Berlin-Wahl, Steffen Krach

Vorwürfe und schwache Umfragen: Berliner SPD-Spitzenkandidat Krach weist Ermittlungsdetails zurück

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 18:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Kurz vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus sieht sich SPD-Landeschef und Spitzenkandidat Steffen Krach mit neuen Details zu Ermittlungen aus seiner Zeit in Hannover konfrontiert, die er deutlich zurückweist. Zugleich zeigen aktuelle Umfragen die SPD klar abgeschlagen im Wettbewerb um die Regierungsmehrheit.

Der Berliner SPD-Spitzenkandidat muss mit schlechten Umfragewerten und Ermittlungen gegen ihn umgehen.  - Bild: Fabian Sommer/dpa
Der Berliner SPD-Spitzenkandidat muss mit schlechten Umfragewerten und Ermittlungen gegen ihn umgehen. - Bild: Fabian Sommer/dpa

Der Berliner SPD-Landeschef und Spitzenkandidat Steffen Krach weist neue Vorwürfe im Zusammenhang mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover entschieden zurück.

Neue Details zu Ermittlungen gegen Krach

Mitten in der heißen Phase des Wahlkampfs erklärte Krach am späten Donnerstagabend, die Staatsanwaltschaft Hannover werfe ihm vor, im Zuge eines Vergabeverfahrens zweimal eine Parteispende von einem Unternehmer gefordert zu haben. Zudem soll er in seiner Zeit als Präsident der Region Hannover in einem Verfahren zum Verkauf einer Immobilie unzulässig Geschäftsgeheimnisse weitergegeben haben.

Krach bestreitet alle Anschuldigungen

Der 47-Jährige bekräftigte, die Anschuldigungen träfen nicht zu. Er wies sie nachdrücklich zurück und zeigte sich sehr zuversichtlich, dass die Unbegründetheit der Vorwürfe das Ergebnis der Prüfung der Ermittlungsbehörden sein werde. Die Staatsanwaltschaft Hannover teilte mit, es gehe um den Anfangsverdacht der Vorteilsannahme in zwei Fällen sowie um einen Anfangsverdacht auf wettbewerbsbeschränkende Absprachen bei Ausschreibungen in Tateinheit mit der Verletzung von Geschäftsgeheimnissen und der Geheimhaltungspflicht. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Schwache Umfragen für die SPD

Parallel dazu zeigen zwei neue Umfragen, dass Krachs SPD bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September schlechte Chancen hat. In Erhebungen im Auftrag von ARD und ZDF liegt die Partei mit 10 bis 12 Prozent auf Platz fünf. An der Spitze steht die Linke mit 21 bis 23 Prozent vor CDU mit 20 bis 21 Prozent, AfD mit 17 bis 18 Prozent und Grünen mit 16 Prozent.

Hintergrund der Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt seit dem 3. September gegen Krach. Die Ermittlungen waren elf Tage vor der Wahl bekanntgeworden, als Ermittler seine Berliner Wohnung, Büroräume in Hannover und die Zentrale der Berliner Landes-SPD durchsuchten. Dabei wurden Datenträger und sein Handy beschlagnahmt, die nun ausgewertet werden. Erst am Donnerstagabend wurde öffentlich, welche rechtlichen Vorwürfe konkret erhoben werden.

Konkreter Fall rund um Klinikgelände

Krach selbst hatte bereits zuvor erklärt, nach seiner Einschätzung gehe es um ein Vergabeverfahren zur Nachnutzung eines Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover. Als Regionspräsident war er Chef des Aufsichtsrats der Klinik. In einem Bieterverfahren konkurrierten zwei Unternehmen um den Zuschlag. Einer der Bieter überwies nach seinen Angaben noch während des laufenden Verfahrens eine Spende von 9.900 Euro an die Berliner SPD, deren kommissarischer Vorsitzender er damals war.

Rolle der Spende und Vergabeentscheidung

Krach betont, er habe die Spende Anfang Januar 2026 sofort zurücküberweisen lassen. Brisant ist, dass er sich im Vergabeverfahren für den Zuschlag an den betreffenden Bieter einsetzte, weil dessen Angebot nach seiner Ansicht besser gewesen sei. Der Aufsichtsrat entschied am 19. Februar 2026 jedoch anders und vergab den Zuschlag an das zweite Unternehmen, bei der Abstimmung enthielt sich Krach. Der betroffene Unternehmer äußert sich bisher nicht.

