US-Notenbank Fed hebt Leitzins an – Warsh stellt sich gegen Trump
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 20:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins wegen der anhaltend hohen Inflation erstmals seit Sommer 2023 wieder angehoben und stellt sich damit gegen Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach niedrigeren Zinsen.
Fed erhöht Leitzins und setzt auf Preisstabilität
Der Zins steigt um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, wie der Zentralbankrat der Fed mitteilte. Notenbank-Chef Kevin Warsh geht damit nach Monaten unveränderter Geldpolitik auf Konfrontationskurs mit Trump, dessen Druck auf eine Lockerung folgenlos geblieben war. Hintergrund ist eine Teuerungsrate von 3,4 Prozent im August, die bereits seit fünf Jahren deutlich über dem Fed-Ziel von zwei Prozent liegt.
Warsh hatte Ende August betont, die Kerninflation müsse sich eindeutig und ausreichend schnell dem Ziel annähern, sonst habe die Fed «noch einiges zu tun». Zwar sieht er eine leichte Abkühlung der Konjunktur, doch aus seiner Sicht bleibt der Kampf gegen die Inflation vorrangig.
EZB und Fed straffen Geldpolitik
Vor knapp einer Woche hatte bereits die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der durch den Iran-Krieg gestiegenen Teuerung den Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöht. Sie hob den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins von 2,25 auf 2,5 Prozent an. Damit reagiert auch der Euroraum auf den anhaltenden Preisdruck.
Seit Dezember 2025 hatte die Fed den US-Leitzins fünfmal in Folge unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Die letzte Anhebung erfolgte im Juli 2023. Nun deuten mehrere Indikatoren wie der überraschend starke Beschäftigungsanstieg im August um 162.000 Stellen auf eine Straffung hin.
Kritik an Warsh und Sorge um Unabhängigkeit
Mit der Straffung der Geldpolitik könnte Warsh zwei kritische Lager beruhigen. Zum einen hatten einige Experten seit seinem Amtsantritt im Mai konkrete Schritte zur von ihm priorisierten Preisstabilität vermisst; eine sechste Zinspause in Folge hätte nach Einschätzung von Marktbeobachtern die Glaubwürdigkeit der Fed gefährden können.
Zum anderen sahen Skeptiker Warsh als zu nah an Trump. Volkswirte befürchteten, die Notenbank könne sich von einer datenbasierten Geldpolitik entfernen und politisch gesteuert agieren. Warsh betont dagegen, er habe sich gegenüber dem Präsidenten zu keiner bestimmten Zinsentscheidung verpflichtet und sei von ihm auch nie dazu aufgefordert worden. Er wolle die Fed unabhängig führen.
Ökonomen uneins über weiteren Kurs
Über den weiteren Kurs der Fed sind die Experten geteilter Meinung. Die Ökonomin Lena Dräger vom Kiel Institut für Weltwirtschaft rechnet vorerst nur mit diesem einen Schritt. Höhere Zinsen senkten den Ölpreis nicht, erklärte sie, wichtiger sei es, erhöhten Inflationserwartungen entgegenzuwirken.
Der US-Chefökonom Robert Sockin vom Finanzdienstleister PGIM verweist jedoch darauf, dass die Fed historisch selten nur einmal anhebe oder senke. In der Regel folgten weitere Schritte. Maxime Darmet-Cucchiarini, leitender Volkswirt bei Allianz Trade, erwartet eine zweite Zinsanhebung im Dezember.
Spannungsfeld zwischen Preisen und Beschäftigung
Mit ihren Zinsentscheidungen versucht die Notenbank, einen Kompromiss zwischen stabilen Preisen und möglichst hoher Beschäftigung zu finden. Ist der Leitzins zu hoch, können hohe Kreditkosten die Wirtschaft bremsen. Ein niedrigerer Zins stützt Wachstum und Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.
