Verbrenner-Aus: Bilger verteidigt Lockerung ab 2035
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 08:30 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBilgers Aussagen zur Antriebspolitik
- Steffen Bilger bezeichnete das Verbrennerverbot in seiner bisherigen Form als Fehler.
- Die Bundesregierung setzt laut Bilger auf Technologieoffenheit statt auf eine einzige Antriebsart.
- Nach 2035 sollen Verbrenner mit erneuerbaren Kraftstoffen weiter zugelassen und genutzt werden können.
Bilger verteidigt deutsch-französischen Kurswechsel
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat das Aus des eigentlich schon vereinbarten Verbrenner-Aus verteidigt. Die deutsch-französische Verständigung schaffe Planungssicherheit und eine wirtschaftliche Perspektive für die europäische und insbesondere die deutsche Automobilindustrie, sagte Bilger am Samstag.
Verbrenner mit E-Fuels bleiben möglich
Das ambitionierte europäische Klimaziel bleibe bestehen, erklärte der Minister. Der Weg dorthin müsse jedoch flexibler werden und Raum für Innovationen lassen.
Bilger setzt nach eigenen Worten auf industriepolitische Vernunft und Technologieoffenheit statt auf die Festlegung auf eine einzige Antriebsart. Auch nach 2035 sollen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zugelassen und genutzt werden können, wenn sie erneuerbare Kraftstoffe einsetzen.
Regierung nennt bisherige Regelung einen Fehler
Erneuerbare Kraftstoffe könnten auch künftig einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sagte Bilger. Die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich ebne den Weg für eine technologieoffene und klimafreundliche Zukunft der Automobilindustrie in Europa.
Das Verbrennerverbot in seiner bisherigen Form sei ein Fehler gewesen, fügte der Minister hinzu. Die Bundesregierung korrigiere damit den bisherigen Kurs und schaffe mehr Technologieoffenheit.
EU-Ziel soll von 100 auf 90 Prozent sinken
Nach der bisherigen EU-Regelung sollten ab 2035 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr neu zugelassen werden. Das Reduktionsziel für die durchschnittlichen CO2-Emissionen war auf 100 Prozent festgesetzt worden.
Die EU-Kommission hatte bereits im vergangenen Jahr vorgeschlagen, das Ziel auf 90 Prozent zu senken. Die verbleibenden zehn Prozent sollten durch Maßnahmen wie CO2-ärmeren Stahl aus der EU sowie E-Fuels oder Biokraftstoffe ausgeglichen werden.
Dem deutsch-französischen Vorstoß zufolge soll die Reduktion ebenfalls 90 Prozent betragen. Anders als im früheren Kommissionsvorschlag müssten die restlichen zehn Prozent demnach nicht zwingend durch zusätzliche Maßnahmen kompensiert werden.
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Die von Steffen Bilger verteidigte Kurskorrektur betrifft einen zentralen Baustein der europäischen Klimapolitik und der industriellen Transformation. Nach der bisherigen EU-Regelung sollten ab 2035 grundsätzlich keine neuen Pkw mit Verbrennungsmotor zugelassen werden. Der deutsch-französische Vorstoß zielt darauf, dieses Ziel flexibler auszugestalten und neben batterieelektrischen Fahrzeugen auch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zuzulassen, sofern erneuerbare Kraftstoffe eingesetzt werden.
Für die Autoindustrie würde eine Absenkung des CO2-Reduktionsziels von 100 auf 90 Prozent den regulatorischen Spielraum vergrößern. Hersteller könnten unterschiedliche Antriebstechnologien parallel weiterentwickeln. Gleichzeitig bliebe der Anpassungsdruck hoch, weil die verbleibenden Emissionen ausgeglichen oder durch andere Maßnahmen reduziert werden müssten. Die konkrete Ausgestaltung entscheidet damit darüber, ob E-Fuels, Biokraftstoffe und emissionsärmere Produktionsverfahren tatsächlich angerechnet werden.
Folgen für Industrie und Verbraucher
Für Unternehmen bedeutet ein flexiblerer EU-Rahmen zunächst mehr Planungsspielraum bei Investitionen und Modellstrategien. Verbraucher könnten länger zwischen verschiedenen Antriebsarten wählen. Allerdings dürften Kosten, Verfügbarkeit und Infrastruktur erneuerbarer Kraftstoffe maßgeblich bestimmen, ob diese Option im Alltag eine größere Rolle spielt.
Politisch steht der Vorstoß zwischen Klimaziel und Industriepolitik. Das ambitionierte europäische Ziel bleibt laut Bilger bestehen, während der Weg dorthin technologieoffener werden soll. Als nächster entscheidender Schritt gilt die Abstimmung auf EU-Ebene, da Deutschland und Frankreich allein die geltenden Zulassungsregeln nicht ändern können.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Verbrenner-Aus 2035: Deutschland und Frankreich einigen sich auf Lockerung“ (16.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die deutsch-französische Verständigung auf eine Lockerung des bisherigen EU-Kurses. Im Mittelpunkt steht die politische Einigung; die konkrete Anrechnung einzelner Kraftstoffe bleibt dabei ein zentraler Umsetzungspunkt.
tagesschau: „Frankreich und Deutschland wollen das Verbot von Verbrennungsmotoren aufweichen“ (16.10.2026)
Die Meldung ordnet den Vorstoß als Abkehr von der bisherigen Ausgestaltung des Verbrenner-Aus ein. Anders als die Ministeraussage rückt sie stärker die politische Tragweite und die noch ausstehende europäische Umsetzung in den Vordergrund.
Gemeinsam ist beiden Beiträgen die Einschätzung, dass Deutschland und Frankreich eine Lockerung des bisherigen Rahmens anstreben. Offen bleibt, wie die EU die 90-Prozent-Vorgabe, erneuerbare Kraftstoffe und mögliche Ausgleichsmaßnahmen rechtlich konkret fassen wird.