Vorwurf der Spendenaufforderung

Im Raum steht der Verdacht, Krach beziehungsweise die Berliner SPD könnten den beteiligten Unternehmer zweimal zur Spende aufgefordert haben. Die Partei weist dies ebenso wie Krach zurück. Nach eigenen Angaben wirbt die SPD nur bei Berliner Mitgliedern um Spenden, etwa per Brief, E-Mail oder über soziale Medien, externe Unternehmen würden nicht direkt kontaktiert.

Spendenpraxis der Berliner SPD

Ein Sprecher der Berliner SPD erklärte, im Dezember 2025 sei ein Spendenanschreiben an die SPD-Mitglieder in der Hauptstadt verschickt worden. Der Unternehmer in Niedersachsen sei jedoch kein Mitglied der Berliner SPD. Ob dieser oder ähnliche Aufrufe an ihn weitergegeben worden seien, entziehe sich der Kenntnis von Krach und der Landespartei.

Bestreiten persönlicher Kontakte

Krach versicherte zudem, es habe während des Vergabeverfahrens keinen persönlichen Kontakt mit den Bietern gegeben. Ebenso wies er Behauptungen zurück, Informationen aus dem Bieterverfahren an Beteiligte weitergegeben zu haben.

Weitere Ermittlungen im Umfeld der Kliniknachnutzung

Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte darüber hinaus, dass gegen einen Unternehmer im Zusammenhang mit der Nachnutzung der Klinik ermittelt werde und im Mai Geschäftsräume durchsucht worden seien. Einen Zusammenhang zu den Ermittlungen gegen Krach stellte die Staatsanwaltschaft ausdrücklich nicht her und äußerte sich nicht zur Gesamtzahl der Beschuldigten in dem Komplex.

Belastete Spitzenkandidatur kurz vor der Berlin-Wahl

Die Vorwürfe gegen Steffen Krach treffen die Berliner SPD in einer entscheidenden Phase: In knapp einer Woche wird ein neues Abgeordnetenhaus gewählt, und der Landeschef soll die Partei als Spitzenkandidat aus einem historischen Umfragetief führen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover wegen Vorteilsannahme und möglicher Verstöße gegen Geheimhaltungspflichten richten den Fokus nun auf seine frühere Zeit als Regionspräsident in Niedersachsen, werfen aber ein unmittelbares Licht auf seine heutige Rolle in Berlin. Für die SPD geht es damit nicht nur um eine Personalfrage, sondern um Glaubwürdigkeit im Umgang mit politischen Ämtern und Parteispenden.

Spenden, Vergabeverfahren und politische Verantwortung

Im Zentrum stehen ein Vergabeverfahren zur Nachnutzung eines Klinikgeländes in Lehrte und eine Parteispende von 9.900 Euro an die Berliner SPD. Dass ein Bieter im laufenden Verfahren spendet und der zuständige Regionspräsident zugleich kommissarischer SPD-Landeschef in Berlin ist, berührt sensible Schnittstellen zwischen Amt und Partei. Krach betont, die Spende umgehend zurücküberwiesen zu haben und bestreitet sowohl die geforderte Zuwendung als auch die Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen. Zugleich weist die Staatsanwaltschaft getrennte Ermittlungen gegen einen beteiligten Unternehmer aus, ohne einen Zusammenhang mit dem Verfahren gegen Krach zu ziehen. Für Beobachter ist entscheidend, ob die Prüfungen am Ende nur den Anschein eines Interessenkonflikts bestätigen oder konkrete strafrechtliche Verstöße.

Schwache Umfragen und strategische Folgen für die SPD

Parallel zeigen aktuelle Umfragen im Vorfeld der Wahl, dass die SPD mit etwa 10 bis 12 Prozent nur auf Platz fünf liegt und deutlich hinter Linke, CDU, AfD und Grünen rangiert. Krach muss damit zugleich gegen den Trend und unter dem Eindruck laufender Ermittlungen Wahlkampf führen. Selbst bei einer Entlastung nach Abschluss der Ermittlungen bleibt die Frage, wie sehr der Vorgang das Vertrauen in ihn und seine Partei beschädigt. Für Berliner Wählerinnen und Wähler geht es vor allem um die Abwägung, ob sie der SPD trotz der Affäre erneut Verantwortung für Regierungspolitik übertragen oder ob sie Parteien stärken, die mit dem Hinweis auf Transparenz und Distanz zu möglichen Verflechtungen im öffentlichen Dienst um Stimmen werben.

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