überparteiliche Persönlichkeit" ins Spiel bringt, die Anliegen von AfD-Wählern und BSW-Wählern aufgreifen soll, ohne selbst einer dieser Parteien anzugehören.

Bedeutung für Migration und Protestwähler

Mit dem Hinweis auf gesteuerte statt unkontrollierte Migration greift Wagenknecht zentrale Motive vieler Protestwähler in Ostdeutschland auf. Ihr Verweis, dass Menschen, die AfD und BSW wählen, teilweise ähnliche Anliegen hätten, unterstreicht den Versuch, diese Wählergruppen programmatisch anzusprechen, ohne sich organisatorisch mit der AfD zu verbinden.

Für Leserinnen und Leser zeigt die Debatte, dass zukünftige Regierungsbildungen stärker von neuen parteipolitischen Konstellationen und überparteilichen Lösungsansätzen geprägt sein könnten. Ob Modelle mit überparteilichen Persönlichkeiten oder wechselnden Mehrheiten sich durchsetzen, hängt von konkreten Wahlergebnissen und der Bereitschaft der beteiligten Akteure ab, über klassische Koalitionslogiken hinauszugehen.

Ausblick: Offene Konstellationen

Die Diskussion um eine überparteiliche Persönlichkeit an der Spitze eines Landes signalisiert, dass sich das politische System auf neue Formen der Machtteilung einstellen muss. Für viele Bürgerinnen und Bürger bleibt entscheidend, ob solche Modelle tatsächlich zu einer Politik führen, die ihre Anliegen – etwa in der Migrations- und Sozialpolitik – merklich berücksichtigt.

Disclaimer...

de | politik | 70027591 |