Volkswagen, Porsche-Abschreibung

Volkswagen meldet 5,82 Milliarden Euro Verlust im Quartal

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 09:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine Wertberichtigung von 6,4 Milliarden Euro auf Porsche verschärft die Krise beim Wolfsburger Konzern. Gleichzeitig sinken Absatz und Umsatz, während Volkswagen einen umfangreichen Umbau finanzieren muss.

Volkswagens Absatz und Beschäftigung

  • Volkswagen verbuchte in den ersten neun Monaten ein Konzernergebnis von minus 2,72 Milliarden Euro.
  • Im dritten Quartal setzte der Konzern in China knapp 406.000 Fahrzeuge ab, 38,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
  • Bis Ende 2025 soll der Konzern rund 50.000 weitere Stellen abbauen; bei der Kernmarke beginnen im November Gespräche mit Arbeitnehmern.
  • VW hat im dritten Quartal tiefrote Zahlen geschrieben. - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • VW-Finanzchef Antlitz: «Wir dürfen keine Zeit verlieren». (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • Bei Europas größtem Autohersteller läuft es schlechter als erwartet. - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
VW hat im dritten Quartal tiefrote Zahlen geschrieben. - Bild: Julian Stratenschulte/dpa VW-Finanzchef Antlitz: «Wir dürfen keine Zeit verlieren». (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa  Bei Europas größtem Autohersteller läuft es schlechter als erwartet. - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Volkswagen rutscht im dritten Quartal tief ins Minus

Volkswagen hat im dritten Quartal einen Verlust von 5,82 Milliarden Euro verbucht. Eine Porsche-Abschreibung, das schwache China-Geschäft und Kosten für den Konzernumbau belasteten Europas größten Autohersteller.

Sondereffekte drücken Ergebnis

Das Konzernergebnis nach Steuern lag von Juli bis September bei minus 5,82 Milliarden Euro, nach einem Fehlbetrag von gut 1,07 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Sondereffekte von 7,8 Milliarden Euro waren der wesentliche Grund für das Minus.

Der Umsatz sank um 6,3 Prozent auf rund 75,28 Milliarden Euro. Zusätzlich belasteten Preis- und Wettbewerbsdruck, US-Zölle sowie der höhere Anteil margenschwächerer Elektroautos an den Verkäufen.

Porsche-Abschreibung belastet Volkswagen

Auf den Firmenwert von Porsche schrieb Volkswagen rund 6,4 Milliarden Euro ab. Die Wertberichtigung ist nicht zahlungswirksam, belastet aber den operativen Gewinn und beruht auf niedrigeren Erwartungen an die künftige Entwicklung der Stuttgarter Tochter.

Porsche leidet seit Längerem unter dem Einbruch des China-Geschäfts, der US-Zollpolitik und Korrekturen bei der Elektro-Strategie. Bereits im Vorjahresquartal hatte die Tochter maßgeblich zum Verlust beigetragen.

Weitere Kosten für den Konzernumbau

Eine weitere Wertberichtigung von rund einer Milliarde Euro betrifft China-Gesellschaften. Belastend wirkt zudem der angestrebte Verkauf des Werks Osnabrück an den Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen, die den Standort auf Rüstung ausrichten wollen.

Für das laufende Jahr erwartet Volkswagen Sonderkosten von rund zehn Milliarden Euro; 8,7 Milliarden Euro sind bereits verbucht. In den ersten neun Monaten lag das Konzernergebnis bei minus 2,72 Milliarden Euro, nach einem Überschuss von gut 3,4 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Umbau soll Milliarden sparen

Finanzchef Arno Antlitz erklärte, Volkswagen müsse schnell und entschlossen handeln. Der Zukunftsplan 2030 sieht eine gestraffte Modellpalette, einfachere Strukturen und bessere Kosten vor.

Der Vorstand plant Einsparungen von 31 Milliarden Euro und will die Produktionskapazität weiter senken. Rechnerisch stehen damit weitere 50.000 Stellen im Gesamtkonzern auf der Kippe; bis Ende des Jahrzehnts ist der Wegfall von 50.000 Arbeitsplätzen bereits vereinbart.

China-Absatz fällt deutlich

Von Juli bis September lieferte Volkswagen 1,89 Millionen Fahrzeuge aus, 14,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In China sank der Absatz um 38,5 Prozent auf knapp 406.000 Fahrzeuge.

