Verbrenner-Aus: Schneider fordert 75 Prozent weniger CO2 bei Stahl
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 14:37 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSSchneiders Stahlvorschlag für die Bahn
- Bundesumweltminister Carsten Schneider sprach am Freitag in Berlin über klimafreundlichen Stahl beim Schienenbau.
- Recycelter und klimafreundlich produzierter Stahl verursacht laut Schneider rund 75 Prozent weniger CO2.
- Der Staat soll damit einen Markt für grünen Stahl schaffen und deutsche Stahlwerke auslasten.
Schneider setzt beim CO2-Ausgleich auf grünen Stahl
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) fordert nach der Einigung Deutschlands und Frankreichs auf eine Aufweichung des für 2035 geplanten Verbrenner-Aus zusätzliche CO2-Einsparungen in anderen Bereichen. Beim Schienenbau solle verstärkt recycelter und klimafreundlich produzierter Stahl zum Einsatz kommen, sagte Schneider am Freitag in Berlin.
Weniger Emissionen bei Bahnprojekten
Nach Schneiders Angaben verursacht der Einsatz dieses Stahls rund 75 Prozent weniger CO2-Emissionen als die Herstellung mit herkömmlichem Stahl. Der Staat könne die Nachfrage der Bahn durch entsprechende Beschaffung unterstützen.
Damit solle zugleich ein Markt für grünen Stahl entstehen und die Auslastung deutscher Stahlwerke gesichert werden. „Mir geht es immer auch um Arbeitsplätze in der Transformation“, sagte der Minister.
Koalitionsbeschluss bleibt Grundlage
Schneider betonte, dass die Entscheidung zum schrittweisen Auslaufen des Verbrennungsmotors nicht neu sei. Sie sei bereits in der Koalition vereinbart worden.
Ebenso sei festgelegt worden, dass Emissionen, die in diesem Zusammenhang nicht eingespart werden, in anderen Bereichen kompensiert werden sollen.
Die deutsch-französische Verständigung zielt auf eine Lockerung der bisherigen Auslegung des für 2035 vorgesehenen Verbrenner-Ausstiegs. Nach den vorliegenden Berichten sollen Hersteller ihre durchschnittlichen CO2-Emissionen zwar weiterhin deutlich senken, bestimmte verbleibende Emissionen aber nicht mehr vollständig ausgleichen müssen.
Schneiders Vorschlag setzt an einem anderen Teil der Klimabilanz an: Der Staat soll beim Ausbau der Schiene stärker auf recycelten und klimafreundlich produzierten Stahl setzen. Nach seinen Angaben verursacht dieser Stahl rund 75 Prozent weniger CO2 als konventionell hergestelltes Material. Damit verbindet der Minister Klimaschutz mit industriepolitischen Zielen.
Industriepolitik als Ausgleich
Der Ansatz soll Nachfrage nach grünem Stahl schaffen und deutschen Stahlwerken während der Transformation eine zusätzliche Perspektive geben. Für den Staat entstünden dadurch höhere Anforderungen an Beschaffung, Ausschreibungen und die Nachweisführung über Emissionswerte.
Politisch bleibt entscheidend, ob Einsparungen in anderen Sektoren tatsächlich als gleichwertiger Ausgleich für weniger strenge Vorgaben im Autoverkehr gelten können. Der Straßenverkehr zählt zu den emissionsintensiven Bereichen; zusätzliche Klimawirkung im Schienenbau müsste deshalb dauerhaft messbar und ausreichend groß sein.
Folgen für Verkehr und Stahl
Für Bahnprojekte könnte eine stärkere Nachfrage nach emissionsärmerem Stahl die Kosten und Lieferketten beeinflussen. Für Autofahrer und Hersteller hängt die konkrete Bedeutung der deutsch-französischen Verständigung davon ab, wie die europäischen Regeln letztlich ausgestaltet und umgesetzt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „Frankreich und Deutschland wollen Verbrenner-Aus aufweichen“ (16.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die deutsch-französische Annäherung und ordnet sie als Aufweichung des faktischen Verbots für Neuwagen mit Verbrennungsmotor ein. Der Schwerpunkt liegt auf der europäischen Abstimmung und der Zukunft des Motors, während Schneiders Vorschlag zum klimafreundlichen Stahl dort nicht im Mittelpunkt steht.
n-tv: „Einigung zu Flottengrenzwerten: Berlin und Paris wollen Verbrenner-Aus offenbar weiter aufweichen“ (15.10.2026)
Der Artikel beschreibt die vorläufige gemeinsame Position und nennt als möglichen Kern eine Reduktion der Fahrzeugemissionen um 90 Prozent ab 2035. Anders als die dts-Meldung konzentriert er sich auf die Flottengrenzwerte und die offenen europäischen Verhandlungen.
Beide Beiträge bestätigen die politische Annäherung zwischen Berlin und Paris. Offen bleibt, wie die Regelung auf EU-Ebene konkret beschlossen wird und welchen Stellenwert sektorübergreifende CO2-Einsparungen dabei erhalten.
