Verbrenner-Aus, Deutschland und Frankreich

Verbrenner-Aus: Deutschland und Frankreich wollen 90 Prozent

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 12:27 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Deutschland und Frankreich wollen die europäischen Klimavorgaben für Neuwagen mit mehr Technologieoffenheit verbinden. Der gemeinsame Vorstoß sieht ein 90-prozentiges CO2-Reduktionsziel ohne zwingenden Ausgleich der verbleibenden zehn Prozent vor.

Neue Spielräume für Europas Autoindustrie

  • Deutschland und Frankreich veröffentlichten am Freitag eine gemeinsame Erklärung zur Zukunft der europäischen Automobilindustrie.
  • Das Reduktionsziel für durchschnittliche CO2-Emissionen soll dem Vorstoß zufolge auf 90 Prozent sinken.
  • Die verbleibenden zehn Prozent müssten nach dem beschriebenen Modell nicht zwingend durch E-Fuels, Biokraftstoffe oder CO2-ärmeren Stahl ausgeglichen werden.
Friedrich Merz und Emmanuel Macron (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Deutschland und Frankreich legen Vorschlag für EU-Autos vor

Deutschland und Frankreich haben sich auf eine Lockerung des eigentlich bereits vereinbarten Verbrenner-Aus verständigt. In einer am Freitag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung fordern beide Regierungen mehr regulatorische Flexibilität und Technologieoffenheit für die europäische Automobilindustrie.

Gemeinsames Paket für die Autoindustrie

Der Vorstoß sieht ein Paket mit Anreizen für Investitionen, Forschung und Entwicklung, europäische Produktion sowie widerstandsfähige Lieferketten vor. Damit sollen die Klimaziele der Europäischen Union mit dem Erhalt technologischer Souveränität, industrieller Basis und internationaler Wettbewerbsfähigkeit verbunden werden.

CO2-Ziel soll auf 90 Prozent sinken

Nach der bisherigen EU-Regelung sollten ab 2035 grundsätzlich keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden; das Ziel für die durchschnittlichen CO2-Emissionen lag bei einer Reduktion um 100 Prozent. Die EU-Kommission hatte bereits im Vorjahr vorgeschlagen, das Ziel auf 90 Prozent zu senken.

Keine zwingende Kompensation der Restemissionen

Die verbleibenden zehn Prozent sollten nach dem früheren Kommissionsvorschlag unter anderem durch CO2-ärmeren Stahl aus der EU, E-Fuels oder Biokraftstoffe ausgeglichen werden. Der neue deutsch-französische Vorstoß sieht dem Vernehmen nach ebenfalls eine Reduktion um 90 Prozent vor, verlangt diesen Ausgleich aber nicht zwingend.

Die gemeinsame Erklärung verschiebt den politischen Schwerpunkt der europäischen Automobilpolitik: Nicht mehr allein der Ausstieg aus fossilen Antrieben steht im Mittelpunkt, sondern die Verbindung von Klimaschutz, industrieller Wertschöpfung und technologischer Wahlfreiheit. Deutschland und Frankreich wollen damit einen Rahmen schaffen, der neben Elektrofahrzeugen auch weitere Antriebslösungen berücksichtigt.

Das bisherige EU-Ziel für 2035 bedeutete faktisch, dass neue Pkw mit Verbrennungsmotor nur noch unter sehr engen Bedingungen zugelassen werden konnten. Der nun beschriebene Ansatz eines 90-prozentigen CO2-Reduktionsziels würde den Herstellern mehr Spielraum bei der Zusammensetzung ihrer Flotten geben, weil die verbleibenden zehn Prozent nicht zwingend durch zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen ausgeglichen werden müssten.

Industriepolitik trifft Klimaziel

Für die Autoindustrie könnte der Vorstoß Planungssicherheit bei Investitionen, Forschung und Lieferketten schaffen. Zugleich bleibt offen, ob die EU-Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament eine entsprechende Änderung der geltenden Vorgaben unterstützen. Für Verbraucher würde eine Lockerung vor allem bedeuten, dass nach 2035 weiterhin verschiedene Antriebstechnologien auf dem Neuwagenmarkt vertreten sein könnten; über Preise, Modelle und konkrete Zulassungsregeln entscheidet jedoch erst die europäische Ausgestaltung.

Nächster Schritt auf EU-Ebene

Die deutsch-französische Verständigung ist daher zunächst ein gemeinsamer politischer Vorschlag. Entscheidend wird, wie die Kommission daraus einen rechtsverbindlichen Text entwickelt und wie die übrigen Mitgliedstaaten die Balance zwischen Emissionsminderung und Wettbewerbsfähigkeit bewerten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS Online: „Merz und Macron einigen sich auf neuen EU-Autopakt“ (15.10.2026)

Der Beitrag bestätigt die gemeinsame Reformlinie und nennt zusätzlich industriepolitische Vorgaben für europäische Produktion und Komponenten. Sein Schwerpunkt liegt damit stärker auf dem Gesamtpaket zum Schutz der europäischen Autoindustrie als auf der Klimaregel allein.

tagesschau.de: „Frankreich und Deutschland wollen Verbrenner-Aus aufweichen“ (16.10.2026)

Der Artikel beschreibt ebenfalls das 90-Prozent-Ziel ohne verpflichtenden Ausgleich der restlichen zehn Prozent. Anders als der FOCUS-Beitrag stellt er stärker die politischen Gegenpositionen und die offene Zustimmung auf EU-Ebene heraus.

Beide Beiträge sehen in dem Vorstoß eine Lockerung der bisherigen 2035-Regel und verweisen auf zusätzliche industriepolitische Zugeständnisse. Offen bleibt, wie Kommission, Mitgliedstaaten und Parlament den Vorschlag in verbindliches EU-Recht überführen.

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