US-Kongresswahlen, Trump-Zollpolitik

US-Kongresswahlen: Demokraten gewinnen beide Kammern

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 11:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Wahlsieg der Demokraten schränkt den innenpolitischen Spielraum des US-Präsidenten ein. Für deutsche Unternehmen bleibt eine schnelle Entspannung bei Zöllen und Handelspolitik dennoch unwahrscheinlich.

Mehrheit in Washington verändert Trumps Spielraum

  • Die Demokraten gewinnen bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat.
  • Trump kann weiterhin sein Veto einlegen, das nur mit Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern überstimmt werden kann.
  • Ökonomen erwarten keine grundlegende Abkehr von der bisherigen Zoll- und Wirtschaftspolitik.
  • Unruhige Zeiten in den USA: Nach den Kongresswahlen bekommt Trump mehr Gegenwind - Bild: J. Scott Applewhite/AP/dpa
  • Wird Trump nun zahm? Ökonomen sind skeptisch - Bild: Alex Brandon/AP/dpa
  • Die hohen Spritpreise haben die US-Wahlen mitentschieden - Bild: Gregory Bull/AP/dpa
Unruhige Zeiten in den USA: Nach den Kongresswahlen bekommt Trump mehr Gegenwind - Bild: J. Scott Applewhite/AP/dpa Wird Trump nun zahm? Ökonomen sind skeptisch - Bild: Alex Brandon/AP/dpa Die hohen Spritpreise haben die US-Wahlen mitentschieden - Bild: Gregory Bull/AP/dpa

Demokraten übernehmen beide Kammern des US-Kongresses

Bei den Zwischenwahlen in den USA haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat erobert. Der Erfolg erschwert Donald Trump das Regieren, beendet aber nicht seine Möglichkeiten, per Verordnung zu handeln und Gesetze mit einem Veto zu blockieren.

Zölle bleiben voraussichtlich ein Konfliktthema

Ökonomen erwarten nach der Wahlniederlage keine schnelle Abkehr von Trumps Zollpolitik. Der Präsident könnte sich wegen der Mehrheitsverhältnisse im Kongress stärker auf Verordnungen stützen, wodurch Handelskonflikte mit der EU und Deutschland weiter in den Vordergrund rücken könnten.

Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet damit, dass die Richtung der Wirtschafts- und Zollpolitik mindestens bis zum regulären Ende von Trumps Amtszeit im Januar 2029 bestehen bleibt. Die Zölle dürften die deutsche Wirtschaft weiter bremsen und den transatlantischen Handel durch zusätzliche politische Unsicherheit belasten.

Weniger Spielraum für Konjunkturprogramme

Mit der demokratischen Mehrheit sinken nach Einschätzung von Ökonomen die Möglichkeiten der Regierung, neue Konjunkturprogramme durch den Kongress zu bringen. Zugleich wird ein langsameres Investitionswachstum bei Künstlicher Intelligenz und ein dämpfender Effekt der harten Einwanderungspolitik erwartet.

Für 2028 wird deshalb ein deutlich schwächeres Wachstum der US-Wirtschaft von rund 1,5 Prozent erwartet. Das könnte auch die exportabhängige deutsche Wirtschaft treffen.

Spritpreise erhöhen den politischen Druck

Die gestiegenen Lebenshaltungskosten und hohen Benzinpreise spielten bei der Wahl eine wichtige Rolle. Der Iran-Krieg hat die Energiepreise deutlich erhöht und könnte den Druck auf Trump verstärken, eine Lösung für den Konflikt zu suchen.

Bei einer möglichen Wiederöffnung der Straße von Hormus könnten die Ölpreise und damit die Benzinkosten auf beiden Seiten des Atlantiks sinken. Für Brent-Öl werden bis Ende 2027 etwa 75 US-Dollar je Barrel und für 2028 im Schnitt 65 US-Dollar erwartet.

Börsen reagieren zunächst verhalten

Die Finanzmärkte verzeichneten zunächst leichte Verluste, besonders bei Technologieaktien. Die Landesbank LBBW erwartet einen schwächeren Dollar und sinkende Renditen bei US-Staatsanleihen, während der Einfluss auf die Aktienmärkte historisch schwer eindeutig abzuleiten ist.