Die Entscheidung der Fed dürfte Trump nicht gefallen. Der Präsident fordert seit geraumer Zeit niedrigere Leitzinsen von der per Gesetz unabhängigen Federal Reserve, entgegen gängiger Expertenmeinungen. Zuletzt drohte er sogar mit einem Handelsstopp mit bestimmten Ländern, falls die Fed ihre Geldpolitik nicht lockere.
Konflikte um frühere Fed-Spitzen
Wie Trump aus seiner Sicht mit standhaften Personen verfährt, zeigte sich bereits im Umgang mit dem früheren Fed-Chef Jerome Powell und der Fed-Vorständin Lisa Cook. Powell sah sich wiederkehrenden Beleidigungen und Rücktrittsforderungen ausgesetzt, zudem ermittelte die Bezirksstaatsanwältin und Trump-Vertraute Jeanine Pirro gegen ihn wegen angeblich ausufernder Kosten einer Renovierung.
Cook sollte Trump nach eigener Vorstellung aus dem Amt drängen. Der Oberste Gerichtshof der USA wies jedoch Ende Juni einen Antrag der US-Regierung ab, sodass Cook vorerst im Amt blieb. Das Verfahren in unteren Instanzen läuft weiter, während Medienberichten zufolge das Weiße Haus im August in einem Brief an die Fed-Gouverneurin erklärte, ihre Entlassung werde «erwogen».
Signalwirkung für Märkte und Geldpolitik
Die Zinserhöhung der US-Notenbank markiert einen geldpolitischen Kurswechsel nach einer längeren Phase der Stabilität. Dass die Fed nach fünf Sitzungen ohne Änderung nun um 0,25 Punkte anhebt, unterstreicht den Anspruch, die seit Jahren über dem Ziel liegende Inflation konsequent zu bekämpfen. Für Anleger ist dies ein deutliches Signal, dass Preisstabilität aktuell Vorrang vor der Stützung der Konjunktur erhält.
Mit der Entscheidung bewegt sich Fed-Chef Kevin Warsh zugleich weg von der Linie des US-Präsidenten Donald Trump, der wiederholt niedrigere Zinsen verlangt hat. Die Maßnahme stärkt die Wahrnehmung einer unabhängigen Notenbankführung und dürfte die Befürchtungen vieler Volkswirte dämpfen, die Warsh eine zu große politische Nähe zum Weißen Haus nachgesagt hatten. Die erhöhten Zinsen verteuern Kredite für Unternehmen und private Haushalte, können aber mittelfristig dazu beitragen, Inflationserwartungen zu begrenzen.
Globale Dimension und Rolle der EZB
Die parallele Straffung der Geldpolitik in den USA und im Euroraum verdeutlicht, dass der Kampf gegen die Teuerung inzwischen wieder zum gemeinsamen Schwerpunkt der großen Zentralbanken geworden ist. Die jüngste Anhebung durch die Europäische Zentralbank – als Reaktion auf die durch den Iran-Krieg gestiegene Teuerung – zeigt, wie stark geopolitische Spannungen und Energiepreise die Inflationslage prägen. Für exportorientierte Volkswirtschaften bedeutet ein höheres Zinsniveau in den USA und Europa eine mögliche Wachstumsbremse, zugleich aber die Chance auf stabilere Preise.
Ausblick und Bedeutung für Verbraucher
Die Einschätzungen von Ökonominnen und Ökonomen reichen von einer einmaligen Anpassung bis hin zu einer möglichen Serie weiterer Schritte. Für Verbraucher bedeuten höhere Leitzinsen meist steigende Kosten bei neuen Krediten und tendenziell attraktivere Konditionen für sichere Geldanlagen. Angesichts der weiterhin deutlich über dem Ziel liegenden Inflation bleibt der Balanceakt der Notenbanken zwischen Preisstabilität und Beschäftigung zentral: Zu starke Straffung könnte die Konjunktur belasten, zu zögerliches Vorgehen die Kaufkraft der Bürger weiter aushöhlen.
