Volkswagen kündigt zehn Tarifverträge – Folgen ab 2027 möglich
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 15:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVolkswagen hat zehn Tarifverträge gekündigt und damit den Konflikt über den künftigen Sparkurs mit IG Metall und Betriebsrat verschärft.
Verhandlungen über Arbeitsbedingungen
Nach einem Gespräch mit Arbeitnehmervertretern in Hannover teilte das Unternehmen mit, verschiedene Regelungen müssten angesichts des Kostendrucks angepasst werden. Nach Angaben der IG Metall handelt es sich um zehn Verträge; Volkswagen nannte keine genaue Zahl.
Betroffen ist auch der Manteltarifvertrag. Er bündelt grundlegende Regelungen für die mehr als 100.000 Beschäftigten in Deutschland. Der VW-Haustarif besteht insgesamt aus 13 Einzelverträgen und regelt unter anderem Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und Zulagen.
Kündigung zum Jahresende 2026
Die Verträge sind fristgerecht zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Damit will Volkswagen Raum für neue Verhandlungen schaffen. Erste Folgen könnten Beschäftigte nach Angaben der Arbeitnehmerseite ab Januar 2027 spüren.
Nicht betroffen ist der Zukunftstarifvertrag von 2024. Die darin vereinbarte Beschäftigungssicherung gilt bis Ende 2030. IG Metall und Betriebsrat kündigten dennoch Widerstand an. IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger bezeichnete das Vorgehen als „übles Foul an der Belegschaft“; Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnete mit einer „heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel“.
Arbeitnehmer fordern Klarheit
Das Treffen am Mittwoch war ein sogenanntes Überprüfungsgespräch. IG Metall und Betriebsrat wollten klären, ob Volkswagen die Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag einhält. Dazu gehören neben der Beschäftigungssicherung auch Investitionen und neue Produkte für deutsche Standorte.
Der Tarifabschluss war Ende 2024 nach Warnstreiks und einem einwöchigen Verhandlungsmarathon zustande gekommen. Er sieht den Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 vor. Zudem wurden Boni und Zulagen gekürzt und Lohnerhöhungen ausgesetzt.
Weitere Einsparungen geplant
Volkswagen verzichtet im Gegenzug auf betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen und sagte Investitionen sowie neue Produkte für die deutschen Standorte zu. Das Management um Konzernchef Oliver Blume hat nach einem Aufsichtsratsbeschluss Anfang September den Auftrag, den Konzern umzubauen und Milliarden einzusparen.
Weltweit sollen in den kommenden Jahren rund 50.000 Stellen wegfallen, zusätzlich zu früheren Abbauplänen. Etwa die Hälfte könnte auf deutsche Standorte entfallen. Die Zukunft der Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus ist offen.
Tarifverträge als zentraler Hebel
Die Kündigung von zehn Verträgen verändert zunächst den Verhandlungsrahmen, nicht automatisch die Beschäftigungssicherung. Der Zukunftstarifvertrag von 2024 bleibt nach den Angaben von Volkswagen und IG Metall unberührt; dort ist der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 festgeschrieben. Für die mehr als 100.000 Beschäftigten in Deutschland sind jedoch Arbeitszeit, Zulagen und weitere Arbeitsbedingungen unmittelbar tariflich geregelt.
Umbau der Autoindustrie
Volkswagen steht unter erheblichem Anpassungsdruck. Chinesische Hersteller drängen mit preisgünstigen Fahrzeugen nach Europa, während der Wechsel zur Elektromobilität hohe Investitionen und neue Produktionsstrukturen verlangt. Der Konzern verbindet die Kündigungen deshalb mit dem Zukunftsplan 2030 und dem Ziel, die Profitabilität deutlich zu erhöhen.
Was für Beschäftigte folgt
Entscheidend werden die Verhandlungen über neue Regelungen und die Auslegung der bisherigen Zusagen. Der bereits vereinbarte Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 setzt den Rahmen für den Umbau; zusätzliche weltweite Stellenstreichungen verschärfen den Konflikt. Für die Beschäftigten könnten ab Januar 2027 Änderungen bei tariflichen Leistungen spürbar werden. Besonders sensibel bleibt die Zukunft einzelner Werke, deren Perspektive über die frühen 2030er-Jahre hinaus offen ist.