Bis Ende September verkauften die Konzernmarken gut sechs Millionen Fahrzeuge, rund 600.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. In Europa war jedes fünfte verkaufte Auto ein reines Elektrofahrzeug; für die elektrische Kleinwagenfamilie um den ID. Polo lagen zuletzt 150.000 Bestellungen vor.

Gewinnprognose bereits gesenkt

Volkswagen hatte seine Gewinnprognose für das laufende Jahr Mitte September gekappt. Vom Umsatz soll höchstens ein Prozent als operativer Gewinn übrig bleiben; zuvor hatte der Konzern 4,0 bis 5,5 Prozent erwartet.

Der Umsatz soll 2026 rund 315 Milliarden Euro erreichen. 2025 lag die operative Rendite bei 2,8 Prozent, der Umsatz bei 321,9 Milliarden Euro.

Volkswagen steht vor einer mehrfachen Belastungsprobe: Der Konzern muss gleichzeitig mit schwacher Nachfrage in China, intensiver Konkurrenz durch chinesische Hersteller, hohen Umbaukosten und dem teuren Übergang zur Elektromobilität umgehen. Der Quartalsverlust wird zwar vor allem durch nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen geprägt, er fällt jedoch mit einer operativ schwierigen Entwicklung zusammen.

Besonders deutlich zeigt sich der Strukturwandel bei Porsche. Die Abschreibung von rund 6,4 Milliarden Euro signalisiert, dass die Erwartungen an die künftige Ertragskraft der Tochter gesunken sind. Für Volkswagen verschärft das die Abhängigkeit von einem Konzernumbau, der zugleich hohe kurzfristige Kosten verursacht und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit verbessern soll.

China und Elektroautos als zentrale Baustellen

Der Absatzrückgang in China trifft Volkswagen an einem Schlüsselmarkt. Dort verlieren etablierte westliche Marken Marktanteile, während lokale Anbieter bei Elektroautos mit preisaggressiven Modellen und kurzen Entwicklungszyklen Druck ausüben. In Europa steigen die Bestellungen für batterieelektrische Modelle zwar, doch die geringeren Margen belasten zunächst die Profitabilität.

Für Beschäftigte und Zulieferer ist die angekündigte Senkung der Produktionskapazität besonders relevant. Bereits vereinbarte Stellenstreichungen und mögliche weitere Einschnitte erhöhen den Anpassungsdruck an deutschen Standorten. Die Gespräche mit Arbeitnehmern werden deshalb nicht nur über Kosten, sondern auch über die künftige Verteilung von Produktion und Modellen entscheiden.

Umbau mit hohem Zeitdruck

Der Zukunftsplan 2030 verbindet Einsparungen, eine kleinere Modellpalette und vereinfachte Strukturen. Die laufende Prognose zeigt zugleich, dass Volkswagen nur wenig Spielraum für Verzögerungen hat: Sinkende Auslieferungen und zusätzliche Sonderkosten können die Ertragslage weiter belasten, während Investitionen in neue Elektrofahrzeuge und Märkte notwendig bleiben.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „Volkswagen rutscht wegen China-Konkurrenz mit 5,8-Milliarden-Euro-Verlust ins Minus“ (29.10.2026)

Der Beitrag habe den Quartalsverlust und den Umsatzrückgang bestätigt und den Schwerpunkt auf den wachsenden Wettbewerbsdruck aus China gelegt. Zusätzlich habe er die teure Umstellung auf Elektrofahrzeuge in Europa und die steigenden Zollkosten als Belastungen eingeordnet.

Stern: „Volkswagen macht im dritten Quartal 5,8 Milliarden Euro Verlust“ (29.10.2026)

Der Artikel habe neben den Sondereffekten die Porsche-Abschreibung, den Absatzrückgang in China und die gesenkte Gewinnprognose hervorgehoben. Anders als Euronews habe er stärker die Entwicklung der Tochter und die konkreten Konzernkennzahlen in den Mittelpunkt gestellt.

Beide Beiträge hätten die tiefrote Quartalsbilanz und den strukturellen Druck auf Volkswagen bestätigt. Unterschiede bestünden vor allem beim Schwerpunkt zwischen China, Elektromobilität und der Porsche-Belastung.

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