Volkswagen, Tarifverträge

Volkswagen kündigt zehn Tarifverträge – Manteltarifvertrag betroffen

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 18:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Volkswagen kündigt zehn Tarifverträge zum Jahresende 2026, darunter den Manteltarifvertrag. Damit verschärft sich der Konflikt über den Sparkurs – erste Änderungen für Beschäftigte könnten ab Januar 2027 folgen.

  • VW hat eine Reihe von Tarifverträgen gekündigt. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
    VW hat eine Reihe von Tarifverträgen gekündigt. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
  • Meiswinkel: «Volkswagen hält sich an Verträge». - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
    Meiswinkel: «Volkswagen hält sich an Verträge». - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • IG-Metall-Bezirksleiter Gröger und VW-Betriebsratschefin Cavallo zeigten sich nach dem Gespräch «enttäuscht und wütend». - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
    IG-Metall-Bezirksleiter Gröger und VW-Betriebsratschefin Cavallo zeigten sich nach dem Gespräch «enttäuscht und wütend». - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • VW hat zehn Tarifverträge zum Jahresende gekündigt. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
    VW hat zehn Tarifverträge zum Jahresende gekündigt. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
VW hat eine Reihe von Tarifverträgen gekündigt. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa Meiswinkel: «Volkswagen hält sich an Verträge». - Bild: Julian Stratenschulte/dpa IG-Metall-Bezirksleiter Gröger und VW-Betriebsratschefin Cavallo zeigten sich nach dem Gespräch «enttäuscht und wütend». - Bild: Julian Stratenschulte/dpa VW hat zehn Tarifverträge zum Jahresende gekündigt. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa

Volkswagen hat im Streit über weitere Einsparungen zehn Tarifverträge zum 31. Dezember 2026 gekündigt, darunter den Manteltarifvertrag.

VW will Verhandlungsraum schaffen

Das Unternehmen begründet den Schritt mit dem verschärften Kostendruck und will verschiedene Regelungen anpassen. Nach einem Gespräch mit IG Metall und Betriebsrat in Hannover erklärte VW, die Kündigung solle einen Verhandlungsraum für die künftige Ausgestaltung der Verträge öffnen.

Der Personalvorstand der Marke Volkswagen, Arne Meiswinkel, verwies auf strukturelle Veränderungen in der Autoindustrie. Chinesische Hersteller drängten mit günstigen Exporten nach Europa und erhöhten den Preis- und Wettbewerbsdruck.

Manteltarifvertrag regelt zentrale Arbeitsbedingungen

Der VW-Haustarif besteht im Kern aus rund einem Dutzend Verträgen. Der Manteltarifvertrag enthält grundlegende Regelungen für mehr als 100.000 Beschäftigte in Deutschland, darunter Arbeitszeit und Urlaubstage.

Weitere gekündigte Verträge betreffen nach Angaben der IG Metall unter anderem Eingruppierungen, Zulagen, Zusatzvergütungen und die Ausbildung. Nicht betroffen ist der Zukunftstarifvertrag von 2024 mit der darin vereinbarten Beschäftigungssicherung bis Ende 2030.

Gewerkschaft kündigt Widerstand an

IG Metall und Betriebsrat kündigten eine heftige Auseinandersetzung an. Der niedersächsische IG-Metall-Chef Thorsten Gröger sprach von einem „üblen Foul an der Belegschaft“, Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnete mit einem harten Konflikt.

Im Tarifabschluss von 2024 hatten die Beschäftigten bereits Einschnitte akzeptiert. Vereinbart wurden unter anderem der Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland bis 2030, Kürzungen bei Boni und Zulagen sowie der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen.

Weitere Gespräche im Oktober

Die Arbeitnehmerseite hatte das Überprüfungsgespräch verlangt, weil sie Investitionszusagen und neue Sparpläne als widersprüchlich betrachtet. VW meldete erhebliche Zweifel an, die 2024 vereinbarten Investitionen in neue Modelle und Werke wie zugesagt umsetzen zu können.

Ein weiteres Gespräch ist für die zweite Oktoberhälfte geplant. Weltweit will der Vorstand zusätzlich zu bisherigen Plänen 50.000 Stellen abbauen; etwa die Hälfte könnte auf deutsche Standorte entfallen. Die Zukunft der Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus ist offen.

Tarifkündigung öffnet neue Verhandlungsrunde

Mit der Kündigung zum 31. Dezember 2026 endet die unmittelbare Bindung der betroffenen Verträge nicht sofort. Sie schafft zunächst den rechtlichen Raum für neue Verhandlungen. Für die Beschäftigten können sich Änderungen bei Entgeltbestandteilen, Arbeitszeit, Zulagen, Eingruppierungen und Ausbildungsregelungen ab Januar 2027 ergeben, falls kein Anschlussvertrag zustande kommt.

Der Schritt steht im Zusammenhang mit einem bereits vereinbarten, weitreichenden Umbau. Der Zukunftstarifvertrag von 2024 sieht den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland bis 2030 vor, enthält aber zugleich eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030. Diese Sicherung bleibt nach den vorliegenden Angaben von der aktuellen Kündigung unberührt. Damit prallen zwei Ebenen aufeinander: Der Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bleibt bestehen, während tarifliche Leistungen und Arbeitsbedingungen neu verhandelt werden können.

Wettbewerbsdruck trifft industrielle Standorte

VW begründet den Kurs mit strukturellem Kostendruck, schwacher Wettbewerbsfähigkeit und dem zunehmenden Einfluss chinesischer Anbieter auf dem europäischen Markt. Zusätzlich plant der Konzern weltweit weitere Einsparungen und den Abbau von 50.000 Stellen, möglicherweise zur Hälfte an deutschen Standorten. Für Regionen mit VW-Werken geht es deshalb nicht nur um Einkommen, sondern auch um Auslastung, Folgeaufträge und die langfristige Perspektive der Standorte.

Die nächsten Gespräche im Oktober dürften klären, welche Regelungen das Management konkret verändern will. Für die Belegschaft erhöht die Kündigung den Druck, obwohl die zentrale Beschäftigungsgarantie formal bestehen bleibt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

NDR: „VW kündigt fast alle Tarifverträge - das ist der Grund“ (30.09.2026)

Der Bericht bestätige die Kündigung von zehn Tarifverträgen und stelle die geplante Neuverhandlung der tariflichen Arbeitsbedingungen in den Mittelpunkt. Er hebe ergänzend einzelne mögliche Einschnitte bei Zulagen, Ausbildungsübernahmen sowie Schutzregelungen hervor und verweise auf den Fortbestand der Beschäftigungssicherung bis 2030. Zugleich ordne der Artikel den Schritt in den bisherigen Stellenabbau und die zusätzlichen Konzernpläne ein.

tagesschau: „Volkswagen kündigt fast alle Tarifverträge“ (30.09.2026)

Die Meldung bestätige den Kostendruck als Begründung und nenne nach Angaben der IG Metall zehn betroffene Verträge einschließlich des Manteltarifvertrags. Anders als der ausführlichere Regionalbericht beschränke sie sich auf die Kerninformation; offene Details zu den geplanten Änderungen blieben dort ausdrücklich weiteren Informationen vorbehalten.

Beide Berichte stimmten beim Vorgang und beim Umfang der Kündigungen überein. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Detailgrad: Während der NDR mögliche tarifliche Folgen und den weiteren Stellenabbau beschreibe, konzentriere sich die tagesschau auf die Eilmeldung.

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