US Open: Zverev greift nach zweitem Grand-Slam-Titel – Finale gegen US-Star Shelton
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 05:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAlexander Zverev hat bei den US Open sein drittes Grand-Slam-Finale in Serie erreicht und trifft im Endspiel von New York auf den US-Amerikaner Ben Shelton.
Zverev zieht souverän ins Finale ein
Der 29-Jährige setzte sich im Halbfinale nervenstark mit 6:3, 7:6 (9:7), 7:6 (8:6) gegen den Russen Karen Chatschanow durch und wahrte dabei auch in engen Situationen die Übersicht. In beiden Tie-Breaks lag Zverev zurück, im dritten Satz wehrte er zudem zwei Satzbälle ab. Mit dem Erfolg steht der French-Open-Sieger nach seinem Triumph in Paris im Juni nun erneut in einem Grand-Slam-Endspiel und kann seinen zweiten Titel bei einem der vier großen Turniere gewinnen.
Historische deutsche Bestmarken
Durch den Finaleinzug verbesserte Zverev mehrere deutsche Bestmarken. Als erster deutscher Spieler im Männer-Einzel steht er in seinem zweiten US-Open-Finale und lässt damit Boris Becker, Michael Stich und Gottfried von Cramm hinter sich. Zugleich ist es sein sechstes Grand-Slam-Endspiel insgesamt; drei Finals in Serie hatte zuvor noch kein deutscher Profi geschafft. Zverev sprach angesichts der Saison von einem Jahr, in dem vieles zu seinen Gunsten laufe, und betonte, er wolle nach dem ersten Titel nun „Größeres erreichen“.
Ben Shelton vor erstem Grand-Slam-Endspiel
Finalgegner Ben Shelton folgte rund fünf Stunden nach Zverev ins Endspiel. Der 23-Jährige gewann sein Halbfinale im Arthur Ashe Stadium gegen den US-Amerikaner Frances Tiafoe mit 4:6, 6:3, 6:3, 7:5. Zuvor hatte Shelton im Viertelfinale Titelverteidiger Carlos Alcaraz aus Spanien in einer hochklassigen Fünf-Satz-Partie ausgeschaltet. Für den Weltranglistenneunten ist es das erste Grand-Slam-Finale seiner Karriere, entsprechend stark war der Jubel der Zuschauer im größten Stadion der Anlage.
Emotionale Worte und US-Hoffnung auf den Titel
Nach seinem Halbfinalerfolg wandte sich Shelton im Siegerinterview an die Fans und bat sie, ihn im Finale mit voller Energie zu unterstützen. Zugleich verband er den Auftritt mit einem Gedenkmoment: Am 25. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 erinnerte er an die Opfer und sprach über den Tod der Mutter seines Vaters in diesem Jahr. Shelton wäre im Falle eines Sieges der erste amerikanische Grand-Slam-Champion im Männer-Einzel seit Andy Roddick 2003.
Zverevs Bilanz gegen Shelton und Blick auf das Finale
Sportlich geht Zverev mit einer klaren Bilanz in das Endspiel: In bisherigen Duellen mit Shelton gewann der Hamburger alle fünf Begegnungen und gab insgesamt nur einen Satz ab. Beim letzten Match der beiden setzte sich Zverev bei den ATP Finals im Vorjahr mit 6:3, 7:6 (8:6) durch. Er beschrieb seinen Gegner als „großen, kraftvollen Kerl“ mit wuchtigen Aufschlägen und Grundschlägen. Shelton wiederum verwies darauf, dass er auch gegen Alcaraz vor dem Turnier noch nie gewonnen habe und betonte, ihn schrecke die bisherige Bilanz gegen Zverev nicht ab – bei den US Open tue er viele Dinge zum ersten Mal.
Rekorde, Träume und der Blick auf die Weltrangliste
Der Finaleinzug fügt sich in eine außergewöhnliche Saison Zverevs ein: Bei den Australian Open hatte er nur knapp das Endspiel verpasst, in Paris gewann er den Titel, in Wimbledon erreichte er das Finale. Zverev sagte, er habe in der Umkleide verstanden, nur ein Aufschlagspiel davon entfernt gewesen zu sein, bei allen vier Grand-Slam-Turnieren des Jahres im Finale zu stehen. Neben dem US-Open-Titel rückt für ihn nun auch ein weiterer Traum näher: In der Jahreswertung hat er den verletzungsbedingt in New York fehlenden Jannik Sinner überholt und kann mit einem Sieg den Abstand in der Weltrangliste deutlich verringern. Zverevs Langzeitziel bleibt die Nummer eins der Welt, die bei Fortsetzung seiner aktuellen Form in Reichweite kommt.
Historischer Lauf eines deutschen Tennisprofis
Alexander Zverev steht mit dem erneuten Finaleinzug in New York an einem Punkt, den deutsche Tennisspieler seit Jahrzehnten nicht erreicht haben. Drei Grand-Slam-Endspiele in Serie markieren eine Ausnahmesaison, in der der Hamburger bereits in Melbourne, Paris und Wimbledon zumindest das Halbfinale erreicht und in Paris seinen ersten Titel auf dieser Ebene gewonnen hat. Für deutsche Tennisfans knüpft Zverev damit an die großen Zeiten von Boris Becker und Michael Stich an, übertrifft sie statistisch jedoch bereits bei Finalteilnahmen.
Bedeutung des US-Open-Finals für Weltrangliste und Karriere
Sportlich geht es für Zverev beim Endspiel gegen Ben Shelton um weit mehr als nur einen weiteren großen Pokal. Der Deutsche hat sich durch seine Ergebnisse in diesem Jahr in der Jahreswertung vor Jannik Sinner geschoben und verkürzt mit einem möglichen Sieg in New York den Abstand in der Weltrangliste deutlich. Damit rückt sein langfristiges Ziel, die Spitze der ATP-Rangliste zu erreichen, in realistische Nähe. Zugleich könnte er als erster deutscher Spieler seit 1989 den Titel im Männer-Einzel bei den US Open holen und einen symbolträchtigen Meilenstein setzen.
Heimvorteil für Shelton und sportliche Brisanz des Duells
Ben Shelton verkörpert aus US-Sicht den Neustart im Herrentennis: Ein junger, spektakulär spielender Amerikaner, der Titelverteidiger Carlos Alcaraz aus dem Turnier geworfen hat und nun als erster US-Amerikaner seit Andy Roddick 2003 vor einem Grand-Slam-Titel steht. Zverev hält dem eine klare Favoritenbilanz von fünf Siegen in fünf direkten Duellen entgegen, trifft im Arthur Ashe Stadium aber auf einen Gegner mit vollem Heimvorteil und großer emotionaler Aufladung. Für das Turnier ist das Finale deshalb auch ein Showdown zweier Erzählungen: der möglichen deutschen Krönung einer Traumsaison gegen den erhofften amerikanischen Tennisneustart.
