Von der Leyen plant KIDS ACT: Keine Social-Media-Nutzung unter 13
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 10:41 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSEU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will sozialen Netzwerken für Kinder unter 13 Jahren einen Riegel vorschieben und die Nutzung für Jugendliche streng stufenweise regulieren. In ihrer jährlichen Rede zur Lage der Europäischen Union im Europaparlament in Straßburg kündigte sie dazu einen neuen Gesetzesvorschlag namens „KIDS ACT“ an.
Von der Leyens Appell an Europa
„Jetzt ist es an der Zeit, dass Europa handelt“, sagte von der Leyen vor den Abgeordneten in Straßburg. Die Kommission werde bereits am Donnerstag den Rechtstext zu Kindern vorlegen, der unter dem Namen „KIDS ACT“ firmiert. Ziel sei ein gradueller und ausdifferenzierter Ansatz, der unterschiedliche Altersstufen mit jeweils eigenen Schutzbedarfen berücksichtigt.
Klare Altersgrenzen und abgestufte Kontenmodelle
Konkret sieht der Plan vor, dass Kinder unter 13 Jahren keinerlei Zugang zu sozialen Netzwerken erhalten sollen. Zudem sollen Personen unter 15 Jahren kein eigenes Nutzerkonto anlegen dürfen. Für die Altersgruppe von 13 bis 15 Jahren sind nach den Vorstellungen der Kommission lediglich sogenannte „Mini-Konten“ vorgesehen, die von Eltern eingerichtet und beaufsichtigt werden, nur eingeschränkte Funktionen bieten und zeitlich begrenzt sein sollen.
Sicherheitsanforderungen für Jugendliche
Für Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren sollen die Plattformbetreiber einem sicheren Design verpflichtet werden. Damit sollen Angebote geschaffen werden, die Risiken für Minderjährige verringern und zugleich ihre Teilhabe ermöglichen. Von der Leyen stellte in ihrer Rede in Aussicht, dass jede Altersstufe ein eigenes, darauf abgestimmtes Schutzniveau erhalten soll. Der „KIDS ACT“ zielt damit auf ein umfassendes Regelwerk für den Umgang von Kindern und Jugendlichen mit sozialen Medien im europäischen Binnenmarkt.
Mit ihrer Forderung nach einem Verbot sozialer Netzwerke für Kinder unter 13 Jahren rückt Ursula von der Leyen den Schutz Minderjähriger im digitalen Raum ins Zentrum der europäischen Agenda. Der angekündigte „KIDS ACT“ fügt sich ein in eine längere Linie von EU-Regulierungen, die digitale Plattformen stärker in die Pflicht nehmen, etwa mit dem Digital Services Act und dem Digital Markets Act.
Hintergrund des Vorstoßes
Seit Jahren warnen Kinder- und Jugendärzte, Psychologen und Datenschutzexperten vor den Risiken früher Social-Media-Nutzung: Suchtverhalten, Cybermobbing, ungefilterte Gewalt- und Sexualinhalte sowie die dauerhafte Verwertung persönlicher Daten. Nationale Regeln, etwa Altersgrenzen in AGB einzelner Plattformen, werden bislang jedoch nur unzureichend kontrolliert. Die EU versucht mit neuen Gesetzen, verbindliche Mindeststandards zu schaffen, die für alle großen Anbieter im Binnenmarkt gelten.
Konsequenzen für Eltern, Plattformen und Schulen
Der von der Leyen skizzierte Stufenansatz – vollständige Verbote, streng begrenzte „Mini-Konten“ und Sicherheitspflichten für jugendliche Nutzer – würde bei Umsetzung den Alltag vieler Familien spürbar verändern. Eltern müssten stärker kontrollieren, welche Dienste ihre Kinder nutzen, während Plattformen technische Altersverifikationssysteme entwickeln und ihre Angebote altersgerecht umbauen müssten. Für Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen stellt sich die Frage, wie Medienkompetenz vermittelt werden kann, wenn bestimmte Dienste für Jüngere grundsätzlich gesperrt sind.
Ausblick auf die politische Debatte
Der Kommissionsvorschlag ist der Auftakt eines Gesetzgebungsverfahrens, in dem Europäisches Parlament und Mitgliedstaaten noch erheblichen Einfluss haben. Zwischen dem Ziel eines besseren Schutzes und der Warnung vor übermäßiger Einschränkung digitaler Teilhabe dürfte eine intensive Debatte entstehen. Für Nutzer und Unternehmen wäre entscheidend, wie genau Alterskontrollen, Ausnahmen und Durchsetzungspflichten ausgestaltet werden, damit der Schutz wirkt, ohne neue Risiken wie Datensammlung über Ausweisdokumente zu schaffen.