In den 100 Tagen nach Zwischenwahlen legte der breite US-Börsenindex S&P 500 in den vergangenen 75 Jahren im Schnitt um 10 Prozent zu. Ein klares Muster für Jahre mit geteiltem Kongress oder einem Kongress gegen die Partei des Präsidenten gibt es jedoch nicht.

Mehr Regulierung für KI und Krypto möglich

Die demokratische Mehrheit könnte den Druck auf Tech-Konzerne erhöhen, insbesondere beim Bau großer Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Anwohner befürchten steigende Energie- und Wasserpreise, weshalb auch republikanische Politiker bereits Moratorien für neue Anlagen unterstützt haben.

In der Krypto-Branche dürften Gesetzesvorhaben für industriefreundliche Regeln auf größere Hürden stoßen. Der Bitcoin fiel nach ersten Hochrechnungen zwar unter 76.000 US-Dollar, erholte sich anschließend aber wieder in Richtung 78.000 US-Dollar. Auch Ether, Solana und der Token BNB legten moderat zu.

Der Wahlausgang verändert die innenpolitischen Kräfteverhältnisse in Washington deutlich: Die Demokraten kontrollieren künftig sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat. Damit erhalten sie neue Möglichkeiten für Haushaltsverhandlungen, parlamentarische Untersuchungen und die Kontrolle über wichtige Ausschüsse.

Für die Wirtschaft bedeutet die Mehrheitsverschiebung jedoch keinen automatischen Kurswechsel. Trump behält als Präsident erhebliche Befugnisse, insbesondere bei Verordnungen und Zöllen. Ein Veto kann nur mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern überstimmt werden, die die Demokraten voraussichtlich nicht erreichen. Deshalb dürften zentrale Elemente der bisherigen Handels- und Industriepolitik zunächst bestehen bleiben.

Folgen für Europa und Märkte

Die Wahlentscheidung trifft die USA in einer Phase, in der hohe Lebenshaltungskosten, steigende Energiepreise und der Iran-Krieg die politische Stimmung prägen. Diese Belastungen erhöhen den Druck auf die Regierung, bei Energiepreisen und Außenpolitik Ergebnisse zu liefern. Für deutsche Unternehmen bleibt vor allem die Zollpolitik entscheidend, weil sie Kosten, Lieferketten und Exportchancen beeinflusst.

An den Finanzmärkten können veränderte Erwartungen an Haushalt, Regulierung und Geldpolitik Dollar, Anleiherenditen und Technologieaktien bewegen. Zugleich hängt die weitere Entwicklung stärker von konkreten Gesetzesvorhaben, der Reaktion des Präsidenten und dem Verlauf des Konflikts mit Iran ab als vom Wahlergebnis allein.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „US-Zwischenwahlen: Demokraten fügen Trump schwere Niederlage zu, Folgen für Europa und Märkte“ (04.11.2026)

Der Beitrag bestätigt den Sieg der Demokraten in beiden Kammern und richtet den Schwerpunkt auf mögliche Auswirkungen für Europa und die Finanzmärkte. Im Mittelpunkt stehen dabei die haushaltspolitischen Spielräume und die Reaktion der Anleger.

taz: „Blaue Welle bei den US-Midterms: Irans Parlamentspräsident feiert Demokraten-Sieg“ (04.11.2026)

Die taz hebt neben dem Wahlergebnis die internationale Resonanz hervor und stellt den Sieg in den Zusammenhang mit der Iran-Politik. Damit setzt der Beitrag einen außenpolitischen Akzent, während die wirtschaftlichen Folgen weniger im Vordergrund stehen.

Übereinstimmend wird der demokratische Erfolg als erhebliche Einschränkung von Trumps innenpolitischem Handlungsspielraum eingeordnet. Unterschiede zeigen sich vor allem beim Schwerpunkt: Während Euronews Märkte und Europa betrachtet, stellt die taz die internationale und iranische Dimension heraus.

Disclaimer...
de | politik | 70455699 |