BSW, Sahra Wagenknecht

Wagenknecht gesteht Fehler in Startphase des BSW ein

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 04:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat Fehler in der Anfangsphase ihrer Partei eingeräumt und insbesondere die strenge Mitgliederaufnahme sowie frühe Regierungsbeteiligungen kritisiert. Für künftige Koalitionen, etwa in Sachsen-Anhalt, kündigte sie einen vorsichtigeren Kurs an.

Wagenknecht räumt Fehler nach BSW-Gründung ein
Gründungsparteitag der Wagenknecht-Partei BSW (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat Fehler in der Anfangszeit des „Bündnisses Sahra Wagenknecht“ eingeräumt. In einem Interview sprach sie sowohl die strenge Mitgliederaufnahme als auch frühe Regierungsbeteiligungen als problematisch an.

Kritik an restriktiver Mitgliederaufnahme

Mit Blick auf die interne Entwicklung des BSW erklärte Wagenknecht, eine neue Partei mache zwangsläufig Fehler und dazu habe auch der Umgang mit neuen Mitgliedern gehört. Das Bündnis habe anfangs sehr restriktiv entschieden, wer aufgenommen wird, um sich vor Personen zu schützen, die lediglich auf Posten und Mandate aus seien. Ziel sei es gewesen, die typischen Probleme junger Parteien – innerparteiliche Konflikte, Machtkämpfe und opportunistische Karrieren – zu vermeiden.

Im Rückblick bezeichnete sie diese Hoffnung jedoch als Illusion. Man könne derartige Entwicklungen nicht vollständig verhindern, sagte Wagenknecht. Die Folge sei gewesen, dass zahlreichen Unterstützern, die das BSW ehrlich fördern wollten, lange der Zugang zur Partei verwehrt geblieben sei. Damit habe das Bündnis sich selbst geschadet, weil engagierte Mitglieder für den Aufbau vor Ort gefehlt hätten.

Selbstkritik an früher Regierungsbeteiligung

Als weiteren Fehler bewertete Wagenknecht, dass das BSW zu früh in Regierungen eingetreten ist. Eine so junge Partei solle ihrer Ansicht nach nicht in eine Regierung gehen, weil ihr die Erfahrung fehle und sie im politischen Wettbewerb von etablierten Akteuren übervorteilt werden könne. Das politische Umfeld beschrieb sie als „Haifischbecken“, in dem eine unerfahrene Kraft schnell untergehen könne.

Mit Blick auf künftige Konstellationen machte Wagenknecht deutlich, dass das BSW vorsichtiger agieren will. Sie verwies darauf, dass eine Regierungsbeteiligung nicht um jeden Preis angestrebt werden solle, sondern an klare inhaltliche Bedingungen und ausreichende organisatorische Stärke geknüpft sein müsse. Eine zu frühe Übernahme von Regierungsverantwortung könne sonst die eigene Handschrift verwässern.

Kein Ministeramt in Sachsen-Anhalt geplant

Für das Bundesland Sachsen-Anhalt zog Wagenknecht konkrete Konsequenzen. Sie erklärte, dass das BSW nach der Wahl dort keine eigenen Minister stellen werde, selbst wenn die Partei in den Landtag einzieht und rechnerisch an einer Regierungsbildung beteiligt sein könnte. Damit grenzt sie die Rolle des Bündnisses bewusst ein und setzt auf andere Formen politischer Einflussnahme.

Die Ankündigung sendet ein Signal an mögliche Partner wie auch an die eigene Anhängerschaft: Das BSW will zunächst Erfahrung sammeln und seine Strukturen festigen, bevor es erneut Regierungsverantwortung übernimmt. Zugleich bleibt die Partei damit flexibel, parlamentarisch an Entscheidungen mitzuwirken, ohne sich durch Ressortverantwortung dauerhaft zu binden.

Die Aussagen von Sahra Wagenknecht fallen in eine Phase, in der das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) nach ersten Regierungsbeteiligungen und innerparteilichen Konflikten um seinen Kurs ringt. Die Partei steckt noch in ihrem institutionellen Aufbau, verfügt aber bereits über Regierungsbeteiligungen auf Landesebene, was ungewöhnlich schnell ist für eine Neugründung. Vor diesem Hintergrund wiegt das Eingeständnis von Fehlern in der Startphase politisch besonders schwer.

Hintergrund: Rascher Aufstieg und frühe Regierungsbeteiligungen

Das BSW entstand aus Unzufriedenheit mit der etablierten Parteienlandschaft und hat in kurzer Zeit beachtliche Wahlergebnisse erzielt, unter anderem in ostdeutschen Bundesländern. Die Beteiligung an Regierungen auf Landesebene erfolgte damit zu einem Zeitpunkt, an dem Strukturen, Nachwuchs und Erfahrung noch im Aufbau waren. Wagenknechts Kritik an der zu frühen Regierungsbeteiligung verweist auf diese Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und organisatorischer Reife.

Ihre Warnung vor dem „Haifischbecken der Politik“ spielt auf die Macht- und Verhandlungserfahrung etablierter Parteien an, denen eine junge Formation strukturell unterlegen sein kann. Die Ankündigung, nach der Wahl in Sachsen-Anhalt keine eigenen Minister zu stellen, signalisiert eine strategische Neuorientierung: Das BSW will offenbar stärker auf programmatische Profilierung und kontrollierte Beteiligungsformen setzen, statt frühzeitig Regierungsverantwortung zu übernehmen.

Bedeutung für Mitgliederbasis und künftige Strategie

Die Einsicht, dass die restriktive Mitgliederaufnahme vielen „ehrlichen Unterstützern“ den Zugang verwehrt hat, deutet auf einen Kurswechsel hin. Für eine junge Partei kann eine breite, engagierte Basis entscheidend sein, um flächendeckend arbeitsfähige Strukturen aufzubauen, Kandidaturen zu besetzen und dauerhaft in Parlamenten präsent zu bleiben. Gleichzeitig bleibt der Spagat zwischen Offenheit und Schutz vor opportunistischen Karrieristen eine zentrale Herausforderung.

Für Leserinnen und Leser in Sachsen-Anhalt und anderen Ländern ist besonders relevant, dass das BSW seine Rolle in Regierungen neu definiert. Statt klassischer Koalitionsmodelle könnte die Partei auf wechselnde Mehrheiten, punktuelle Unterstützung oder projektbezogene Kooperationen setzen. Diese strategische Neuausrichtung beeinflusst, wie stabil Koalitionen künftig sein werden, wie berechenbar die Landespolitik bleibt und welche Rolle das BSW im Parteiensystem langfristig einnimmt.

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