Volkswagen verbucht 5,82 Milliarden Euro Quartalsverlust
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 16:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVolkswagens Belastungen im dritten Quartal
- Volkswagen verzeichnete von Juli bis September ein Ergebnis nach Steuern von minus 5,82 Milliarden Euro.
- Für die ersten neun Monate weist der Konzern ein Ergebnis nach Steuern von minus 2,72 Milliarden Euro aus.
- Die Porsche-Abschreibung beläuft sich auf rund 6,4 Milliarden Euro und ist nicht zahlungswirksam.
Volkswagen hat im dritten Quartal einen Verlust von rund 5,82 Milliarden Euro verbucht. Für die ersten neun Monate steht beim Wolfsburger Konzern ein Ergebnis nach Steuern von minus 2,72 Milliarden Euro.
Elektroautos bringen Absatz, aber weniger Ertrag
Volkswagen steuert weltweit auf rund acht Millionen Auslieferungen im laufenden Jahr zu. In Europa wächst das Elektrogeschäft: Bis Ende September war jedes fünfte ausgelieferte Auto ein reiner Stromer, rund 40 Prozent des Auftragsbestands entfielen auf E-Modelle.
Der finanzielle Effekt bleibt jedoch negativ. Nach Angaben von Finanzchef Arno Antlitz liegt die Nachfrage nach Elektroautos bereits auf dem Niveau, das Volkswagen erst für 2029 erwartet hatte. Zugleich bringt ein E-Auto derzeit weniger Gewinn als ein vergleichbarer Verbrenner.
China-Geschäft verliert stark an Gewicht
In China sanken die Verkäufe in den ersten neun Monaten um gut 30 Prozent auf 1,38 Millionen Fahrzeuge. In Spitzenzeiten hatte Volkswagen dort jährlich mehr als vier Millionen Autos verkauft.
Für 2026 rechnet der Konzern in China vor Abschreibungen nur noch mit einem Ergebnis um die Gewinnschwelle. Zudem korrigierte Volkswagen den Wert vollständig kontrollierter chinesischer Tochterfirmen um rund eine Milliarde Euro nach unten.
Porsche-Abschreibung belastet Ergebnis
Für das Gesamtjahr erwartet Volkswagen Sonderkosten von rund zehn Milliarden Euro, davon waren 8,7 Milliarden bereits verbucht. Der größte Einzelposten ist eine rund 6,4 Milliarden Euro schwere Abschreibung auf den Firmenwert von Porsche.
Die Wertberichtigung ist nicht zahlungswirksam, drückt aber den Gewinn. Niedrigere Erwartungen an die Entwicklung der Sport- und Geländewagenmarke gelten als Hintergrund; zuvor hatten China-Geschäft, US-Zölle und Korrekturen der Elektrostrategie Porsche belastet.
Umbau und weitere Kosten
Auch der geplante Verkauf des Werks Osnabrück an den Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen belastet das dritte Quartal. Beide wollen den Standort auf Rüstung ausrichten; Volkswagen nannte dafür keine genaue Summe.
Ohne Sondereffekte hätte Volkswagen in den ersten neun Monaten einen Gewinn von 8,8 Milliarden Euro im Tagesgeschäft erzielt. Der Umsatz lag bei 233,4 Milliarden Euro und damit 2,2 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Verlustjahr wird wahrscheinlicher
Weitere Sonderkosten könnten im vierten Quartal hinzukommen, unter anderem für zusätzliche Vorruhestandsregelungen. Auch eine Einigung mit den Arbeitnehmern über weitere Sparpläne könnte Abfindungen auslösen.
Das Management rechnet im Tagesgeschäft höchstens mit einem kleinen Gewinn. Ob Volkswagen das Gesamtjahr tatsächlich mit einem Verlust abschließt, ist damit noch offen.
Volkswagens Quartalsverlust ist das Ergebnis mehrerer Belastungen, die sich gegenseitig verstärken. Die Abschreibung auf Porsche wirkt unmittelbar auf das ausgewiesene Ergebnis, obwohl sie nicht zahlungswirksam ist. Daneben treffen schwächere Verkäufe in China und der Umbau des Konzerns das operative Geschäft.
Besonders grundlegend ist der Zielkonflikt im Elektrogeschäft. Volkswagen gewinnt in Europa bei den Auslieferungen und im Auftragsbestand von Elektroautos, erzielt damit aber bislang geringere Margen als mit vergleichbaren Verbrennermodellen. Ein höherer Stromeranteil kann deshalb den Absatz stützen und zugleich den durchschnittlichen Ertrag drücken.
China bleibt zentrale Belastung
China war über Jahre ein wichtiger Gewinnbringer für Volkswagen. Der Rückgang auf dem dortigen Markt trifft den Konzern daher nicht nur über geringere Stückzahlen, sondern auch über die Bewertung lokaler Gesellschaften. Zugleich verschärft der Wettbewerb chinesischer Hersteller den Preisdruck, insbesondere bei Elektroautos.
Für die Beschäftigten und Standorte gewinnt damit der angekündigte Sparkurs an Bedeutung. Volkswagen muss Kosten senken, während zugleich Investitionen in neue Modelle und Technologien erforderlich bleiben. Ob der Konzern das Jahr tatsächlich mit einem Verlust abschließt, hängt neben dem operativen Geschäft auch von weiteren Sonderkosten und der Entwicklung im vierten Quartal ab. Für Kunden können die Folgen in Form einer stärker auf kleinere Elektroautos ausgerichteten Modellpalette sichtbar werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
NDR: „5,8 Milliarden Euro Verlust - Volkswagen fährt im dritten Quartal großes Minus ein“ (29.10.2026)
Der NDR stelle die Porsche-Krise als Hauptgrund heraus und ordne den Verlust in den geplanten Sparkurs ein. Zusätzlich beleuchte der Beitrag die Folgen für Werke und Beschäftigte sowie den Gegensatz zwischen sinkenden Margen und der Nachfrage nach kleineren Elektroautos.
taz: „5,82 Milliarden Euro Verlust für VW – Das sind die Gründe“ (29.10.2026)
Die taz bestätige die Belastungen durch Porsche-Abschreibung, China-Geschäft und margenschwächere Elektroautos. Einen anderen Schwerpunkt setze der Beitrag auf rückläufige Auslieferungen, die gesenkte Gewinnprognose und den Druck auf die operative Rendite.
Beide Beiträge stimmten beim Milliardenverlust und den zentralen Belastungsfaktoren überein. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während der NDR stärker die Beschäftigten und den Sparkurs betone, stelle die taz die Absatz- und Margenentwicklung sowie die Prognose in den Mittelpunkt.
